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Ein Geschäft, das nicht immer glänzt


"Burkina Faso ist Opfer des Fluchs des Goldes"


Von Samuel Jaberg, Berne



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Eine der zahlreichen aufgegebenen Minen in Burkina Faso. Kleine handwerkliche Goldschürfer riskieren hier ihr Leben, um etwas Gold zu finden. (Meinrad Schade / Fastenopfer)

Eine der zahlreichen aufgegebenen Minen in Burkina Faso. Kleine handwerkliche Goldschürfer riskieren hier ihr Leben, um etwas Gold zu finden.

(Meinrad Schade / Fastenopfer)

In Burkina Faso sind für den Abbau von Gold, das in der Schweiz raffiniert wird, ganze Dörfer umgesiedelt worden: Zu diesem Schluss kommt eine Studie von zwei Schweizer Hilfswerken. Der Ökonom Barthélémy Sam aus Burkina Faso ruft die Eidgenossenschaft dazu auf, ihren Anteil der Verantwortung zu übernehmen, um solch missbräuchlichen Praktiken einen Riegel zu schieben.

Als Projektkoordinator der Nichtregierungs-Organisation Fastenopfer hat Barthélémy Sam die Dörfer um die drei Goldminen besucht, deren Goldabbau in der Studie unter die Lupe genommen wurde. Raffiniert wurde und wird das dort geschürfte Gold von der Firma Metalor mit Sitz im Kanton Neuenburg. Die Schlussfolgerungen, die der Ökonom jüngst vor den Medien in Bern präsentierte, sind bitter: Die lokale Bevölkerung ist die grosse Verliererin dieses Goldrausches, der wirtschaftliche und ökologische Folgen nach sich zieht, die oft katastrophal sind.

Metalor bestreitet die Vorwürfe

Metalor wehrt sich gegen die Schlussfolgerungen der von den Hilfswerken Brot für alle und Fastenopfer erstellten Studie und bekräftigt in einer Stellungnahme auf ihrer Website, die Firma halte "in Burkina Faso die Gesetze ein, sowie die Standards anerkannter internationaler Organisationen und ihre internen Direktiven inklusive (...)  die volle Respektierung der Menschenrechte".

Der Bericht zeichne ein "völlig falsches Bild der Lage", vor allem was die Mine von Essakane angehe, die vom kanadischen Bergbauunternehmen Iamgold betrieben werde, das "konsequent für sein herausragendes Engagement für die lokalen Gemeinschaften" anerkannt werde, schrieb die Neuenburger Firma weiter.

swissinfo.ch: Welche Probleme verursacht der Goldabbau in Burkina Faso?

Barthélémy Sam: Die wichtigste Folge ist der Verlust von Ackerland. Der Zugang zu fruchtbarem Land ist in Burkina Faso von grundlegender Bedeutung, denn 83% der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. In den vergangenen Jahren wurden gegen 14'000 Menschen umgesiedelt, um Platz zu machen für drei Minen, in denen Gold abgebaut wird, das danach in der Schweiz verfeinert wird. Sicher, die Gespräche zwischen dem Staat, den Unternehmen und den Dorfbevölkerungen führen immer zu gewissen Entschädigungen. Diese bringen aber oft nicht viel: Es ist zum Beispiel sehr schwierig, in Burkina Faso Ackerland zu kaufen, denn dieses wird von Generation zu Generation übertragen oder verliehen. Die betroffenen Menschen haben also ihre Existenzgrundlage verloren.

swissinfo.ch: Die multinationalen Konzerne, die in Burkina Faso aktiv sind, bekräftigen jedoch, dass sie alles täten, um die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer Aktivitäten zu reduzieren. Malen Sie nicht etwas gar schwarz?

B.S.: Nein, ich habe viele Dorfbewohner getroffen, die angesichts der Lage verzweifelt sind, und es ist meine Aufgabe, diese Stimmen, die aus den Herzen kommen, weiterzugeben. Der industrielle Goldabbau hat das Leben armer Bauern nur noch schwieriger gemacht. Es ist ein Fluch für die lokalen Dorfgemeinschaften. Im Unterschied zu dem, was die Betreiber der Minen erklären, profitiert die lokale Bevölkerung nicht von diesem Geschäft.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Um die Mine Bissa betreiben zu können, die rund 85 Kilometer nördlich der Hauptstadt Ouagadougou liegt, musste ein ganzes Dorf umgesiedelt werden. Die Menschen aus dem Dorf sind heute dazu gezwungen, trockenes Land zu kultivieren. Zudem sind die im neuen Dorf Bissa erstellten Häuser klein, schlecht gebaut und entsprechen nicht den Gewohnheiten des gesellschaftlichen Lebens. 

Und das ist nicht alles: Weil die Minen heute nicht mehr zugänglich sind, können die Menschen auch nicht mehr dem handwerklich betriebenen Goldabbau nachgehen. Sie haben eine bedeutende Einnahmequelle verloren.

swissinfo.ch: Der handwerklich betriebene Goldabbau ist aber doch auch eine sehr riskante Tätigkeit, oder?

