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Lachen ist wichtig in Mexiko


Von Erwin Dettling, Cuernavaca, Mexiko


Selbst die vier letzten Staatschefs von Mexiko gehören zur Kundschaft von Thomas Graber. (swissinfo.ch)

Selbst die vier letzten Staatschefs von Mexiko gehören zur Kundschaft von Thomas Graber.

(swissinfo.ch)

Der Schweizer Zahntechniker Thomas Graber hat aus der Vorliebe der Mexikaner fürs Süsse ein boomendes Geschäft gemacht. Seine Zahnersätze, Kronen und Implantate verhelfen vielen Mexikanern zu einem neuen Lachen und ihm zu einem vollen Bankkonto.

Zahntechnik ist Handwerk. Diesen Eindruck vermittelt Thomas Graber in seiner Werkstatt im Zentrum der mexikanischen Stadt Cuernavaca. Thomas Graber, der Chef, arbeitet in einem blauen Mantel, so wie die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ateliers.

Auf seinem Arbeitstisch liegen Dutzende Gebissabdrücke, Pinsel, Schleifer, Bohrer und Döschen. In den Atelierräumen surren Fräsmaschinen, die Zahnersätze aus Porzellan und andere Materialien in Form bringen. Junge Techniker sitzen vor Bildschirmen und entwerfen Brücken, Kronen und Implant-Teile in 3D.

Hinter dem vordergründigen Chaos im Atelier von Thomas Graber ist Methode. Jeder fertige Auftrag wird in einem roten, gelben oder blauen Plastik-Container zusammengestellt. Die Implantate, Kronen und Gebisse werden täglich punktgenau und zeitgerecht zu den Kunden in den grössten Städten von Mexiko und auch ins Ausland geflogen oder gefahren.

24 Jahre harte Arbeit

In 24 Jahren hat Thomas Graber sein KMU in Mexiko auf ein hohes Niveau gebracht. Angefangen hatte alles in der Schweiz, wo er seine Lehre machte.

Der Zürcher bildete sich in Los Angeles in einem Labor in Implantologie und Keramik weiter - bis er für einen Sprachaufenthalt nach Mexiko reiste: "Zwischen unregelmässigen Verben und Sprachbegeisterung stellte ich verwundert fest, dass die Zahntechnik damals in Mexiko Brachland war", erklärt Thomas Graber im Gespräch mit swissinfo.ch.

Thomas Graber packte die Chance. Er begann mit einem aus den USA importierten Ofen und mit zwei Mitarbeitern ein zahntechnisches Labor aufzubauen: "Zahntechniker auf hohem Niveau gab es damals kaum. Das erstaunte mich, weil viele mexikanische Zahnärzte in den USA und auch in Europa ausgebildet wurden", erklärt Graber.

Von der Schnellbleiche zur Lehre mit Bodenhaftung

Zwar wurden in Mexiko Zahntechniker in einer halbjährigen Schnellbleiche ausgebildet. Das war nicht, was Thomas Graber brauchte. Er suchte junge Berufsleute, schulte sie in Anatomie und Zahntechnik.

Der Erfolg blieb nicht aus. "Die Mexikaner haben ein grosses handwerkliches und künstlerisches Flair", meint Graber. Die nächste Herausforderung war die Konstanz und die Zuverlässigkeit. "Auch diese Hürde haben wir genommen, mit guten Löhnen und strikten Arbeitsbedingungen", erklärt Graber.

Viel Zucker und dicker Zahnschmelz

Rasch stellte Thomas Graber fest, dass Mexiko ein ungesättigter und unersättlicher Markt für gute Zahntechnik war. Wie kaum ein anderes Volk der Region lieben die Mexikaner das Süsse. Ihr hoher Maiskonsum führe jedoch dazu, dass viele Mexikanerinnen und Mexikaner einen dicken, schützenden Zahnschmelz hätten, fügt er an.

Alle Nahrungsmittelhersteller stellen sich auf den süssen Zahn der Mexikaner ein. Selbst der amerikanische Softdrinkhersteller mit dem geschwungenen Schriftzug muss in Mexiko eine besonders süsse Variante des dunklen Gebräus herstellen, um den Geschmack der aztekischen Klientel zu treffen.

