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Ein Schweizer Dokumentarfilm mit Folgen

"Nachrichten aus Fidels Gefängnis" hat zu Kontroversen über journalistische Methoden und über die Haltung der Schweiz gegenüber Kuba geführt.

Ein swissinfo-Gespräch mit den Filmemachern.

Ruedi Leuthold und Beat Bieri haben in Kuba den Dokumentarfilm "Nachrichten aus Fidels Gefängnis" gedreht. Der Film zeigt Hintergründe darüber, wie der dissidente Journalist und Schriftsteller Raul Rivero im Frühjahr 2003 in Havanna zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt worden war.

Der Dok-Film löste in der Schweiz und in anderen Ländern eine Kontroverse aus.

swissinfo: Ruedi Leuthold und Beat Bieri, warum wird das sozialistische Kuba auch in der Schweiz in bestimmten Kreisen noch immer idealisiert, obwohl dort Dissidente und Andersdenkende eingesperrt werden?

Beat Bieri: Das hat damit zu tun, dass Kuba noch immer ein Traum ist für viele Leute. Kuba ist die letzte Insel, die letzte Bastion, wo der Sozialismus in einer gewissen unverfälschten Form noch existiert. Und diesen Traum von der Realität möchten sich die Leute nicht nehmen lassen.

Das hat zu sehr heftigen Reaktionen geführt. Meiner Ansicht nach wollen die Leute nicht wahr haben, dass eine an und für sich gute sozialistische Idee sich in Kuba in eine totalitäre Realität gewandelt hat.

swissinfo: Sie haben den Film über Raul Rivero ohne offizielle Dreherlaubnis gemacht, ein Vorgehen, das auf Kritik gestossen ist.

Ruedi Leuthold: Vielleicht haben wir einige Regeln nicht eingehalten. Wir hatten keine offizielle Erlaubnis, um den Kubafilm zu machen. Diese Erlaubnis hätten wir auch nicht bekommen.

Wir waren gezwungen, etwas subversiv zu arbeiten, auf andere Art an die Informationen heran zu kommen. Vielleicht gibt es Journalisten, die nicht gut finden, wenn man das in einem Land wie Kuba macht.

swissinfo: Was war der grösste Vorwurf, der gegen den Film über Raul Rivero erhoben wurde?

Beat Bieri: Es waren Journalisten-Kollegen, die uns im Ernst vorwarfen, wir hätten in Kuba illegal gearbeitet. Sie suggerierten, der US-Geheimdienst (CIA) habe uns bezahlt. Das sind unglaubliche Unterstellungen. Man hatte offenbar keine besseren Argumente.

swissinfo: Die Tatsache, dass der Film über Raul Rivero ohne offizielle Drehbewilligung entstanden ist, führte dazu, dass die kubanischen Behörden keine Stellung bezogen, oder beziehen wollten. Ist der Film deswegen parteiisch und einseitig?



Beat Bieri: Dieser Film ist ein anwaltschaftlicher Film. Man kann sagen, dass der Film vermutlich nicht nach allen journalistischen Regeln ausgearbeitet wurde; es sind nicht beide Seiten zu Wort gekommen.

Das konnten wir vor Ort auch nicht tun, sonst hätten wir den Film nicht machen können. Aber wir haben nichts unterschlagen, was wir besser hätten wissen können. Das heisst, wir haben keine Wahrheiten oder Erkenntnisse unterdrückt, die ein anderes Bild hätten geben können.

swissinfo: Würden sie den Dokumentarfilm über Raul Rivero heute nochmals in der gleichen Art machen?

Beat Bieri: Da steht die Frage dahinter, ob wir andere Erkenntnisse und Einsichten hätten, die dazu führen könnten, den Film anders zu machen. Ich muss sagen, wir haben keine neuen Erkenntnisse, die heute zu einem anderen Film führen würden. Es wäre toll, mit offiziellen Stellen zu sprechen und zu hören, wie man ein solches Urteil (gegen Raul Rivero) rechtfertigen könnte.

swissinfo: Hat der Dokumentarfilm Raul Rivero im Gefängnis genützt oder geschadet?

Beat Bieri: Ich weiss nicht, ob es mit dem Film zu tun hat oder mit der internationalen Diskussion (über Raul Rivero): Tatsache ist, dass im Frühling, nachdem der Film ausgestrahlt worden war und eine Diskussion ausgelöst hatte, das Regime für Raul Rivero im Gefängnis verschärft worden ist.

swissinfo-Interview: Erwin Dettling

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