B.S.: In diesem spezifischen Fall war das Gold relativ leicht erreichbar, und zum Abbau waren keine sehr grossen Anstrengungen nötig. Aber tatsächlich, man schätzt, dass gegen 600'000 Menschen in Burkina Faso in handwerklich ausgebeuteten Goldminen arbeiten, unter häufig sehr schwierigen Bedingungen. Kinder riskieren jeden Tag ihr Leben in den tiefen, wenig gesicherten und schlecht gelüfteten Schächten. Die Erklärung von Bern hat übrigens jüngst in einem Bericht auf diese Problematik hingewiesen und bewiesen, dass illegales Gold aus diesen handwerklich betriebenen Minen in der Schweiz raffiniert wird.

Dazu kommt, dass der Goldrausch der ausländischen Multis und der industrielle Abbau, der seit einigen Jahren im Gang ist, viele sozio-ökonomische, kulturelle, ökologische, gesundheitliche und politische Probleme nach sich zieht. Und alles deutet darauf hin, dass vorerst kein Ende abzusehen ist. Seit 2001 hat Burkina Faso jedes Jahr gegen 40 Tonnen Gold exportiert. Laut Schätzungen könnten aus den aktuellen Minen noch rund 260 Tonnen abgebaut werden.

swissinfo.ch: Sie erwähnen Umwelt- und Gesundheitsprobleme. Können Sie uns ein konkretes Beispiel geben?

B.S.: Die Einwohner und Einwohnerinnen des neuen Dorfs Bissa, vor allem die Frauen, leiden enorm unter dem Mangel an Wasser. Das Bergbauunternehmen gestand ein, die Brunnenschächte verschmutzt zu haben und brachte Wassertanks. Aber diese reichen nicht aus, was zu Konflikten unter den Frauen führt. Mangels Alternativen trinken viele dennoch das durch giftige Abfälle der Mine verschmutzte Wasser. Sie zeigen mir schwarze Flecken an ihren Händen und Füssen und sagen, verantwortlich dafür sei das "Goldwasser".

swissinfo.ch: Wer ist schuld?

B.S.: Die multinationalen Konzerne, die vor Ort aktiv sind, tragen offensichtlich einen grossen Teil der Verantwortung. Aber auch jene Firmen, die in der Schweiz Gold aus Burkina Faso raffinieren. Sie müssten ihrerseits sicherstellen, dass die Bergbauunternehmen die Umweltnormen einhalten und die Würde der lokalen Bevölkerung nicht missachten.

Es geht auch nicht darum, die Verantwortlichkeit der Regierung von Burkina Faso herunterzuspielen. Die meisten Bewilligungen zum Betrieb der Minen wurden noch vom Regime von Blaise Campaoré erteilt [nach einem Volksaufstand 2014 zum Rücktritt gezwungen]. Eine Minderheit der Machthaber hatte damit enorme Profite erzielt.

Es gibt Studien über die Auswirkungen, aber diese bleiben oft in der Schublade liegen. Der Staat, der sich um diese Fragen kümmern sollte, ist schwach. Ein weiteres Problem: Die Kalsaka-Mine im Norden des Landes stellt nach nur eineinhalb Jahren Betrieb die Produktion ein, und niemand weiss, wer für die Sanierung verantwortlich ist.

swissinfo.ch: Was erwarten Sie von der Schweiz und ihrer Regierung?

B.S.: Fast 70% des weltweit abgebauten Goldes und 90% des Goldes aus Burkina Faso werden in der Schweiz raffiniert. Daher kann die  Eidgenossenschaft ihre Verantwortung nicht einfach von sich weisen. Sie muss sich engagieren. Indem sie mehr Druck auf die Unternehmen ausübt, die auf die Verfeinerung von Gold spezialisiert sind, dann wären diese in der Folge ihrerseits gezwungen, von ihren Geschäftspartnern, die das gelbe Edelmetall vor Ort abbauen, grössere Sorgfalt einzufordern.  

Für verantwortungsvolle multinationale Konzerne

Nach Ansicht der Schweizer Nichtregierungs-Organisationen Caritas und Brot für alle zeigt ihre Studie über die Auswirkungen des Goldabbaus in Burkina Faso einmal mehr, dass die Schweiz nicht länger nur auf freiwillige Massnahmen setzen kann, damit multinationale Konzerne, die im Ausland tätig sind, die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt besser respektieren.

Deshalb hatten sie 2015 – zusammen mit mehr als 70 Organisationen aus der Zivilgesellschaft – beschlossen, die Konzernverantwortungs-Initiative zu lancieren; die Unterschriftensammlung ist noch im Gang. Ziel ist es, Firmen mit Sitz in der Schweiz via Gesetz zur Respektierung von Menschenrechten und Umwelt zu verpflichten. Die Pflicht für eine Sorgfaltsprüfung sei eine Frage der "Gerechtigkeit und der Würde", aber auch "eine Chance für die Wirtschaft".

Die Organisationen weisen darauf hin, dass Verletzungen der Menschenrechte im Ausland, die mit Schweizer Firmen in einem Zusammenhang stünden, auch negative Auswirkungen auf den Ruf der Schweiz nach sich ziehen könnten. 


(Übertragung aus dem Französischen: Rita Emch), swissinfo.ch

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