Die Vorliebe für Zucker hinterlässt Spuren im Gebiss. "Mexiko kannte bis vor kurzem keine systematische Zahnhygiene oder Prävention. Zu uns kommen Mexikaner mit ruinösen Gebissen, die noch nie einen Zahnarzt gesehen haben", staunt Thomas Graber.

Ein guter Ruf braucht gute Kommunikation

Der Schweizer Zahntechniker gibt seine Wissen immer wieder auf ausgedehnten Vortragsreisen in Mexiko, in Nord- und Südamerika weiter, er studiert den Markt und kommt zum Schluss: "Wir haben als Marktpotential ein Prozent der Bevölkerung der grossen Städte von Mexiko im Auge. Damit sind wir ausgelastet."

Seit Jahren geht Graber sein guter Ruf voraus. "Wir zählen Offiziere der mexikanischen Armee, Mitglieder von Industriellenfamilien, Künstler und Schauspieler zu unseren wichtigsten Kunden; selbst die vier letzten Staatschefs von Mexiko gehören zu unserer Klientel", hält er mit Stolz fest.

Ein Ende seiner Erfolgsgeschichte sieht Graber nicht. Wir haben in den 24 Jahren, in denen ich in Mexiko produziere, keine Krise erlebt. "Wer Hightech-Produkte macht, ist krisenfest."

Technologisch dran bleiben

Wie hält sich der Schweizer Zahntechniker in Mexiko technologisch auf dem neuesten Stand? "Wir gehen auf internationale Messen, nach Brasilien, Korea, nach Singapur und in die USA. Weiter pflegen wir einen regen Austausch mit Schweizer Zahntechnikern, die uns über neueste technologische Fortschritte informieren."

Der Aufbau und die Konsolidierung seines Betriebs haben Thomas Graber viel Kraft gekostet: "Alles muss hier schnell gehen, die Erwartungen sind hoch, man fordert von uns fast das Unmögliche. Das geht an die Substanz", meint Graber.

Ein guter Abgang ist möglich

Der Schweizer Zahntechniker denkt über seine Zukunft nach, und wie er etwas kürzer treten kann.

"Wir sind ein attraktiver Übernahmekandidat. Die Perspektiven sind gut, und wir sind in unserem Geschäft unabhängig davon, ob das Land politisch stabil ist oder nicht. Schöne Zähne, ein offenes Lachen sind vielen Mexikanern wichtiger, als jeder Polit- und Parteienzank."

Los Angeles-Cuernavaca, Mexiko

Der Zürcher Zahntechniker Thomas Graber kam 1983 als Zwanzigjähriger nach Los Angeles, dann 1986 nach Mexiko, um Spanisch zu lernen.

Wider Erwarten fand er im Aztekenland ein ungeahntes Potential und Betätigungsfeld, wo er seinen Beruf ausüben konnte. Er gründete ein zahntechnisches KMU und beschäftigt heute mehr als 30 Fachleute.

Sein Betrieb setzt die modernsten Maschinen und Geräte ein, die es auf dem Weltmarkt in der Zahntechnik gibt.

Wenn Vernetzung alles ist

Mexiko erlebte in den vergangenen zwei Jahrzehnten über das North American Free Trade Agreement (NAFTA) und später mit einem Freihandelsabkommen mit Europa eine ungeahnte Marktöffung. Davon hat auch Thomas Graber profitiert. Er half europäischen und amerikanischen Firmen aus dem Bereich der Zahntechnik, in Mexiko Fuss zu fassen, ihre Vertretungen aufzubauen und den Zugang zum lokalen Markt zu öffnen. So haben auch Schweizer Implantate auf den mexikanischen Markt gefunden.

Wenn an den Universitäten der Preis entscheidet

Viele US-amerikanischen Universitäten bilden Zahnärzte zu Spezialisten aus. Rasch entdeckte Thomas Graber, dass er gegenüber amerikanischen Dentallabors konkurrenzfähig ist. Seither zählen verschiedene US-Universitäten zu seinen Kunden.

Wenn die Technologie, nicht der Preis entscheidet

Die Digitalisierung und der Einsatz von Cat Cam Systemen ist heute in der zahntechnischen Medizin unabdingbar geworden. Diese und der Einsatz von neuster Hochtechnologie führen dazu, dass Thomas Graber einen Viertel seiner Kronen und anderer Zahnersätze aus Kostengründen von Robotern in den USA, in Europa und auf eigenen CNC-Maschinen produziert.

swissinfo.ch



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