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Gotthardachse der Bahn bleibt ein Sorgenkind

Ein Eurocity ETR 610 der SBB im Bahnhof Milano Centrale.

(swissinfo.ch)

Die Cisalpino AG wurde 2009 aufgelöst, die Probleme im Personenverkehr zwischen der Schweiz und Italien sind geblieben. Mehr noch: Ab sofort müssen Reisende von und nach Italien häufiger umsteigen. Laut Pro Bahn Schweiz ein grosses Ärgernis.

Gross waren die Hoffnungen, als vor einem Jahr die Cisalpino-Gesellschaft aufgelöst wurde, welche den Personen-Zugsverkehr zwischen der Schweiz und Italien abwickelte.

Denn Cisalpino, ein Tochterunternehmen der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und Trenitalia, stand für Pannen und Verspätungen.

Mit der Rückgabe der Zuständigkeit an die nationalen Bahnunternehmen und der Aufteilung der Flotte der ersten Neigezug-Generation (ETR 470) sowie der Löschung des Namens Cisalpino war die Hoffnung verbunden, das Problem im Italienverkehr auf der Gotthardachse in den Griff zu bekommen.

Weit gefehlt. Zwar gab es punktuelle Verbesserungen. Doch Verspätungen, Zugsausfälle und technische Pannen wie unzugängliche Toiletten waren und sind immer noch an der Tagesordnung. Die Probleme haben sich in jüngster Zeit sogar verschärft.

Wartung für ETR-470 Züge nötig

"Die technischen Störungen der anspruchsvollen ETR-470-Flotte konnten zwar gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent reduziert werden, in den letzten zwei Wochen ist die Verfügbarkeit der Züge jedoch wieder gesunken", räumten die SBB am Dienstag in einer Medienmitteilung ein.

Nur wenige Tage vor dem Fahrplanwechsel, der am kommenden Sonntag erfolgt, haben sich die SBB nun durchgerungen, einen Teil der pannenanfälligen ETR-470-Züge vorübergehend durch eigene ICN-Neigezug-Kompositionen zu ersetzen. Doch diese werden von Zürich nur bis zum Grenzbahnhof Chiasso verkehren.

Dort müssen die Passagiere auf einen Zug von Trenitalia umsteigen, der zwischen Mailand und Chiasso pendelt. Diese Umsteigekombination betrifft in jede Richtung zwei der sieben täglichen Direktverbindungen und soll vorläufig bis Ende Januar in Kraft bleiben. Die SBB wollen die ETR 470 in dieser Zeit einer grundlegenden Revision unterziehen – an den entsprechenden Werkstätten in Mailand.

Rückschritt auf der Gotthardachse

Ausgerechnet zu den Festtagen wird Chiasso also wieder vermehrt zu einem internationalen Umsteigebahnhof werden, mit entsprechenden Unannehmlichkeiten für die Passagiere, etwa beim Gepäcktransport.

Zudem darf bezweifelt werden, ob Trenitalia bei den Anschlusszügen Stabilität und Pünktlichkeit erreichen kann. Gemäss SBB verlängert sich die Reisezeit nach Mailand durch das Umsteigen um nur 4 bis 8 Minuten. Für Anschlüsse in Mailand könnte es allerdings knapp werden.

Für Edwin Dutler, Präsident von Pro Bahn Schweiz, dem Verband Schweizer Bahnbenutzer, stellt diese Situation eine erneute Verschlechterung des Zugsverkehrs auf der Gotthard-Achse dar: "Die Situation ist auf der ganzen Linie unbefriedigend."

Zwei-Stunden-Takt und Umsteigen

Mit etwas Wehmut erinnert Dutler daran, dass die alten Eurocity einst stündlich und zuverlässig nach Mailand fuhren. Die Zahl habe sich bereits auf sieben Verbindungen und einen Zwei-Stunden-Takt reduziert. Und nun auch noch Umsteigen in Chiasso. Mit den ETR-470-Zügen geht Dutler hart ins Gericht: "Die SBB reden von einer anspruchsvollen Flotte, doch es handelt sich um Schrott."

Der Pro-Bahn-Präsident kritisiert die Zustände auf der Gotthard-Achse seit langem. Als Reiseleiter kennt er die Verhältnisse bestens. Züge aus Mailand in Richtung Zürich kommen häufig zu spät, aber auch ungesäubert in der Schweiz an.

"Auf einer Reise im Sommer waren sogar Gäste aus Frankreich über den Zustand der Züge entsetzt", sagt Dutler.

"Die Situation auf der Gotthard-Achse ist absolut unbefriedigend", gibt SBB-Sprecher Christian Ginsig zu. Mit der jetzt aufgegleisten Sanierung bis Ende Januar hoffe man, die gröbsten Schwierigkeiten mit der Flotte in den Griff zu bekommen.

Besser im Westen

Besser als auf der Gotthard-Achse ist die Situation via Simplon und Lötschberg. Dort verkehren die neuen ETR-610-Neigezüge ohne grössere Schwierigkeiten zwischen Mailand und Genf beziehungsweise auf der Strecke Mailand/Bern/Basel.

Weil in Italien Nahverkehrszüge Vorrang haben, kommt es aber auch dort immer wieder zu Verspätungen für die internationalen Züge. Doch das Rollmaterial ist wenigstens modern. Laut SBB sind die Kundenreaktionen zum ETR 610 positiv, namentlich zu Komfort und Design.

Probleme mit Neigezug ETR 610

Die SBB werden ab Fahrplanwechsel vom 12.12.2010 neu eine Verbindung Basel-Luzern-Mailand-Venedig mit dem neuen Neigezug ETR 610 anbieten (Basel ab 07.03 Uhr). Erstmals kommt dieser Zug auf dieser Strecke zum Einsatz.

Da eine vollständige Zulassung für den Einsatz der Neigetechnik am Gotthard immer noch nicht vorliegt, werden diese Züge vorerst ohne Neigetechnik und somit langsamer verkehren als im offiziellen Kursbuch eingetragen.

Dies führt zu einer Ankunftsverspätung in Mailand von rund 20 Minuten. Aufgrund der geplanten Wartezeit von 45 Minuten in Mailand treffen die Fahrgäste laut SBB aber pünktlich in Venedig ein.

In umgekehrter Richtung (Venedig ab 17.32 Uhr) ist die Verspätung in der Schweiz gegenüber dem Fahrplan indes vorprogrammiert, denn in Mailand hält der Zug nur 15 Minuten. Die Ankunft in Basel ist eigentlich auf 0.56 Uhr vorgesehen. Es dürfte somit fast 1.20 Uhr werden.

Die Cisalpino AG hatte einst 14 Neigezüge der  ETR-610-Baureihe besonders für die Gotthard-Strecke bestellt. Sie hätten allesamt schon im Dezember 2007 im Einsatz sein sollen.

Tatsache ist: Bis heute sind nicht einmal alle Kompositionen geliefert. Die SBB verfügen genau wie Trenitalia bisher über sechs Züge.

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Umsteigen bitte!

Zwischen Zürich und Mailand und in Gegenrichtung setzen die SBB teilweise ICN statt der Neigezüge ETR 470 ein. Das heisst, dass bei den betroffenen Zugläufen in Chiasso umgestiegen werden muss.

Betroffen sind ab sofort bis zum 11.12.2010 folgende Züge: EC 12 / EC 17 / EC 20 / EC 25.

Vom 12.12.2010 bis 31.1.2011: EC 13 / EC 16 / EC 21 / EC 24.

Die Zugnummern können auf den Online-Fahrplänen der SBB (www.sbb.ch) abgerufen werden.

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swissinfo.ch

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