Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Heute geht es um Reiche und Arme. Letztere werden in der reichen Schweiz zahlreicher. Meine Kollegin hat Armut getestet, nur einen Monat lang. Manche suchen Reichtum in Spielbanken, neuerdings im Fürstentum Liechtenstein. An Schweizer Seen versperren Gutbetuchte allen anderen den Zugang zum Wasser, jetzt auch Tennisstar Roger Federer.  

Liebe Grüsse aus der Schweiz

Peter Siegenthaler

Fokus: Bundes- und Aussenpolitik, Workplace Switzerland

Familien mit Kindern beim Einkaufen

Im Caritas-Markt können Menschen in sozialer Notlage Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs zu stark vergünstigten Preisen einkaufen.

(Caritas Schweiz)

Unter vielen Reichen ist das Leben der Armen noch schwieriger zu ertragen. Diese Erfahrung macht eine wachsende arme Minderheit in der reichen Schweiz, wo es einer grossen Mehrheit materiell an nichts mangelt.  

Acht Prozent der Schweizer Bevölkerung sind arm. Besonders stark unter Druck stehen Menschen mit niedrigen Löhnen. Oft werden sie zu Luxuslösungen gezwungen, weil es viele sehr Reiche gibt im Land, welche die Lebenshaltungskosten in die Höhe treiben.

Was es bedeutet, arm zu sein, wissen die meisten Schweizerinnen und Schweizer nur vom Hörensagen.

Aufnahme vom Grundstück, das Roger Federer am Zürichsee gekauft hat.

Auf dem Grundstück von 18'000 Quadratmetern, das Roger Federer gekauft hat, soll auch ein Tennisplatz entstehen, aber kein Uferweg.

(Keystone / Ennio Leanza)

Dass sich reiche Leute an Schweizer Seeufern niederlassen und den weniger Betuchten den Zugang zum öffentlichen Gewässer versperren, sorgt seit Jahren für Zündstoff. Auch Roger Federers künftiges Anwesen am Zürichsee kommt unter Beschuss, weil es dort keinen öffentlichen Uferweg geben soll.

Die 18'000 Quadratmeter grosse Parzelle, die der Tennisstar kürzlich in Rapperswil-Jona erworben hat, ist nur eine von vielen am Zürichsee, wo der öffentliche Uferweg wegen privater Nutzung unterbrochen wird.

Dies, obwohl das Raumplanungsgesetz schon seit vierzig Jahren vorschreibt, dass "See- und Flussufer freigehalten und öffentlicher Zugang und Begehung erleichtert werden sollen".

In depth Locarno Film Festival

The most prestigious Swiss film gathering seen from an international perspective.

Casino St Gallen tisch
(Keystone / Regina Kuehne)

Bis in die 1990er-Jahre waren Spielbanken in der Schweiz nicht erlaubt. Aber danach schossen sie wie Pilze aus dem Boden. Nun bekommen helvetische Kasinos im Osten der Schweiz Konkurrenz im benachbarten Fürstentum Liechtenstein, sehr zum Ärger einiger Eidgenossen.

Mehr als zwanzig Jahre nach der Schweiz hat das Fürstentum Liechtenstein sein Geldspielgesetz ebenfalls liberalisiert. Nun gibt es auch im "Ländle" zwei Casinos, zwei weitere sind in Bau, ein fünftes ist geplant.

Der Glücksspiel-Boom wird auf Schweizer Seite argwöhnisch verfolgt, weil hiesige Casinos Kundschaft verlieren. So seien an den Standorten Bad Ragaz (SG) und in der Stadt St. Gallen die Erträge "regelrecht eingebrochen", wird Hermann Bürgi, Präsident der Eidgenössischen Spielbankenkommission in den Medien zitiert.

Kritisiert wird insbesondere, dass in Liechtenstein anders als hierzulande Spielsüchtige aus der Schweiz nicht vom Glücksspiel gesperrt werden.    

  • Das Rheintal sei für Spielsüchtige die schlimmste Gegend der Welt, schreibt der Blickexterner Link.
  • Dass gegen den geplanten Bau eines fünften Casinos im Liechtensteiner Dorf Balzers Unterschriften gesammelt werden, hat das "Liechtensteiner Vaterlandexterner Link" recherchiert.
  • Nachdem die Schweiz das Glücksspie-Gesetz lockerte, ging das Casino Campione bankrott. Was dies für das Dorf in der italienischen Exklave bedeutete, zeigt die Reportage meines Kollegen Gerhard Lobexterner Link.
Zug
(Keystone / Martin Ruetschi)

Sie sei für arme Leute zu teuer geworden, wird der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) seit langem vorgeworfen. Nun droht ihr auch wegen ihrer Sicherheitspolitik ein Image-Schaden.  

Seit dem Unfalltod eines Zugbegleiters, der anfangs August vom Zug mitgeschleift wurde, weil die Türe des Zugs nicht richtig funktionierte, stellen Passagiere und vor allem das Bahnpersonal die Sicherheit bestimmter Türsysteme an SBB-Wagons in Frage. Laut mehreren Zeugenberichten ist es immer wieder zu Unfällen wegen defekter Türen gekommen.

Nun berichten die Medien von Tamedia, dass Sicherheitsmängel bei Zügen für die SBB kein Grund seien, die Wagen von der Schiene zu nehmen. Sie stützen ihre Behauptungen auf interne Weisungen, die der Redaktion vorlägen. Darin heisse es, dass auch Fahrzeuge mit Schäden "an sicherheitsrelevanten Komponenten aus der Instandhaltung dem Betrieb übergeben werden".

Schon vor Bekanntwerden dieser Weisung hatten sich Bahnangestellte empört, dass trotz Hinweisen auf Probleme bei den Türen eines bestimmten Wagentyps zu wenig gut hingeschaut werde.

Community Frage
(swissinfo.ch)

Konsulate und Botschaften stehen unter Druck. Die Eidgenössische Finanzkontrolle stellt den Nutzen von kleinen Vertretungen infrage. Über deren effektiven Zweck gehen die Meinungen auseinander.

An der Wand des Schweizer Botschafters in der Slowakei hängt eine Karte des Landes. Darauf sind mit Stecknadeln die Orte markiert, wo die 361 registrierten Schweizer Staatsbürger leben. Am liebsten würde er sie alle besuchen. Weil er der einzige Botschafter des Landes ist, bleibt ihm dafür keine Zeit. Sein Kalender ist voll mit Terminen in der Hauptstadt.

Viele Kleinstvertretungen kämpfen mit ähnlichen Problemen. Oft können sie nicht mal Visa- und Passanfragen abwickeln. So hat auch Bratislava keine Konsularabteilung. Die Botschaft muss bei solchen Anfragen ans 70 Kilometer entfernte Wien verweisen.

Aus der Politik gibt es jedoch Stimmen, welche die Schliessung kleiner Botschaften nicht begrüssen. Gerade die Aufhebung von Vertretungen im Osten der EU hält Schneider-Schneiter, die Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission im Nationalrat, für falsch. Das stärke letztlich nur den Einfluss von Russland.

swissinfoBundeshaus
(swissinfo.ch)

Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft. 

Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte externer Linkseinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April2019).

Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.

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