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Genf muss nicht mit Unruhen rechnen

Solche Ausschreitungen wie hier bei Toulouse wird es in Genf kaum geben.

(Keystone)

Letztes Wochenende wurden französische Gemeinden in der Nähe Genfs von den Unruhen erfasst, die mehrere Städte in Frankreich überrollt haben.

Die "französischste" Stadt der Schweiz – Genf – sollte von den Jugendkrawallen im Nachbarland allerdings nicht tangiert werden.

Begonnen haben die gewaltsamen Jugendunruhen in Frankreich vor mehr als zehn Tagen in den Vororten der Hauptstadt Paris. Seither griffen sie wie ein Flächenbrand auf mehrere Städte des Landes über.

Am letzten Wochenende kam es auch in Grenzregionen zur Schweiz, im Elsass, im Doubs-Gebiet und in mehreren Gemeinden in der Nähe von Genf, zu Ausschreitungen.

In der Schweiz verfolgt die Kantonspolizei der Grenzstädte Basel und Genf die Ereignisse jenseits der Grenze gespannt. Man gibt sich indessen gelassen.

Die Genfer Polizei hat bisher keine Anzeichen von Ausschreitungen feststellen können, die einen stärkeren Auftritt der Ordnungskräfte rechtfertigen würden.

Gleicher Tenor in Basel: "Hier besteht kein Risiko", sagt Polizeisprecher Klaus Mannhart, der von einem "internen" Phänomen Frankreichs spricht.

Schwaches Risiko

"Wenn gewisse benachbarte französische Gemeinden betroffen sind, ist das vor allem wegen des Nachahmungseffektes", sagt Sandro Cattacin, Professor für Soziologie an der Universität Genf. "Denn die Region Rhône-Alpes hat beispielsweise eine tiefere Arbeitslosenquote als der nationale Durchschnitt."

Die französischen Vororte von Genf sollten also nicht brennen wie jene von Paris. In der Schweiz selbst sei das Risiko ebenfalls klein, sagt der Soziologe. "Wir haben keine Ghettos, und die Schweiz hat eine lange Tradition der Integration von Ausländern."

Ähnlich äussert sich in der Zeitung "Le Matin Dimanche" ein Jugendlicher aus der Peripherie Genfs: "Bei uns könnte so etwas nie passieren. Hier gibt es keinen Hass. Wir sind brav, gehen zur Schule, unsere Eltern haben alle eine Arbeit. Alles geht gut. Dort unten haben sie nichts, keinen Job, keine Zukunft, also beschliessen sie, Scheisse zu bauen."

Einige Ähnlichkeiten

Zwei verschiedene Welten also. Aber Sandro Cattacin zählt dennoch einige Ähnlichkeiten zwischen Genf und den Städten in Frankreich auf: "Genau so wie die französischen kümmern sich auch die Genfer Behörden wenig um ihre Bürgerinnen und Bürger – ganz im Gegensatz zu den anderen Schweizer Städten."

Der Soziologe spricht ebenfalls von einem "destabilisierenden allgemeinen Kontext" - sowohl in Frankreich wie auch in der Schweiz – für die Jugendlichen, die eine Arbeit suchen. "Die Behörden haben diese Situation kaum in Griff angesichts einer Wirtschaft, die sich immer mehr verlagert."

Es gehe nicht nur um eine materielle Ausgrenzung, erklärt Cattacin. "Es herrscht ein genereller Mangel an gemeinsamen Perspektiven, Werten und Zusammenhalt in unseren Gesellschaften. Und dieser Mangel führt früher oder später zu Gewalt, wenn nichts dagegen getan wird.

Um Unruhen wie in Frankreich zu verhindern, ist es für Cattacin dringend, dass in der Schweiz mehr Mittel zugunsten jener Leute aufgebracht werden, die mit den Jugendlichen auf dem Terrain arbeiten.

swissinfo, Frédéric Burnand und Alexandra Richard
(Übertragung aus dem Französischen: Jean-Michel Berthoud)

In Kürze

Die gewalttätigen Unruhen in den Vorstädten von Paris begannen am 27. Oktober. Später griffen sie auf andere Städte über.

Nacht für Nacht werden Hunderte von Fahrzeugen angezündet, darunter auch Busse. Auch Schulen und Kindergärten fielen Flammen zum Opfer.

Am Montag hatten die Krawalle ein erstes Todesopfer zu beklagen: Ein 60-jähriger Mann, der in einer Banlieue von Paris von Jugendlichen zusammengeschlagen worden war, erlag seinen Verletzungen.

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