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Ein Sieg für die Elefanten

Elefanten in Tansania: Weiterhin kein staatlicher Elfenbeinhandel möglich.

(Bernhard Arnet)

Die Konferenz der Artenschutz-Konvention Cites hat in Doha Anträge von Tansania und Sambia für die Erlaubnis zum Handel mit Elfenbein abgelehnt. Während sich die Schweiz der Stimme enthielt, engagiert sich der Verein Freunde der Serengeti gegen den Elfenbeinhandel.

Für Bernhard Arnet, Präsident des Vereins Freunde der Serengeti Schweiz (FSS), ist der Cites-Entscheid "ein grosser Tag des Elefanten".

Es sei nicht ein Sieg für die FSS, "sondern ein Sieg für die Elefanten", sagt der Hausarzt aus Schlieren bei Zürich gegenüber swissinfo.ch.

"Dieser Entscheid ist sehr wichtig. Denn die Behauptung, mit einem vermehrten Angebot durch den Verkauf des Elfenbeins würden die Nachfrage und der Preis sinken, haben sich in der Vergangenheit als falsch erwiesen."

Tansania wollte rund 90'000 Kilogramm Elfenbein, das es von verendeten Elefanten und ertappten Wilderern eingesammelt hatte, nach Asien verkaufen.

Der vorgeschlagene Handel hätte verheerende Auswirkungen gehabt, sind die Freunde der Serengeti überzeugt. "Er würde vor allem die Wilderei auf Elefanten ankurbeln."

Arnet verweist auf frühere Erfahrungen: 2008 war vier südafrikanischen Ländern der Verkauf von eingelagertem Elfenbein erlaubt worden. "Innert eines Jahres hat die Wilderei zugenommen. Dem Elfenbein, das Sie irgendwo kaufen können oder sich schenken lassen, sehen Sie nicht an, woher es genau kommt."

Schweizer Stimmenthaltung

Beim Elfenbein-Entscheid der Cites-Konferenz in Doha enthielt sich die Schweiz der Stimme.

Begründung: Viele Fragen seien nicht geklärt, wie der Schweizer Delegationsleiter Mathias Lörtscher vom Bundesamt für Veterinärwesen (Bvet) mitteilte.

Die Diskussionen um je einen wissenschaftlichen Bericht zum Ausmass der Wilderei und des illegalen Handels "konnten unsere Zweifel nicht ausräumen".

Die Anträge Tansanias und Sambias, den Handel mit Elefanten, deren Häuten und entsprechenden Lederwaren zu erlauben, unterstützte die Schweiz dagegen. Die Elefantenbestände seien in den beiden Ländern in guter Verfassung, erklärte Lörtscher. Die Cites-Konferenz lehnte jedoch auch diese Anträge ab.

Die Haltung der Schweiz kommt bei Bernhard Arnet schlecht an. "Ich neige nicht dazu, Leute oder Fakten vorschnell zu verurteilen. Wieso die Schweiz so gestimmt hat, verstehe ich nicht, da fehlen mir offensichtlich die Informationen", erklärt er.

"Wir vom Verein FSS sind enttäuscht und beschämt, dass die Schweiz sich nicht durchringen konnte, ein klares Signal zugunsten der Elefanten und gegen die Wilderei zu setzen."

Kontroverse Studien

Einige Forscher bezweifeln den Zusammenhang zwischen den bisherigen Elfenbein-Verkäufen und der gestiegenen Wilderei. Verantwortlich dafür seien vor allem jene afrikanischen Staaten, deren Behörden zu wenig dezidiert gegen die Wilderei vorgingen oder korrupt seien.

Oder Bürgerkriegssituationen wie etwa im Kongo, wo mafiöse Organisationen leichtes Spiel hätten und der Elfenbeinhandel zur Finanzierung von Waffen diene.

Es gäbe eine Studie, die dies erhärte, sagt dazu der FSS-Präsident. Eine andere Studie sage, es sei ein linearer Zusammenhang zwischen Elfenbeinhandel und Wilderei vorhanden. "Aus meiner über 20-jährigen Tätigkeit als Arzt weiss ich, dass auf eine Studie eine Gegenstudie folgt", lacht Arnet. "Die Studien deuten häufig in eine Richtung, die dem Auftraggeber genehm ist."

Realität anders erlebt

Der Grund, dass die Freunde der Serengeti Schweiz politisch aktiv geworden sind und die Schweizer Delegation aufgefordert haben, sich gegen den Elfenbeinhandel "energisch zur Wehr zu setzen", ist der Besuch bei ihren Projekten in Tansania kurz vor Beginn der Cites-Konferenz in Doha.

