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Freiburg verknüpft das Filmschaffen der Welt


Das Internationale Filmfestival von Freiburg (FIFF) öffnet am Samstag seine Säle. 13 Spiel- und Dokumentarfilme nehmen am Wettbewerb dieser 22. Ausgabe teil.

FIFF bietet auch dieses Jahr den trigon-Filmen ein Schaufenster. Die Stiftung trigon bringt herausragende Filme des Südens und des Ostens in die Kinos. Ein Interview mit Direktor Walter Ruggle.

Lateinamerika, Afrika, Asien – drei Kontinente und Tausende von Spielfilmen. Nur ein kleiner Teil davon wird in den Kinosälen des Westens gezeigt. Dies ist mit den Filmen "Bombón el perro", "Yi Yi", aber auch "Petits miracles", ein Film des Argentiniers Subiela, gelungen - ermöglicht durch die Stiftung trigon.

trigon, mit Sitz im Aargau, gehört zu den wenigen in Europa, die sich für die Verbreitung von Werken aus dem Süden und dem Osten engagieren. Anlässlich des Beginns des FIFF, führte swissinfo mit dem trigon-Direktor Walter Ruggle ein Gespräch.

swissinfo: trigon feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Wie hat sich die Stiftung entwickelt?

Walter Ruggle: Sie musste kämpfen, aber sie hat eine schöne Sammlung von Filmen aus Afrika, Lateinamerika und Asien auf die Beine etabliert. Heute führt trigon in ihrem Verleih-Katalog 250 Titel - und über 100 Titel auf DVD.

Wir funktionieren als Verlag, der spezialisiert ist auf den kulturellen Reichtum der Länder des Südens und des Ostens. In Europa sind wir die einzigen in diesem Geschäft. Und wir machen weiter, da sich sonst niemand darum kümmert.

Das ist auch wichtig für die Schweiz, weil so auch ihre Filme ins Ausland gelangen. Wichtig ist es aber auch für das internationale Niveau, denn wir sind oft die ersten, die einen Film verbreiten. Läuft er gut, erwerben auch Vertriebe aus anderen Ländern dessen Rechte. Sie glauben zwar oft nicht an das Potential eines Films, aber an die generierten Verkaufszahlen, an die glauben sie.

swissinfo: Unter was für Umständen wurde trigon ins Leben gerufen?

W.R.: Bruno Jaeggi hat trigon gegründet. Wir waren beide Filmkritiker und wir besuchten dieselben Festivals. Und dabei stellten wir fest, dass Filme aus Afrika, Asien und Lateinamerika nie aufgeführt wurden. Er beschloss deshalb, etwas dagegen zu tun.

Ich erinnere mich noch gut an die Pressekonferenz zur Gründung von trigon im Jahr 1988. Man präsentierte uns Zahlen, die für sich sprachen: Kein Film aus Afrika und Asien wurde in diesem Jahr in Schweizer Kinos gezeigt – Filme von Kurosawa und Bruce Lee ausgenommen.

swissinfo: Welche Qualitäten muss ein Film haben, damit sich trigon für ihn interessiert?

W.R.: Er braucht kinematographische Qualitäten. Insgesamt muss er andere Perspektiven bieten, sei es via Filmsprache, Rhythmus, den Inhalt oder die Art und Weise, Geschichten zu erzählen.

Die Blickweise eines chinesischen Regisseurs auf das Leben in China ist total anders als jene von Bertolucci, der einen Film über das exotische China realisiert. Die Realität in China ist überhaupt nicht sehr exotisch!

swissinfo: Müssen die Betrachter von trigon-Filmen damit rechen, erschüttert zu werden?

W.R.: Sie müssen auf das Ungewöhnliche gefasst und offen für den Reichtum der unterschiedlichen Kulturen sein. Gleichzeitig müssen sie sich bewusst sein, dass jeder seine eigene Präsentationsart hat, seinen eigenen Rhythmus, seine Art, eine Geschichte zu erzählen.

Ich finde es auf jeden Fall besser, sich den unterschiedlichen Regionen der Welt durch die Geschichten jener zu nähern, die dort leben, als durch Hollywoods Kameras. Denn das ist nicht authentisch.

swissinfo: Sie leiten den Fonds "visions sud est". Er wurde im März 2005 geschaffen um die Filmproduktion in jenen Ländern zu unterstützen. Erhalten Sie viele Anfragen?

W.R.: Ja, dieser Fonds läuft gut. Jährlich werden zwischen 80 und 100 Projekte eingereicht. Wir können aber nicht mehr als 10 pro Jahr unterstützen. Derzeit läuft in der Westschweiz "Night train", ein chinesischer Film, den wir unterstützt haben.

Darauf bin ich sehr stolz, denn es ist sehr schwierig, einerseits auf das Kommerzielle zu achten und andererseits auf grosse kinematographische Qualitäten. Bei diesem Film handelt es sich um einen Spiegel, der uns erlaubt, in das von rasanten Veränderungen betroffene heutige China zu blicken.

swissinfo: Was für Verbindungen bestehen zwischen trigon und dem Filmfestival Freiburg?

W.R.: Es sind traditionelle Verbindungen, da wir uns um die Filme im Süden sowie in Osteuropa kümmern. Veranstaltungen wie die Festivals von Freiburg, Neuenburg oder das Black Movie in Genf, sind sehr wichtig. Sie ermöglichen Filme anzuschauen, die bei uns nie in die Kinos kommen würden.

Ich hoffe, dass das FFIF weiterhin Filme entdeckt. Denn Trigon kann 15 bis 20 Filme pro Jahr verleihen. Und das bedeutet, dass es mehrere hundert Filme gibt, die nicht zur Aufführung gelangen.

swissinfo, Carole Waelti
(Übertragung aus dem Französischen: Etienne Strebel)

trigon-Film

Bei der Gründung 1986 war trigon ein einfacher Verein. Die Stiftung trigon wurde erst 1988 gegründet.

Heute umfasst der Katalog rund 250 Titel. Zudem wurden rund 100 DVD veröffentlicht.

Der trigon-Film-Katalog enthält Spielfilme, realisiert von Regisseuren aus jedem Teil der Welt. Zum Beispiel vom Koreaner Bae Yong-kyun, dem Tunesier Nacer Khemir, dem Argentinier Fernando E. Solanas sowie von Gaston Kaboré aus Burkina Faso.

Es gibt aber auch Kino-Klassiker wie "Rashomon" des Japaners Akira Kurosawa oder "Urga" vom Russen Nikita Michalkow.

Zum 20. Geburtstag hat trigon 24 Filme aus ihrem Repertoire ausgewählt. Diese werden in verschiedenen Orten in der Schweiz aufgeführt. Zudem ist ein Buch erschienen.

FFIF

Das 22. Internationale Film Festival Freiburg findet vom 1. bis 8. März statt.

Das Budget beträgt 1,7 Mio. Fr.

Für den Wettbewerb wurden 13 Spiel- und Dokumentarfilme ausgewählt. Neun Spielfilme laufen ausserhalb des Wettbewerbs.

Nur zwei der Wettbewerbs-Filme stammen aus dem selben Land: China. Die anderen stammen unter anderem aus Costa Rica, Malaysia oder Kasachstan.

Das Programm wird weiter durch drei Schwerpunkte ergänzt: Einer besteht aus Kriminalfilmen ("Noir total"), ein zweiter aus Revolutionsfilmen, die sich auf den Mai 1968 beziehen, und der dritte besetzt das Thema Liebe ("L'amour global").



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