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Häusliche Gewalt Die Schweiz geht härter gegen häusliche Gewalt vor

Ein Mann zieht eine Frau am den Haaren (gestellte Szene)

Gestellte Szene einer Gewalttat hinter verschlossener Haustüre.

(Keystone)

18'522 Straftaten im Bereich häusliche Gewalt wurden in der Schweiz allein 2018 registriert. Das ergibt 52 Fälle pro Tag. Ab kommendem Sommer ziehen die Strafbehörden aber die Schrauben an: Gewalttäter können auch ohne Strafurteil zur Teilnahme an einem Präventionsprogramm verpflichtet werden.

Überforderung. So erklärt ein Mann am Schweizer Fernsehen, warum er in seiner Ehe zuschlug, statt nach anderen Lösungen zu suchen. Sein Gesicht will er der Öffentlichkeit nicht zeigen.

"Ich bin der Täter", sagte der Vater von drei Kindern in der Sendung "Rundschau". Doch er sei auch Opfer gewesen – ein Opfer verbaler Gewalt.

+ Hier finden Sie Informationen des Bundesamts für Statistik zur häuslichen Gewalt in der Schweizexterner Link

+ Zahlen aus der Kriminalstatistik zur Kategorie häusliche Gewaltexterner Link

Täter fühlte sich in die Enge getrieben

Seine Frau habe ihn häufig kritisiert. "Ich fühlte mich in die Enge getrieben. Sie schwieg erst, wenn ich sie schlug."

Seelsorge, Ehe-Therapie – nichts fruchtete. Die Gewaltspirale drehte sich immer schneller. Die Kinder lebten mittendrin. Nach einem erneuten Streit verletzte er sie. Die Polizei wurde eingeschaltet, ebenso die Kinder- und Erwachsenenschutz-Behörde. Er meldete sich in einem Lernprogramm an.

Äusserst belastend

Wie mit Gewalt in den eigenen vier Wänden umgehen? Den Peiniger, zur grossen Mehrheit sind es Männer, bei der Polizei anzeigen oder "dem Frieden zuliebe" darauf verzichten? Diese Frage ist für die Opfer äusserst schwierig und belastend. 

Die Polizei muss in der Schweiz von Amtes wegen einschreiten, falls Hinweise auf häusliche Gewalt bestehen. Denn diese ist seit 2004 ein Offizialdelikt. Darunter fallen schwere Delikte wie Nötigung oder versuchte Tötung, aber auch Beschimpfungen, die Kontrolle des Mobiltelefons oder die Sperrung eines Kontos.

Verfahren enden ohne Schuldspruch

In den Kursen sollen Männer lernen, Probleme in Paarbeziehungen oder in der Familie anders zu lösen als mit Gewalt.

Mit einer neuen Gesetzgebung erhalten die Strafbehörden ab 1. Juli 2020 mehr Handlungsspielraum. Unter anderem können sie die Gewalttäter präventiv zu solchen Lernprogrammen verpflichten, statt wie bisher erst nach einer Verurteilung.

"Es gibt kein typisches Täterprofil", sagt Jessica Renno, Leiterin des Lernprogramms gegen Gewalt in Ehe, Familie und Partnerschaft im Kanton Bern.

"Der Mann - der Chef"

Dreiviertel der beschuldigten Personen sind Männer. Ausländer sind dabei überproportional vertreten. Präventions-Fachfrau Jessica Renno sagt: "Auch Schweizer Männer sind gewalttätig. Bei Migranten kommen aber oft ein anderes Männerbild, Kriegstraumata oder auch erschwerte sozioökonomische Bedingungen hinzu. Das erzeugt Stress und kann das Gewaltrisiko erhöhen."

Auswertungen belegen, dass die Lernprogramme ein wirksames Mittelexterner Link sind, Gewalt in Paarbeziehungen stoppen. Mit den Tätern arbeiten, um die Opfer zu schützen. So erklärt Jessica Renno den Zugang dieser Kurse. Die Täter müssen 26 mal an einer spezifischen Sitzung teilnehmen. "Danach gibt es sehr sehr wenig Rückfälle", sagt Renno.

Meistens verordnen die Behörden, etwa die Staatsanwaltschaft oder das Migrationsamt, den Gewalttätern die Teilnahme an einem solchen Programm. Sie können vom Besuch des Kurses auch das Besuchsrecht oder Aufenthaltsrecht abhängig machen.

Gewalt ohne Konsequenzen

Der Gewalttäter, der in der "Rundschau" zu Wort kommt, hat sich freiwillig für ein Lernprogramm angemeldet. Viel zu lange glaubte er, sie schafften es ohne Hilfe, sagt er. Bis es immer mehr eskalierte. "Ich habe meine Gefühle lange Zeit nicht verbalisieren können."

Schlagen statt sprechen. Im Lernprogramm habe er gelernt, Verantwortung zu übernehmen und Verhaltensmuster seit seiner Kindheit zu reflektieren. Er lebt nun von seiner Frau getrennt. Sie hat die Anzeige zurückgezogen.


swissinfo.ch und Schweizer Fernsehen SRF, swissinfo.ch

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