"Dort haben wir die Realität völlig anders erlebt", sagt Arnet. "Alle Leute, die in Tansania leben und mit uns zusammenarbeiten, haben uns gesagt: macht um Gottes Willen etwas."

Die Zahlen, die in den Studien publiziert werden, stimmten nicht, gingen in eine ganz andere Richtung. "Wir glauben fest an einen Zusammenhang zwischen Elfenbeinhandel und Wilderei. Natürlich hat es auch mit der Armut und der Korruption des Landes zu tun, die leider massiv zugenommen hat. Aber daran ändert sich auch nichts, wenn Elfenbein legal verkauft wird", so Arnet.

Mit Schulung gegen "Human wildlife conflicts"

Tansania und Sambia begründeten ihre Anträge auf den Verkauf von staatlichem Elfenbein damit, dass sich die Elefantenpopulationen in ihren Ländern erholt hätten. Zudem bedrohten die Elefanten das Leben der Menschen, weil sie immer wieder Dörfer angriffen und erhebliche Schäden auf den Feldern anrichteten.

Diese Probleme negiert der FSS-Präsident nicht. "Überall, wo Menschen und Wildtiere nahe zusammenleben, kommt es zu diesen 'Human wildlife conflicts'. Das Rezept dagegen heisst Kooperation statt Konfrontation."

Kooperation mit den Wildschutzbehörden, Wissen, Information, Schulung der Leute: Das sei wichtig, betont Arnet.

"Es dürfen zum Beispiel keine Menschen mehr staatlich umgesiedelt werden in Gebiete von Elefanten-Migrationsrouten. Da ist der 'Human wildlife conflict' natürlich programmiert. Die Elefanten fressen den Mais, wo er wächst."

Die Leute müssten geschult werden, wie und wo man Mais anbauen müsse, um die Elefanten davon fernzuhalten. "In diesem Bereich sind wir als FSS auch aktiv."

Verantwortlich fürs Tun oder Nichttun

Auf die Frage, ob die Tierwelt Afrikas - über die Elefanten hinaus - noch zu retten sei, antwortet der Präsident des Vereins Freunde der Serengeti Schweiz: "Ich kann die Frage nicht mit Ja beantworten, weigere mich aber, sie mit Nein zu beantworten."

Man könne nicht da sitzen und der Sache ihren Gang lassen. Man sei verantwortlich für das, was man tue oder auch nicht. "Ich glaube, wenn das Engagement gross ist, wenn man ehrlich bei den Leuten ist, dann erreicht man einiges, auch heutzutage", sagt Arnet.

"Eines Tages wird die Welt sicher untergehen. Deshalb müssen wir den Weg bis dahin möglichst gut gestalten. Und daran arbeiten wir."

Jean-Michel Berthoud, swissinfo.ch

Freunde der Serengeti Schweiz

Der Verein Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) wurde 1984 gegründet, mit Unterstützung des berühmten Naturschützers Professor Dr. Bernhard Grzimek.

Der FSS zählt heute über 1200 Mitglieder. Er ist Träger des "Certificate of Merit" - ein Dank der tansanischen Regierung an den Verein für seine partnerschaftliche und nachhaltige Arbeit zum Schutz der afrikanischen Naturreichtümer.

Der FSS unterstützt namentlich in den Nationalparks Serengeti und Tarangire die Rangers bei ihrem Einsatz für die Wildtiere - materiell, finanziell und ideell.

Weitere Projekte umfassen Infrastrukturhilfe, Schulausflüge in die Nationalparks zur Förderung des Naturverständnisses, Stipendien für Wildhüterinnen und Wildhüter, Fahrzeug- und Ausrüstungs-Lieferungen, Wissensvermittlung, Feldstudien und die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung im Umfeld der Nationalparks.

Der FSS kann dazu auf Schweizer Partnerinnen und Partner vor Ort zählen, die seit Jahrzehnten in Tansania leben.

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Cites

Die "Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora" (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen - Cites) ist gleichermassen ein Abkommen und eine internationale Organisation, die zum Ziel hat, internationalen Handel soweit zu kontrollieren, dass das Überleben von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten nicht gefährdet wird.

Der Konventionstext der Cites wird nach dem Ort seiner Erstunterzeichnung in Washington D.C. am 3. März 1973 auch Washingtoner Artenschutz-Konvention genannt, wurde aber seitdem am 22. Juni 1979 in Bonn und am 30. April 1983 in Gaborone (Botswana) überarbeitet.

Auslöser für das Übereinkommen war die Erkenntnis, dass eine der Hauptursachen für das Aussterben von Tierarten der internationale Handel mit einzelnen Tieren dieser Arten oder den aus ihnen gewonnenen Teilen (z.B. Elfenbein, Reptilleder) und Erzeugnissen (z.B. Naturmedikamente, Lebensmittel) ist.

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