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Nicht überall darf man an Feiertagen das Tanzbein schwingen.

Mit dem Aschermittwoch endet im katholischen Raum die Fasnacht und die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern beginnt. Im Kanton Luzern gilt der Aschermittwoch als hoher Feiertag und ist deshalb mit einem Tanzverbot belegt. Das könnte sich bald ändern.

Laut Paragraph 22 im Gastgewerbegesetz des Kantons Luzern sind an hohen Feiertagen wie Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag, Weihnachten, dem Eidgenössischen Bettag und Aschermittwoch "allgemein zugängliche Tanzveranstaltungen und Tanzdarbietungen untersagt".

Aufgrund einer Motion von Katharina Meile will der Luzerner Kantonsrat nun das Tanzverbot an hohen Feiertagen abschaffen. Im Vorstoss der grünen Politikerin wird das Tanzverbot als "rechtliches Relikt" beschrieben, das nicht mehr dem Zeitgeist entspreche. Es sei nicht Aufgabe des Kantons, das Freizeit- und Ausgehverhalten von Privaten zu reglementieren.

Im Ruhetags- und Ladenschlussgesetz des Kantons Luzern sind weitere Verbote an hohen Feiertagen niedergeschrieben. So sind Sportveranstaltungen, Übungen der Schiessvereine oder Veranstaltungen des Unterhaltungsgewerbes ebenfalls nicht erlaubt.

Kantonale Unterschiede bei Verboten

Je nach Kanton und Konfession ist die Anzahl der hohen Feiertage im Jahr unterschiedlich. Sie richten sich nach religiösen Feierlichkeiten. Verschiedene Gesetzestexte schreiben vor, was an Ruhetagen und insbesondere an hohen Feiertagen erlaubt ist und was nicht.

Im Kanton Solothurn sind etwa Theater- und Kinovorstellungen sowie Konzerte verboten – ausser es handelt sich um Aufführungen von Werken mit ernstem Charakter.

Im Kanton Zürich dürfen Sport-, Tanz- Konzert- oder Theatervorstellungen nur dann aufgeführt werden, wenn sie in geschlossenen Räumen stattfinden und nicht mehr als 500 Personen gleichzeitig teilnehmen.

Der Kanton Baselland verbietet an hohen Feiertagen ebenfalls öffentliches Tanzen, aber auch Kegeln oder Preisjassen.

Solche Verbote werfen einerseits die Frage auf, welche Bedeutung die Feiertage für die Gesellschaft haben und andererseits, ob solche Gesetze den heutigen Bedürfnissen entsprechen.

Bedeutung der Ruhetage im Wandel

Wie Urs Altermatt, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Freiburg, erklärt, hat sich die Bedeutung des Sonntags seit den 1960er-Jahren mit der Konsum- und Freizeitgesellschaft verändert. Die Ruhe- und Feiertage hatten ihren religiösen Gehalt verloren, doch würden die Ruhetage weiterhin in der Freizeit gepflegt und auch geschätzt.

Solche Gebote und Verbote, wie sie in den Gesetzestexten zu lesen seien, reichten weit bis ins 18. Jahrhundert, wenn nicht gar noch weiter zurück. Laut Altermatt herrschte damals ein enges Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Heute habe sich das durch die ökumenische Vermischung geändert. "In verschiedenen Kantonen wurden gewisse katholische Feiertage gestrichen und andere eingeführt, wie zum Beispiel der 1. Mai."

Die säkularisierte Gesellschaft habe Ruhetage für die Freizeit, doch seien sie nicht mehr in erster Linie an die Kirche oder die Arbeitsprozesse einer industriellen Gesellschaft gebunden, so Altermatt.

Für Altermatt ist in Bezug auf die Feiertage weniger die Kirche das Problem als die Frage, wie es eine pluralistische Gesellschaft zustande bringen könne, noch gemeinsame Feiertage zu haben.

So sei für Christen der Sonntag, für Juden der Sabbat und für Muslime der Freitag ein Feiertag. "Vor diesem Hintergrund zeigt sich die grundlegende Frage, wie eine religiös und kulturell pluralistische Gesellschaft freie Tage, also arbeitsfreie Tage gestalten will."

"Vor solchen Überlegungen wird das Tanzverbot in Luzern zu einem Bagatellenproblem. Insofern widerspiegeln solche Gesetze die Realität nicht mehr", meint Altermatt.

Auch eine Frage der Gesetze

Für Giuseppe Gracia, Kommunikationsbeauftragter des Bistums Basel, "spiegeln gute Gesetze eine wünschbare Regelung des sozialen Lebens und des Menschseins".

Es gebe eine Zeit des Feierns, des Tanzens und der Ausgelassenheit. Aber genauso gebe es eine Zeit der Ruhe und inneren Besinnung. Für den Menschen gehöre beides dazu, was auch zur Botschaft der katholischen Kirche gehöre. "Die konkreten Gesetze sind aber Sache des Staates."

Für Gracia sind die Gesetze nur dann problematisch, wenn sie den Menschen letztlich verfehlen. "Wenn sie dem Menschen erlauben, ständig zu feiern, geschäftig und laut sein lassen ohne Sinn für Stille und Selbstfindung. Aber auch dann, wenn sie anfangen, das Feiern zu verbieten und Freude zu verteufeln, die auch zum rechten Menschsein gehören".

swissinfo, Sandra Grizelj

Tanzverbot an Feiertagen

Kanton Luzern:
1997 und 2000 lehnte der Kantonsrat eine Änderung des Tanzverbots ab.

Appenzell Innerhoden:
Das Tanzverbot gilt während der ganzen Karwoche.
Eine Lockerung des Gesetzes, welche das Tanzverbot nur auf den Karfreitag beschränken wollte, wurde Anfang Februar 2009 vom Grossen Rat abgelehnt.

Baselland, Uri, Obwalden, Solothurn
Hier gilt ebenfalls das Tanzverbot.

Nidwalden, Schwyz, Zug, Schaffhausen
Hier wurde das Tanzverbot abgeschafft.

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