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IWF – Hüter der Weltwirtschaft in der Krise


Der Lenkungsausschuss des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat einer Reform zugunsten der ärmeren Länder zugestimmt. Die Schweiz verliert dadurch an Stimmengewicht.

Ende März hatte sich bereits der Exekutivrat des Weltwährungsfonds für das Vorhaben ausgesprochen, durch das ein Teil der Stimmrechte von den Industrienationen hin zu ärmeren Ländern oder aufstrebenden Staaten wie Brasilien verlagert wird.

Die IWF-Mitglieder müssen den Vorschlag nun noch bis zum 28. April mit einer Stimmenmehrheit von 85% absegnen. IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn zeigte sich zuversichtlich nach der Zustimmung der Minister vom Samstag: "Es gibt nur eine sehr kleine Chance, dass wir die 85% nicht erreichen", sagte er.

Noch bei der vergangenen Herbsttagung von IWF und Weltbank hatte sich der Streit zwischen Boomländern wie Brasilien und Industriestaaten über die Neuordnung der Stimmengewichte verschärft.

Die Schweiz wird mit der Reform einige Stimmenanteile verlieren. Finanzminister Hans-Rudolf Merz betonte in Washington, dass die Schweiz die Reform dennoch unterstütze.

"Wir verlieren 11% unserer Stimmen. Das ist nicht viel. Der Verlust ist Bestandteil eines Kompromisses, der nötig ist, um zu einem global befriedigenden Resultat zu kommen", sagte Merz gegenüber swissinfo.

"Die Reform stärkt die Stimmen der Entwicklungsländer, ohne die Geberländer zu stark zu schwächen."

Problem Lebensmittelpreise

Auch in einem andern Bereich muss die Schweiz wahrscheinlich Federn lassen. Der IWF, dessen finanzielle Situation laut einem amerikanischen Vertreter "unhaltbar" ist, muss zum ersten Mal in seiner Geschichte Stellen abbauen. Bis 2011 sollen 380 der insgesamt 2700 Stellen verloren gehen.

Neben der Reform waren auch die weltweite Finanzkrise und die Explosion der Lebensmittelpreise ein Thema. Sollte Nahrung so teuer bleiben wie bisher, "könnte die Bevölkerung einer sehr grossen Zahl von Ländern mit furchterregenden Konsequenzen konfrontiert werden", sagte Strauss-Kahn.

Auch die Schweizer Wirtschaftsministerin Doris Leuthard zeigte sich besorgt über die Erhöhung der Lebensmittelpreise in den Entwicklungsländern. Sie rief die Weltbank auf, Wege zu finden, um diesen Ländern zu helfen. Sie sollten ihre Landwirtschaftsproduktion erhöhen können, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Koordiniertes Handeln

Der IWF hat weder die Finanz-, noch die Lebensmittelkrise vorausgesehen. Darum die Frage von swissinfo an Bundesrat Merz, ob der IWF seiner Rolle als internationaler Hüter über die Weltwirtschaft zu genügen vermöge. Merz weicht aus und antwortet: "Die USA haben punkto Aufsicht noch nicht das Niveau, welches wir uns wünschten."

Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth seinerseits hält fest, der IWF sei "keine Aufsichtsbehörde. Zuständig sind die nationalen Aufsichtsbehörden."

Nach Einschätzung des IWF kann die Finanzkrise nur durch koordiniertes, entschlossenes Handeln bewältigt werden. Die Entscheidungsträger müssten auf weitere Entwicklungen in der Finanzkrise reagieren und zugleich sicherstellen, das die Inflation unter Kontrolle gehalten werde.

swissinfo, Marie-Christine Bonzom, Washington
(Übertragung aus dem Französischen: Andreas Keiser)

Bretton-Woods

Der IWF und die Weltbank gehören zu den sog. Bretton-Woods-Institutionen, die 1944 am Ende des Zweiten Weltkriegs auf Initiative der USA geschaffen wurden.

Der IWF soll mit Krediten vorübergehende Zahlungsbilanz-Krisen von Mitgliedländern auffangen. Später hat sich die Rolle des IWF geändert.

Weil Industrieländer nicht mehr in Zahlungsbilanzkrisen gerieten, engagiert sich der IWF seit den Achtzigerjahren immer mehr in Schwellenländern, vor allem in Lateinamerika.

Das Betriebsbudget des IWF für 2700 Angestellte beträgt eine Milliarde Dollar. In letzter Zeit haben die Einnahmen abgenommen, einerseits wegen der Schuldentilgung bei den ärmsten Ländern und andrerseits wegen der Tendenz der Schwellenländer, Finanzhilfen auf dem privaten Markt zu suchen.



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