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Walliser Busunglück erschüttert Belgien und Schweiz

Blumen auf einer Brücke vor dem Unfalltunnel als Zeichen der Anteilnahme.

(Reuters)

Nach dem schweren Busunglück im Wallis sind Angehörige der Opfer in der Schweiz eingetroffen. Bundespräsidentin Widmer-Schlumpf sprach den Betroffenen ihr Beileid aus. Beim Unfall des belgischen Reisecars waren 28 Menschen getötet worden, davon 22 Kinder.

Sie sei schockiert gewesen, als sie vom Unfall erfahren habe. "Als Mutter dreier Kinder kann ich nachfühlen, wie schmerzhaft es ist, ein Kind auf diese Weise zu verlieren", sagte die Bundespräsidentin.

Der eigens nach Sitten angereiste belgische Premierminister Elio Di Rupo sagte am Mittwochabend, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Familien. "Wenn man einen Angehörigen verliert, ist es dramatisch, wenn man ein Kind verliert gibt es keine Worte", sagte er.

Die 24 verletzten Kinder konnten alle identifiziert werden. Das teilte das belgische Gesundheitsministerium am Mittwochabend in Brüssel mit.

Sieben verletzte Kinder stammen demnach aus dem nordostbelgischen Lommel, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr. 17 Verletzte kommen aus Heverlee, von ihnen schweben ebenfalls noch zwei in Lebensgefahr.

Ursache noch unklar

Das tragische Unglück eines belgischen Busses in der Schweiz könnte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft verschiedene Ursachen haben. Es komme ein technischer Defekt infrage. Auch eine plötzlich auftretende Krankheit des Fahrers sei möglich.

"Der Reisebus war neu und gut instand gehalten, und der Fahrer war allen Erkenntnissen nach ausgeruht", sagte Oberstaatsanwalt Olivier Elsig am Mittwoch an einer Pressekonferenz in Sitten. Fest stehe derzeit einzig, dass kein anderes Fahrzeug involviert war und es kein Problem mit der Strasse - etwa Flüssigkeit auf der Fahrbahn - gegeben habe. Auch sei der Car nicht zu schnell unterwegs gewesen, sagte Elsig.

Die Videobänder aus dem Tunnel wurden laut Elsig sichergestellt. Sie werden nun ausgewertet. Die Leiche des Fahrers werde untersucht. 24 Kinder erlitten laut Polizei Verletzungen. Drei von ihnen seien in einem besonders schlechten Zustand, sagte ein Mediziner.

"Apokalyptische Situation"

Die Kinder im Fahrzeug waren nach Angaben des Oberstaatsanwalts angeschnallt. Sie seien aber wohl losgerissen worden beim Aufprall. "Der Zusammenprall war so gewaltig, dass es die Sitze aus der Verankerung gerissen hat. Aber angeschnallt oder nicht, das hätte jetzt nicht viel geändert für die Kinder, die bei dem Unfall ums Leben gekommen sind", sagte Elsig.

Bei einem der schwersten Busunglücke in der Geschichte der Schweiz waren 28 Menschen gestorben, darunter 22 Kinder. Auch die beiden Busfahrer sowie vier weitere Erwachsene sind tot. Der Bus mit seinen 52 Insassen war am Dienstagabend in einer Tunnelröhre der A9 bei Siders im Wallis gegen eine Wand in eine Nothaltebucht gekracht.

Die Retter hätten an der Unglücksstelle eine "apokalyptische Situation" angetroffen, sagte Polizeikommandant Christian Varone. Der vordere Teil des gelb-roten Reisebusses wurde bei dem Aufprall zerfetzt. "Die Front des Busses war total eingedrückt", berichtete die Korrespondentin des Schweizer Fernsehens vom Unglücksort. Auf der Fahrbahn lagen Kleider und Gepäckstücke der Kinder.
 
Die rund 200 Rettungskräfte hätten die Seitenteile des zerquetschten Fahrzeugs aufschneiden müssen, damit die Opfer herausgeholt werden konnten, hiess es. Viele von ihnen wurden mit Helikoptern und Rettungsfahrzeugen in Krankenhäuser gebracht.
 
Sanitäter, Polizei und Feuerwehrleute waren stundenlang im Einsatz. Die Belastung war den Helfern auch am Morgen danach noch anzusehen: Einige hatten Tränen in den Augen, berichtete die Nachrichtenagentur sda.

Belgien in Trauer

Tränen und Fassungslosigkeit auch in Belgien: Vor den Schulen der Kinder in Heverlee in der Nähe von Brüssel und in Lommel an der niederländischen Grenze versammelten sich am Morgen Mitschüler und Angehörige. Weinend lagen sich Menschen in den Armen.
 
Am Eingangstor zur Primarschule in Heverlee bei Brüssel legten Erwachsene und Kinder Blumen nieder, viele von Hand gezeichnete Karten wurden ans Tor gehängt. Teils wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

Bestürzung in der Schweiz

Auch der Walliser Regierungspräsident Jacques Melly sprach vor den Medien von einer "grossen Betroffenheit" und einer "immensen Trauer". Er sprach den betroffenen Familien sein Beileid aus und dankte den Rettungskräften, die unter sehr schwierigen Bedingungen im Einsatz gestanden waren.
 
Die Mitglieder der Vereinigten Bundesversammlung in Bern zeigten sich erschüttert. Die Gedanken der Räte weilten bei den Verunglückten und bei deren Angehörigen, sagte Nationalratspräsident Hansjörg Walter am Mittwochmorgen in der Bundesversammlung. Er forderte die Parlamentsmitglieder zu einer Schweigeminute auf. 

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Die grössten Busunglücke in der Schweiz

16. Sept. 2006: Ein Zusammenstoss zwischen dem Reisecar einer Hockey-Mannschaft und einem Personenwagen im Viamala-Tunnel der A13 zwischen Thusis und Andeer (Kanton Graubünden) fordert 9 Tote und mehrere Verletzte.

13. April 2005: 13 Menschen sterben, als ein Car am Grossen St. Bernhard bei Orsières (Kanton Wallis) 200 Meter einen Hang hinunterstürzt.

24. Juli 1992: Auf der Tessiner Seite des Nufenen-Passes durchbricht ein deutscher Reisebus mit überhöhter Geschwindigkeit eine Leitplanke und stürzt 20 Meter in die Tiefe. 8 Menschen werden getötet, 23 weitere verletzt.

12. September 1982: Auf einem Bahnübergang bei Pfäffikon (Kanton Zürich), dessen Barriere nicht heruntergelassen war, rammt ein Zug einen Reisecar. 39 Menschen finden den Tod, nur zwei Car-Insassinnen überleben.

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