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"Der Berg als letzter Hort der Freiheit"

Eine der begehrten SAC-Hütten: Die Schönbielhütte im Kanton Wallis auf 2'694 Meter über Meer.

Eine der begehrten SAC-Hütten: Die Schönbielhütte im Kanton Wallis auf 2'694 Meter über Meer.

(Keystone)

Der Schweizer Alpen-Club blickt auf ein Rekordjahr zurück: Die Übernachtungen in den Berghütten sind 2009 markant gestiegen. Eine Folge der Rezession? Der Bergführer Mario Casella sieht die Lust an der Wiederentdeckung der Berge als Grund für den Erfolg.

Insgesamt 359'000 Übernachtungen verzeichneten die Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) 2009, das sind 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg auf 28 Mio. Franken (+13 Prozent).

Als Gründe für den Erfolg der SAC-Hütten nannte der Club die Rezession, die dazu beigetragen habe, dass viele Leute einfache Bergferien vorgezogen hätten.

Der Sommer sei warm gewesen und der schneereiche Winter habe zum Schneeschuhwandern und zu Skitouren eingeladen. Positiv habe sich auch das Medieninteresse für den Neubau der Monte-Rosa-Hütte ausgewirkt.

Nicht nur aus Spargründen in die Berge

"Auch wenn die Rezession und der damit verbundene Verzicht auf teure Ferien eine Rolle gespielt haben, steht meines Erachtens die Lust an einer Wiederentdeckung der Berge im Vordergrund dieses Erfolgs", sagt der Journalist und Dokumentarfilmer Mario Casella, der seit 1985 Bergführer und bei der Tessiner Sektion des SAC für die Kultur verantwortlich ist.

Seiner Ansicht spielt auch der Klimawandel eine Rolle: "Viele Touristen sind sich bewusst, dass die Zeit davon läuft und in Zukunft bestimmte Gletscher wohl nicht mehr zu sehen sind." Dies zeige sich auch bei der Nachfrage nach geführten Touren, die in den letzten beiden Jahren stark zugenommen habe.

Das gestiegene Interesse an den Bergen hat laut Casella nicht nur einen quantitativen, sondern auch einen qualitativen Aspekt: "Ich habe festgestellt, dass das Verantwortungsbewusstsein gestiegen ist und Sicherheitsfragen ernster genommen werden. Die SAC-Kurse zum Thema Sicherheit sind sehr gefragt", so Casella.

Professionalität gefragt

Infolge der Berichterstattung in den Medien über Bergunfälle und Katastrophen hätten viele Personen insbesondere aus urbanen Gebieten Angst in den Bergen. Das Bedürfnis nach fachkundiger Anweisung sei daher etwa bei Schneeschuhwanderern und Tourenskifahrern gestiegen.

"Man geht heute mit einem grösseren Umweltbewusstsein in die Berge. Die Alpen werden nicht mehr einfach als Turnhalle gesehen, um einen Rekord oder die eigene Technik zu verbessern."

So wollten etwa viele Bergwanderer mehr über Erdrutsche oder das Verschwinden der Gletscher erfahren. Sie wollten wissen, ob der Berg "krank" sei.

Umstrittener Komfort

Sicherlich haben auch die zahlreichen neuen Hütten dazu beigetragen, die Berge attraktiv zu machen. Häufig muss man heute in der Höhe nicht mehr auf jeglichen Komfort verzichten. Allerdings ist die Tendenz zu mehr Komfort umstritten. Manche befürchten, dass die Berge zu einer Massendestination werden könnten und somit neuer Schaden angerichtet wird.

"Diese Debatte führen wir seit Jahren. Einige wollen Hütten wie ein bequemes Hotel, andere wollen spartanische Zustände. In der Schweiz zielt man auf einen gewissen Komfort, aber nicht auf Luxus", sagt Casella. Einige renovierte Hütten würden einen hohen ökologischen Standard aufweisen. Das Niveau sei heute eindeutig höher als in den alten Massenlagern mit den kratzigen Militärdecken. Casella nennt die 2009 eingeweihte Monte-Rosa-Hütte als Beispiel für diesen Trend.

Seiner Meinung nach gibt es viele Faktoren, die über den Erfolg einer Hütte entscheiden. Die Lage, der Zugang im Sommer und im Winter (für Wanderer, aber auch für Material) und natürlich der Hüttenwart: "Manche sind einfach Wirte, während andere es verstehen, die Freude an den Bergen weiter zu geben und mit den Gästen zu teilen."

Respekt wichtiger als Regeln

Die Frage um den Komfort der Hütten ist nicht die einzige, die im Alpen-Club kontrovers diskutiert wird. Das Problem des Heliskiing entzweit die Gemeinschaft der Alpinisten genauso wie der Gebrauch von künstlichem Sauerstoff in der Höhe.

"Ich persönlich bin dagegen, das Leben in den Bergen zu stark zu regeln. Die Berge sind die letzten Orte, an denen wir uns wirklich frei fühlen können. Der Respekt vor der Natur und der Umwelt sowie die Rücksicht auf andere legt uns natürliche Grenzen", sagt Mario Casella.

Andrea Clementi, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

SAC-Berghütten

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) und seine Sektionen unterhalten 153 Berghütten mit 9500 Schlafplätzen.

Alle Berghütten sind ganzjährig geöffnet (jede Hütte verfügt zumindest über einen Winterraum).

Zwei Drittel aller Hütten sind während der Saison vollständig oder teilweise bewirtschaftet. Die Hüttenwarte sorgen für Mahlzeiten und Getränke.

Die Übernachtung in einer SAC-Hütte kostet je nach Standard zwischen 20 und 40 Franken pro Nacht. Mitglieder des Alpen-Clubs und verschiedener anderer Alpenvereine erhalten Ermässigungen. Der Preis für die Mitglieder kostet höchstens 28 Franken.

Für Halbpension (Abendessen und Frühstück) werden zwischen 50 und 80 Franken veranschlagt.

SAC-Philosophie

Die Philosophie des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) ist es, an der Bergwelt interessierte Menschen miteinander zu verbinden.

Seit seiner Gründung 1863 hat der SAC bei der Entwicklung des Alpenraums und des Alpinismus mitgewirkt.

Der Schweizer Alpen-Club setzt sich für verantwortungsvollen Bergsport und weitgehend freien Zugang zur Bergwelt ein.


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