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Finanzplatz Schweiz


Ausländische Banken packen die Koffer




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Abgang 2013: Lloyds verkaufte ihr Schweizer Geschäft  an die private Vermögensverwalterin Union Bancaire Privée in Genf. (Keystone)

Abgang 2013: Lloyds verkaufte ihr Schweizer Geschäft  an die private Vermögensverwalterin Union Bancaire Privée in Genf.

(Keystone)

Ausländische Banken in der Schweiz sind in den letzten Jahren von einer Welle von Auflösungen und Fusionen erfasst worden. Grosse Institute aus China und Brasilien stehen bereit, in die Bresche zu springen.

2009 gab es in der Schweiz 162 ausländische Banken, im Mai 2014 waren es noch deren 121. Lloyds, ABN Amro, Santander und ING sind daran, ihre Büros zu räumen.

Im Juli stimmte die israelische Bank Leumi einer Übernahme durch Julius Bär zu. Die portugiesische Privatbank Espirito Santo kündete ebenso einen Besitzerwechsel an wie die britische Standard Chartered, die einen Käufer für ihr Schweizer Geschäft sucht.

Kommt hinzu, dass einige Überseeinstitute ihre Aktivitäten in der Schweiz herunterfahren. Etwa die HSBC, die Kundenvermögen von 10 Mrd. Franken verkaufte.

Die Vereinigung der Auslandsbanken in der Schweiz (AFBS) hofft, dass Banken aus Brasilien, China und Singapur die Lücken füllen, die durch den Abgang der Banken aus den USA oder Europa entstanden sind. Es gibt Anzeichen dafür, dass diese Hoffnungen berechtigt sind.

Die brasilianische Safra Group stimmte im April der Übernahme des Schweizer Geschäfts des US-Bankriesen Morgan Stanley zu. Die brasilianische BTG Pactual ihrerseits kündete im Juli an, dass sie die Schweizer Aktivitäten der italienischen Privatbank BSI schlucken werde.

"Wir hören auch Gerüchte, dass Banken aus China und Singapur den Schritt in die Schweiz planen", sagt AFBS-Generalsektretär Martin Maurer gegenüber swissinfo.ch. Einige Banken in Schwellenländern hätten die Grösse erreicht, die ihnen die Expansion in neue Märkte erlauben würde, so Maurer weiter.

Zweifel bleiben

Die Spekulationen werden zusätzlich angeheizt durch das bilaterale Währungsabkommen, das die Nationalbanken der Schweiz und Chinas Ende Juli abschlossen. Es markiert den ersten Schritt der Schweiz zu einem internationalen Hub für den Handel mit dem chinesischen Renminbi. Der nächste Schritt wäre dann eben die Ansiedelung einer chinesischen Bank in der Schweiz.

Arabische Banken

In der Schweiz sind nur wenige arabische Banken aktiv. Sie widerstehen grösstenteils dem Trend der Schliessungen, Rückzüge und Übernahmen.

Bei Ausbruch der Finanzkrise 2008 waren 10 Banken aktiv. Von ihnen schloss nur die Faisal Private Bank aus Bahrain, die in Genf ansässig war. Ihr wurden unglückliche Immobiliengeschäfte in den USA und Osteuropa zum Verhängnis.

Die Falcon Private Bank in Genf (Abu Dhabi) expandierte, indem sie Vermögenswerte der Hyposwiss Bank aufsaugte und das Europageschäft der Bank Clariden Leu von der Credit Suisse übernahm.

Arabische Banken, die sich hauptsächlich auf die Vermögensverwaltung konzentrieren, wurden kaum von den Steuerflucht-Skandalen betroffen, wie Nasri Mulhamé sagt, ein in der Schweiz tätiger arabischer Bankberater.

"Arabische Kunden sind nicht hier, um Steuern zu umgehen, denn die Steuersätze sind in ihren Heimatländern sehr tief oder es gibt gar keine", erklärt der ehemalige Leiter der Arab Bank mit Sitz in Genf.

