Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Einer sieht sich als Mediator. Der andere als Manager. Beide Schweizer setzen sich für den Frieden in der Welt ein. Weniger friedlich verhielt sich ein Doppelbürger. Er rekrutierte Kämpfer für den "heiligen Krieg". Nun verliert er das Schweizer Bürgerrecht.

Herzliche Grüsse aus Bern

Christian Raaflaub

Fokus: Wissenschaft, die 5. Schweiz

Thomas Greminger
(OSCE/Micky Kroell)

Er ist der erste Schweizer in diesem hohen Amt: OSZE-Generalsekretär Thomas Greminger. Der Top-Diplomat sieht sich als Manager des Friedens in Europa und will im Hintergrund die Fäden ziehen.

Kooperation und Dialog haben in Europa schon bessere Zeiten erlebt. Allein der Ukraine-Konflikt beschert der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Wien haufenweise Arbeit.

Es sei gelungen, einen Flächenbrand zu verhindern, sagt Generalsekretär Thomas Greminger im Interview, das meine Kollegin Kathrin Ammann mit ihm in einer Berner Kaffeebar gemacht hat.

Der 58-Jährige sprach dabei auch über seine Art, zu führen, und wie er abends am besten runterfahren kann, damit er am nächsten Tag wieder voll einsatzfähig ist. Besonders dann, wenn er unterwegs ist und in Hotelzimmern aus dem Koffer lebt.

Mirko Manzoni
(Keystone)

Bleiben wir gleich noch bei der Diplomatie. Ein weiterer Schweizer betätigt sich im Bereich Friedensförderung: Mirko Manzoni. Er schaffte, was jahrelang niemand gelungen war: Frieden in Mosambik.

Rund 30 Mal reiste er mit seinem kleinen Team in den Dschungel. Dort verhandelte der Schweizer Botschafter während drei Jahren mit den mosambikanischen Rebellen. Bis kurz vor Abschluss eines Friedensabkommens der Rebellenführer verstarb.

Weil sich Mosambiks Präsident Filipe Nyusi versöhnlich zeigte, konnte Manzoni die Parteien nach Jahrzehnten des Bürger- und Guerillakriegs trotzdem davon überzeugen, Frieden zu schliessen.

Kürzlich konnte unser freier Mitarbeiter Federico Franchini den Top-Diplomaten treffen, der Ende Monat seinen Botschafterposten verlassen wird. UNO-Generalsekretär António Guterrez ernannte ihn zum Persönlichen Gesandten für Mosambik.

Schweizer Pass
(Keystone)

Er rekrutierte in der Schweiz Kämpfer für den "heiligen Krieg". Dafür wurde ein Doppelbürger zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nun entziehen ihm die Behörden das Schweizer Bürgerrecht. Eine Premiere.

Propaganda für eine islamistische Terrororganisation und Rekrutierung von Kämpfern. Dafür wurde ein in der Schweiz lebender Doppelbürger zu mehrjähriger Haft verurteilt. Weil er "den Interessen oder dem Ruf der Schweiz erheblichen Schaden zugefügt hat und damit die Sicherheit des Landes gefährdet", entzieht ihm das Staatssekretariat für Migration (SEM) nun das Bürgerrecht.

Neben dem Schweizer Pass verliert der Mann auch das Bürgerrecht des Kantons und der Gemeinde. Der Entscheid des SEM sei noch nicht rechtskräftig, hiess es. Die betreffende Person kann also noch Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einlegen.

Thomas Süssli
(sda-ats)

Die Schweiz – ein viersprachiges Land. Echt? "Schö parl pa frassé", heisst es immer öfter in Schweizer Chefetagen. Bald auch in der Schweizer Armee, deren designierter Chef Thomas Süssli des Französischen nicht mächtig ist. Die französischsprachige Westschweiz ist empört.

Zwar habe Divisionär Süssli versprochen, sich in den dreieinhalb Monaten, die ihm bis zum Amtsantritt bleiben, zu verbessern. "Ein zweifelndes Lächeln ist aber erlaubt. Wir haben diese Versprechen so oft gehört. Mit erbärmlichen Ergebnissen am Ende", schreibt Jacques Pilet in einem Gastkommentar für den Blick.

Pilet ist nicht irgendwer. Der 75-Jährige gilt als einer der profiliertesten Journalisten der Westschweiz. Dass nun ein Headhunter kürzlich erklärt hat, auch der künftige SBB-Chef müsse nicht Französisch können, brachte für Pilet das Fass zum Überlaufen.

Diese Verachtung der mehrsprachigen Schweiz empöre die Romands, schreibt Pilet. "Diese einsprachige Schweiz ist nicht meine Schweiz. Sie verrät die schönsten Traditionen dieses Landes. Sie verarmt und trivialisiert sich selbst."

Handy
(swissinfo.ch)

Im Bereich Frauenrechte ist die Schweiz keine Musterschülerin. Deshalb gingen Mitte Juni die Schweizer Frauen auf die Strasseexterner Link. Deren Forderungen unterstützt die Auslandschweizerin Leandra Bias in London, wo sie bei der britischen Frauen-Partei aktiv ist. Sibilla Bondolfi hat sie getroffen. 

Die Zürcherin Leandra Biasexterner Link mit griechischen Wurzeln lebt seit 2013 in Grossbritannien. Die Politikwissenschafts-Doktorandin engagiert sich als lokale Wahl- und Kampagnenleiterin in der vor vier Jahren gegründeten Women’s Equality Partyexterner Link. Diese wurde aus Protest gegen die Geschlechterungleichheit gegründet.

Bei der Aufnahme in die Partei sei es nie ein Thema gewesen, dass sie Ausländerin ist. Zu diesem entspannten Umstand passt, dass die traditionellen Rollenbilder in England eine viel kleinere Rolle spielen als in der Schweiz, wie Bias erzählt.

Das hat möglicherweise aber auch damit zu tun, weil Bias im kosmopolitischen London lebt. Sollte sie in die Schweiz zurückkehren, würde sie deshalb in urbaner Umgebung nach Gleichgesinnten suchen.

(swissinfo.ch)

Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft. 

Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte externer Linkseinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April2019).

Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.

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