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FIFA-Krise und kein Ende


79 Mio. Franken - soviel haben Blatter & Co. bei der Fifa seit 2010 abgezügelt




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Da gabs noch eine Abfahrt durch den Hinterausgang. Jetzt scheint Joseph Blatter das Zupacken der Justiz gewiss. (Keystone)

Da gabs noch eine Abfahrt durch den Hinterausgang. Jetzt scheint Joseph Blatter das Zupacken der Justiz gewiss.

(Keystone)

Die mediale Bombe detonierte am Freitagabend: Ex-Präsident Joseph Blatter hat sich laut Fifa zusammen mit zwei weiteren Spitzenfunktionären mit knapp 80 Mio Franken aus der Kasse des Weltverbands bedient. Das in den letzten fünf Amtsjahren. Und gleichzeitig liegen gravierende Vorwürfe gegen seinen Nachfolger Gianni Infantino auf dem Tisch. Die Frage, ob sich die Fifa noch selber aus dem Sumpf befreien kann, hat immer rhetorischeren Charakter. 

Es ist die Schlagzeile des Freitagabends: Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter, Ex-Generalsekretär Jérôme Valcke und der ehemalige Finanzdirektor Markus Kattner haben sich laut einer internen Untersuchung des Fussball-Weltverbandes in den vergangenen fünf Jahren um knapp 80 Millionen Schweizer Franken bereichert. Das teilte die Fifa am Freitag mit. Laut dem Fussball-Weltverband hätten die Zahlungen und die Vertragsabschlüsse gegen Schweizer Recht verstossen. Auch die eigene Ethikkommission wurde in Kenntnis gesetzt.

Auch Nachfolger in der Bedrouille

Als Gianni Infantino im letzten Februar etwas überraschend die Wahl ins Fifa-Präsidium gewann, versprach er den Beginn einer "neuen Ära, die das Image und den Respekt des Weltfussballverbandes wiederaufleben lässt." Die Geschehnisse der letzten Woche, die nun ans Tageslicht kamen, deuten aber nicht in diese Richtung.

Am 14. Mai, am Kongress in Mexiko, trat Domenico Scala Knall auf Fall zurück, der als Leiter der Fifa-Reformkommission ein entsprechendes Massnahmenpaket geschnürt hatte. Seine Begründung für den abrupten Schritt: Der Verband kompromittiere seine Unabhängigkeit und die eigene Ethikkommission.

Der Hintergrund der Affäre, wie er jetzt publik wurde: Infantino selbst ordnete die Löschung der Tonaufnahme jener Sitzung an, an der er als Präsident über die Absetzung Scalas diskutieren liess.

Zwischen den beiden Ereignissen war zudem bekannt geworden, dass der Schweizer sich geweigert hatte, eine Vereinbarung über eine jährliche Lohnzahlung von zwei Millionen Franken zu unterzeichnen, weil er diese Summe als lächerlich empfand. Vorgänger Blatter hatte sich rund das Doppelte ausbezahlt. Weiter feuerte Infantino den stellvertretenden Generalsekretär Markus Kattner, weil dieser seine treuhänderische Verantwortung missbraucht habe.

Am Freitag beschlagnahmte die Schweizerische Bundesanwaltschaft am Fifa-Hauptsitz Dokumente und elektronische Daten. Es laufe aber kein Strafverfahren gegen Infantino, so die Behörde.

Gemäss der Fifa beruhten die Vorwürfe betreffend der Löschung der aufgenommenen Sitzung auf einem grossen Missverständnis. Der Präsident habe nur eine eigene Kopie verlangt, die anschliessend an einem falschen Ort gespeichert worden sei. Das Original sei korrekt archiviert worden und nach wie vor vorhanden.

Bei der Fifa-Ethikkommission sind gegen Infantino mehrere Anzeigen eingetroffen, so dass ihm, kaum im Amt, schon dasselbe Schicksal droht, das seinen Vorgänger ereilt hat: Eine Sperre.

Der Schweizer Anti-Korruptionsspezialist Mark Pieth, der einst selbst die Fifa in Reformfragen beraten hatte und die Funktion bald aufgab, sprach kürzlich gegenüber Agence France-Presse Klartext: Infantino "hat seine wahren Motive und seine wahre Persönlichkeit gezeigt… Das erinnert mich an die schlimmsten Jahre".

swissinfo.ch

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