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Elektrosmog ist besser als sein Ruf

Auslöser von Ängsten, aber harmloser als der Feierabendstau: Mast mit Radio- und TV-Sendern.

(Keystone)

Starkstromleitungen, Mobilfunk-Antennen, TV-Sender und Haushaltgeräte erzeugen so genannten Elektrosmog. Die Jahrestagung der Schweizerischen Krebsliga befasste sich mit der Frage, inwiefern Elektrosmog Krebs verursacht.

"Wenn ich an meine Kinder und Enkelkinder denke, wäre ich ruhiger, wenn man den McDonald's verbieten würde", sagt der Krebsexperte Franco Cavalli zu den Gefahren des Elektrosmogs. "Fast-Food ist sicher schlimmer als mit dem Handy telefonieren."

Cavalli ist Direktor des onkologischen Instituts der italienischen Schweiz und einer der Experten an der Tagung. "Wir können nicht beweisen, dass elektromagnetische Felder zur Bildung von Tumoren nichts beitragen", fasst Cavalli den aktuellen Stand der Forschung zusammen. Die in der Schweiz geltenden Vorschriften und Grenzwerte seien streng, so Cavalli. - "Aber vielleicht würden wir weiter gehen, wenn wir mehr wüssten."

Mit andern Worten: Wissenschaftliche Studien haben bisher keinen negativen Einfluss von Elektrosmog auf die Gesundheit nachgewiesen. Das gilt für Starkstromleitungen genauso wie für TV- und Radiosender, für Mobilfunkanlagen oder für das Telefonieren mit dem Handy.

Martin Röösli, Professor am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel, schränkt die Verlässlichkeit der Studien ein: "Bei den langfristigen Auswirkungen hinkt die Forschung der Technik immer etwas hintennach. Wenn es darum geht, zehn Jahre und längere Expositions-Zeiträume zu untersuchen, dann braucht man auch entsprechend viele Leute, die so lange bestrahlt worden sind."

Auch Stimme Gottes verursacht Elektrosmog

Verursacher von elektrischen oder magnetischen Feldern, also von so genanntem Elektrosmog, gibt es überall dort, wo Strom fliesst, aber auch bei Sendeanlagen für TV, Radio oder Mobilfunk. Entsprechend regt sich in weiten Teilen der Bevölkerung regelmässig Widerstand gegen geplante oder installierte Mobilfunk-Antennen oder Hochspannungsleitungen.

Internationales Aufsehen erregte vor acht Jahren eine Kontroverse um den stärksten Kurzwellensender der Welt, um Radio Vatikan. Damals drohte der italienische Umweltminister dem Papst, er werde den Strom abstellen, weil der Sender die Ursache für eine erhöhte Krebsrate und für zahlreiche Fälle von Kinderleukämie sei.

"Es gibt keine Assoziationen zwischen der Feldstärke von Radiosendern und dem Risiko, dass Kinder an Kinderleukämie erkranken", sagt Joachim Schütz vom Institut für Krebsepidemiologie in Kopenhagen.

8000 Kinder untersucht

Schütz bezieht sich bei dieser Aussage auf mehrere epidemiologische Studien. So veröffentlichte das deutsche Mobilfunk-Forschungs-Programm im Jahr 2008 die Resultate einer Studie, welche die Hypothese eines erhöhten Kinderleukämie-Risikos in der Umgebung starker Fernseh- und Radiosender untersuchte. Dabei wurde die Exposition von 2000 Kindern, die seit 1984 an Leukämie erkrankt sind, mit der Bestrahlungsintensität von 6000 nicht erkrankten Kindern verglichen.

Bei den erkrankten und den gesunden Kindern konnten die Wissenschafter jedoch keine Unterschiede in der Belastung durch die Sender feststellen. "Vor allem die individuelle Expositions-Abschätzung für fast 8000 Kinder, der 20-jährige Beobachtungszeitraum und der Fokus auf 24 der leistungsstärksten Sendeanlagen schwächt vereinzelte auffällige Befunde früherer Studien deutlich ab", lautete das Fazit.

Telefonieren mit Festnetz ist vernünftiger

Auch die Resultate von grossangelegten Studien über den Zusammenhang zwischen dem mobilen Telefonieren und Hirntumoren zeigen in die gleiche Richtung. Auf die hypothetische Frage, ob er seine Kinder ununterbrochen während Stunden mit dem Handy telefonieren liesse, antwortet Martin Röösli: "Es ist sicher kein Problem, wenn Kinder ab und zu mal ein Handy benutzen. Wenn meine Kinder täglich vier Stunden telefonierten, dann würde ich ihnen sagen, sie sollen es mit dem Festznetz-Telefon tun."

Ärzte berichten regelmässig von Patienten, die Symptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Unwohlsein auf Elektrosmog zurückführen. "Da ist sicher die subjektive Wahrnehmung die Hauptkomponente", sagt Röösli. "Möglicherweise ist ein kleiner Teil davon durch die Strahlung verursacht. Es gibt tatsächlich noch offene Fragen. Darum sollte man die Exposition wenn immer möglich minimieren."

swissinfo, Andreas Keiser

Krebs in der Schweiz

In der Schweiz sind 85'000 Menschen krebskrank.

Jedes Jahr werden 31'000 neue Krebsfälle diagnostiziert.

15'000 Menschen sterben jedes Jahr an Krebs.

Wie in den meisten Industriestaaten ist Krebs in der Schweiz die zweitgrösste Todesursache hinter den Herzkreislauf-Erkrankungen.

Die Medizin kann durchschnittlich einen auf zwei Krebs-Patienten heilen.

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Krebsliga

Die Krebsliga ist eine nationale gemeinnützige Organisation, die gegen Krebs kämpft und Betroffene und Angehörige unterstützt.

Sie ist als Verband organisiert und konfessionell und politisch neutral. Die Krebsliga besteht aus 20 kantonalen und regionalen Ligen sowie aus der Dachorganisation, der Krebsliga Schweiz.

Die kantonalen Ligen bieten vor allem direkte Unterstützung, Beratung und Begleitung für Betroffene vor Ort.

Die Dachorganisation widmet sich zusätzlich der Förderung der Krebsforschung und der Entwicklung psychosozialer Programme für Fachpersonen.

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