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Forschung als Entwicklungs-Instrument

Schüler in Senegal - künftige Entwicklungsforscher vor Ort?

(Reuters)

Regierungen und internationale Organisationen wetteifern mit ihren Forderungen zur Bekämpfung der Klimaerwärmung. Die Armen haben konkretere Sorgen: den täglichen Überlebenskampf. Kann Forschungs-Zusammenarbeit Nord-Süd dabei helfen?

Diese Frage versuchte die Internationale Konferenz "Forschung für Entwicklung" an der Universität Bern zu beantworten.

Das Zentrum für Entwicklung und Umwelt Nord-Süd (NCCR), einer der Schwerpunkte des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), betreibt Entwicklungs- und Armutsforschung.

Zentrales Element: Wissenschafter aus dem Süden und der Schweiz forschen gemeinsam. Das Programm wurde 2001 von der Schweizer Regierung lanciert.

Bilanz nach sieben Jahren

"Wir sind daran, eine Zwischenbilanz unserer Arbeit zu ziehen", sagt Hans Hurni, Professor für Geografie und Nachhaltigkeit an der Universität Bern und Direktor des Nationalen Forschungs-Schwerpunktes Nord-Süd.

"Wir versuchen zu eruieren, was erreicht wurde in den Bereichen Regierungsfähigkeit, Konfliktlösung, Armutsbekämpfung und ökologische Nachhaltigkeit", so Hurni gegenüber swissinfo.

Entwicklungs-Zusammenarbeit im Umbruch

"Im Moment ist die ganze Entwicklungs-Zusammenarbeit im Umbruch. Bei uns wird überlegt, wie man diese verbessern kann; und da rückt die Forschung als eigenständiger Bereich immer stärker ins Zentrum", sagt Hurni.

Die meisten Bereiche der klassischen Entwicklungs-Zusammenarbeit – Brunnen bauen, Bäume pflanzen, Landwirtschaft verbessern – würden heute weitgehend durch die lokalen Ministerien und lokale Nichtregierungs-Organisationen (NGO) abgedeckt.

Südliche Forscher im Süden behalten

"Heute braucht es Zusammenarbeit auf anderen Ebenen. Im Universitätsbereich gibt es enorme Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden. In Afrika ist die Forscherdichte pro Bevölkerungszahl etwa 50 bis 100 Mal geringer als in der Schweiz", sagt Hurni.

Wenn man Leute im Süden nach nördlichen Systemen ausbilde, würden diese Akademiker kaum mehr in ihr Heimatland zurückkehren. Nicht so beim NCCR: "Von den 140 Doktorierenden in unserem Programm sind etwa 80 aus dem Süden. Alle sind in ihre Heimat zurückgekehrt."

Den Schlüssel zu diesem Erfolg sieht Hurni darin, "dass wir die Leute lediglich sehr kurze Zeit hier in den Norden nehmen, nur gerade für die Abschlüsse. Ihre Ausbildung, die auf die Probleme der Kleinbauern im Süden ausgerichtet ist, machen wir im Süden".

Grosskonzerne als Friedensstifter?

90% der Gewaltkonflikte finden heute nicht mehr zwischen Nationalstaaten, sondern innerhalb von diesen statt. Wirtschaftliche Aktivitäten, seien es legale oder illegale, sind ein zentraler Faktor für Verlauf und Intensität von Konflikten.

Deshalb sei der Privatsektor ein zentraler Akteur in der zivilen Friedensförderung, sagt Laurent Goetschel, Direktor der Schweizerischen Friedensstiftung in Bern (swisspeace) und Professor am Europainstitut der Universität Basel. "Das Ziel unserer Forschung im Rahmen des NCCR ist die Entwicklung von Strategien für einen proaktiven Beitrag des Privatsektors zur zivilen Friedensförderung und Konflikt-Transformation", so Goetschel gegenüber swissinfo.

"Heute realisieren die Unternehmen gewisse Auswirkungen ihrer Tätigkeit noch nicht. Andererseits sind sie auch soziale Akteure, die in einem bestimmten sozialen Umfeld agieren."

Noch keine Zusammenarbeit mit Schweizer Konzernen

"Wir arbeiten in Bezug auf spezifische Projekte noch nicht mit Schweizer Konzernen zusammen", präzisiert Goetschel. Kontakte und Gespräche habe es aber schon gegeben. "Ich kann es aber offen sagen: Das Interesse der Schweizer Unternehmen war im ersten Moment nicht sprühend."

Wenn man Forschung machen wolle, in der auch die entsprechenden Handlungsweisen der Akteure in der Schweiz miteinbezogen würden, müssten diese bis zu einem gewissen Grad zur Kooperation Hand bieten. "Wenn sie das nicht tun, kommen wir nicht an die relevanten Daten heran, die wir für unsere Arbeit brauchen", so Goetschel weiter.

Tourismus als Chance

Grössere Möglichkeiten sieht Goetschel im Bereich Tourismus. Hier müssten Qualitätsmerkmale festgelegt oder gefördert werden. "Qualitätsmerkmale im Sinne der Auswirkungen auf betreffende Bevölkerungsteile vor Ort, auf Teile der Gesellschaft in Sachen Konflikte, Frieden, aber auch Umwelt und Menschenrechte." Diese Qualitätslabels müssten definiert und in die Tourismus-Angebote einfliessen.

Ein Thema im Zusammenhang mit Tourismus ist immer die Boykott-Frage. Soll man zum Beispiel nach Burma in die Ferien reisen?

Laurent Goetschel persönlich würde nach Burma gehen, weil er ein "sehr neugieriger Mensch" sei. "Ich war noch nie dort und würde mir erhoffen, daraus Einblick zu gewinnen für künftige Projekte und Arbeiten." Er ist generell gegen Boykotte, "weil diese nicht gestaltend wirken".

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

In Kürze

An der Internationalen Konferenz "Forschung und Entwicklung" (ICRD) vom 2. bis 4. Juli an der Universität Bern nahmen über 250 Experten aus der ganzen Welt teil.

Die ICRD orientiert sich an fünf wichtigen Forschungsthemen: Regierungsführung und Konflikt-Transformation; Gesundheit und Siedlungshygiene; Armut, Globalisierung und Stadtplanung; natürliche Ressourcen in nachhaltiger Entwicklung; Ansätze und Methodologien in der Nachhaltigkeitsforschung.

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NSF Nord-Süd

Das Zentrum für Entwicklung und Umwelt Nord-Süd (NCCR) ist einer der Schwerpunkte (NFS) des Schweizerischen Nationalfonds (SNF).

Der NFS Nord-Süd ist ein schweizerisches interuniversitäres Forschungsprogramm zu Themen der nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz und in Transitions- und Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Lateinamerika.

2001 bewilligte das Schweizer Parlament den NFS mit der Absicht, langfristig die Entwicklungsforschung in der Schweiz zu verankern.

Das Programm wird durch den SNF und die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) finanziert.

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