Sie nützten in erster Linie die politische Stabilität der Schweiz aus. "In Zeiten der Ungewissheit und Unsicherheit bleibt die Schweiz als sicherer Hafen die Nummer 1", so Mulhamé.

Genf ist seit langem bevorzugte Destination vermögender Araber. Althergebrachte Bankentradition, französische Sprache, hoher Lebensstandard und zunehmende Bedeutung als Drehscheibe für Rohstoffhandel sind die Gründe.

Die Ursprünge gehen in die 1970er-Jahre zurück, als das Öl aus dem Mittleren Osten zu fliessen begann, die dortigen Förderstaaten aber noch nicht über ein entwickeltes Bankensystem verfügten.

Martin Schilling von PricewaterhouseCoopers Schweiz geht davon aus, dass es unter den Auslandsbanken noch weitere Opfer geben wird. Beobachtet er doch bei diesen ein viel höheres Tempo der Konsolidierungen als bei den Schweizer Instituten.

"Die Rede war von einer grossen Konsolidierungswelle im Schweizer Bankensektor. Aber diese trat nicht wirklich ein", konstatiert er. Den mit Abstand grössten Schnitt habe es bei den Auslandsbanken gegeben. "Es könnte gut sein, dass es in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren noch weitere Transaktionen in Form von Fusionen oder Übernahmen geben wird", so Schilling.

Schweizer wie Auslandsbanken sind von drei Seiten her unter Druck. Erstens von den Nachwirkungen der Finanzkrise und der daraus folgenden, anhaltend stotternden Wirtschaft. Diese dämpfen die Risikobereitschaft der Märkte und Anleger. Zweitens durch den globalen Kreuzzug gegen die Steuerflucht, der einen Berg neuer juristischer Probleme gebar. Und drittens die Kosten, die durch die Umsetzung der neuen Regulierungen entstanden, um die Risiken für die Gesamtwirtschaften zu reduzieren.

Fremde Nöte

Ausländische Banken scheinen verstärkt von diesem Dreigestirn an Negativeinflüssen getroffen zu sein. Einige haben einfach den Preis dafür bezahlt, dass sie das Bankgeheimnis genutzt hatten, um Steuerflüchtlingen in der Schweiz einen sicheren Hafen für deren Vermögen zu bieten, die sie in ihrer Heimat nicht deklariert hatten.

Leumi in Zürich gehört zu jenen 14 Banken, gegen die das US-Justizministerium wegen Verdachts auf Beihilfe zu Steuerbetrug ermittelt. Andere wurden zum Verkauf gezwungen, weil die verschärften Handelsbedingungen die Gewinne wegfrassen.

Espirito Santo ist einerseits durch schlechte Resultate belastet, andererseits durch die Verhaftung des CEO Ricardo Espírito Santo Silva Salgado in Portugal wegen Verdachts auf Steuerflucht.

Der Hauptgrund für den Abzug vieler Auslandsbanken aus der Schweiz liegt laut Schilling aber darin, dass deren hiesige Aktivitäten nur einen kleinen Teil des Gesamtgeschäftes ausmachten.

Umgepflügte Landschaft

Die Krise nach 2008/09 zwang alle Banken, ihre Strategien zu überdenken und anzupassen. Infolge der strengeren Vorschriften waren viele Branchenriesen gezwungen, sich von jenen Teilen zu trennen, die nicht mehr genügend Gewinn brachten, um deren Existenz zu rechtfertigen.

Martin Maurer ist aber überzeugt, dass sich der Sektor der Auslandsbanken in der Schweiz wieder stabilisieren und künftig sogar wieder aufblühen werde.

"Betrachtet man den Trend der Konsolidierung der letzten beiden Jahre, könnte man zum Schluss kommen, dass es in der Schweiz in fünf Jahren keine ausländische Bank mehr geben wird. Aber das wird klar nicht der Fall sein." Maurers Vision: "Es wird sicher weniger Auslandsbanken als in der Vergangenheit geben. Aber sie werden grösser sein und aus anderen Teilen der Welt kommen."


(Übertragung aus dem Englischen: Renat Kuenzi), swissinfo.ch

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