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Fussball-WM 2018 Ricardo Rodriguez, der Entspannte hinten links

Ein Fussballspieler in rotem Tenue schiesst einen Elfmeter.

“Ich überlege mir bei den Elfmetern nicht so viel”, sagt Rodriguez. “Das würde mich nur verunsichern.” Der Zürcher mit chilenischen Wurzeln ist seit ein paar Monaten Penaltyschütze im Nationalteam.

(Keystone)

Ricardo Rodriguez steht selten im Mittelpunkt. Dabei ist der Linksverteidiger eine Konstante im Schweizer Fussball-Nationalteam, das am Freitagabend an der WM auf Serbien trifft.

Nach dem 1:1 zum WM-Auftakt am Sonntag gegen Rekordweltmeister Brasilien schwärmte die Fussballschweiz vom heroischen Vorkämpfer Valon Behrami. Und am Freitagabend gegen Serbien wird erwartet, dass Mittelfeldstratege Granit Xhaka das Heft in die Hand nimmt. 

Xhaka ist der einzige Schweizer Feldspieler, der an guten Tagen Weltklasseniveau aufweist. Auch Xherdan Shaqiri gilt als Hoffnungsträger, über den sich die Menschen freuen - oder ärgern. Das ist Geschmackssache. 

Hinten links aber verrichtet einer seit Jahren im Nationalteam pflichtbewusst, jederzeit solid, meistens souverän, manchmal brillant, seine Arbeit, über den kaum jemand spricht. Ricardo Rodriguez polarisiert nicht, er eckt nicht an, er ist ein stiller Mensch. “Ich muss nicht jeden Tag Schlagzeilen über mich lesen”, sagt er, “ich mag es am liebsten ruhig.”

Ricardo Rodriguez und Teamkollegen bejubeln 2009 ihren U17-Weltmeistertitel.

Ricardo Rodriguez (Mitte) gehört zu den Schweizer U-17-Weltmeistern von 2009. Früh schaffte er danach den Durchbruch beim FCZ, mit 19 wechselte er zu Wolfsburg in die Bundesliga, wo er durchstartete.

(Keystone)

Schwieriges Jahr in Mailand

Ricardo Rodriguez gehört wie Xhaka zu den Schweizer U-17-Weltmeistern von 2009, früh schaffte er danach den Durchbruch beim FC Zürich, mit 19 wechselte er zu Wolfsburg in die Bundesliga. 

Er startete durch, bald galt er als Kandidat bei den Premiumadressen des europäischen Fussballs, aber die Wechsel zerschlugen sich, und in den letzten zwei, drei Jahren stagnierte der Linksverteidiger ein bisschen.

Im letzten Sommer ging er nicht nach Madrid, sondern nach Mailand, auch die AC ist ein prominenter Klub, aber nicht so gross wie Real Madrid, einst ebenfalls einer der Interessenten. In Italien erlebte Rodriguez in einem unruhigen Verein ein schwieriges Jahr, seine Leistungen aber waren wie immer: beständig und ordentlich.

"Auf seiner Position gibt es weltweit nicht viele, die klar besser sind."

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Und prompt gehört er wieder zu den Kandidaten bei den Champions-League-Grössen, sein Marktwert beträgt über 20 Millionen Franken, auf seiner Position gibt es weltweit nicht viele, die klar besser sind. Den Brasilianer Marcelo natürlich, dazu vielleicht Jordi Alba, David Alaba, Alex Sandro. Und wenn Rodriguez eine starke Weltmeisterschaft absolviert, dürften die Transferspekulationen um seine Person in den nächsten Wochen weiter zunehmen.

Interessante Biografie

25 Jahre jung ist der Zürcher mit chilenischen Wurzeln mittlerweile, bereits 54 Länderspiele hat er bestritten, seit einigen Monaten ist er sogar Penaltyschütze im Nationalteam, weil er eiskalt sein kann, wenn es die Situation erfordert. 

Er traf auch als einziger in den WM-Playoffspielen gegen Nordirland, in Belfast mit einem verwandelten Penalty. “Ich überlege mir bei den Elfmetern nicht so viel”, sagt Rodriguez. “Das würde mich nur verunsichern.”

Drei junge Männer sitzen in einer Schulstube auf Stühlen und schauen in die Kamera.

Roberto (links), Ricardo (Mitte) und Francisco (rechts) posieren im Schulhaus Auzelg anlässlich der Präsentation des Buches "Roberto, Ricardo, Francisco Rodriguez - Drei Brüder - eine Familie".

(Keystone)

Er ist ein interessanter Typ, obwohl (oder vielleicht eher: weil) er keine knackigen Sprüche raushaut. Kürzlich erschien eine Biografie über die Rodriguez-Brüder, dazu gehören neben Ricardo auch noch Roberto (FC Zürich) und Francisco (FC Luzern), ein fussballverrücktes Trio mit ausgeprägtem Familiensinn. 

Darin erzählen sie von ihrem bewegenden Leben, vom Aufwachsen an der Peripherie Zürichs, vom Vater, der als junger Gastarbeiter aus Spanien in die Schweiz kam, und von der Mutter, die als Kind aus Chile einwanderte. Sie verlor vor drei Jahren den Kampf gegen Krebs, das traf die Brüder sehr, seither tragen sie im Verein alle die Nummer 68, den Jahrgang der Mutter.

Natürlich steht Ricardo Rodriguez auf der Titelseite des Buches in der Mitte der drei Brüder. Nicht, weil er das Rampenlicht sucht. Sondern, weil er es am weitesten gebracht hat. Derzeit gerade wieder an eine WM. 

Und es würde keineswegs überraschen, wenn der ballsichere Schweizer Nationalspieler in den nächsten Jahren mit ein wenig Verspätung doch noch den Sprung in die individuelle Spitzenklasse realisiert.

Vorerst wird er am Freitagabend gegen Serbien gewohnt entspannt und stilsicher hinten links agieren. Eine Niederlage würde mit allergrösster Wahrscheinlichkeit das Schweizer Ausscheiden in der Vorrunde bedeuten. 

Aber auch Rodriguez hat an der Weltmeisterschaft hohe Ziele: “Die Schweiz ist nun ein paar Mal im Achtelfinal gescheitert. Wir sind bereit für den nächsten Schritt.” Für seine Verhältnisse sind das beinahe spektakuläre Worte.

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