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IWF-Prüfer erteilen Schweizer Wirtschaft gute Noten

Neubausiedlung in Zürich: Die IWF-Vertreter warnen vor einer Überhitzung der Immobilienpreise.

Neubausiedlung in Zürich: Die IWF-Vertreter warnen vor einer Überhitzung der Immobilienpreise.

(Keystone)

Lob des Internationalen Währungsfonds (IWF): Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft sei breit abgestützt, schreibt die IWF-Delegation in ihrem Länderbericht. Betreffend Krisenprävention seien aber die Rollen von Nationalbank und Finma besser zu definieren.

Die Schweizer Inlandnachfrage profitiere von tiefen Zinsen, steigender Beschäftigung und der Zuwanderung, schreiben die IWF-Experten im Länderbericht über die Schweiz.

Gleichzeitig mahnen sie aber auch weitere Regulierungen an, etwa im Hypothekargeschäft, das genau verfolgt werden müsse.

Der Report wurde am Montag von einer Delegation des Währungsfonds vorgestellt, die zehn Tage in der Schweiz geweilt hatte.

Was die Wahrung der Stabilität des Finanzmarktes betrifft, empfehlen die IWF-Ökonomen weitere Klärungen der Rollen der Schweizer Finanzmarktaufsichts-Behörde (Finma) einerseits und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) andererseits.

Positive Reaktion aus dem Bundeshaus

"Die Schweiz bewegt sich in die richtige Richtung", kommentiert Alexander Karrer, stellvertretender Staatssekretär für internationale Finanz- und Steuerfragen im Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD), gegenüber swissinfo.ch die Bewertungen des IWF.

Trotz der Stärke des Schweizer Frankens sind die Exporte aufgrund der Zunahme der globalen Nachfrage gestiegen. Für das laufende Jahr rechnen die IWF-Auguren mit einem Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 2,4%. Weil bei den Exporten ein Rückgang zu erwarten sei, sinke das Wachstum 2012 auf 1,8%.

Die Schweizer Wirtschaft habe sich angesichts der Finanzkrise und der folgenden Rezession als sehr belastbar erwiesen, sagte Karrer. Die Schweizer Behörden würden dennoch versuchen, die Lehren aus der Krise zu ziehen und namentlich die Regulierung des Finanzmarktes zu verbessern. Dieser soll so noch resistenter gegen Krisen gemacht werden.

Knackpunkt Eigenkapitalquote

Im Oktober hatte eine Kommission der Schweizer Regierung empfohlen, dass die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse ihre Eigenkapitalquote erhöhen müssen. Dies, um Risiken besser auffangen zu können.

Mit dieser Massnahme würde das Risiko vermindert, dass ein Bankrott einer der beiden Banken die Schweizer Wirtschaft in ihren Grundfesten schädigen könnte, begründete die so genannte "Too big to fail"-Kommission.

Gemäss dem neuen globalen Standard "Basel III" sollten beide Häuser mindestens zehn Prozent der risikogewichteten Vermögen als Reserve halten.

Reformbedarf

Die Währungsfonds-Spezialisten äussern sich auch zur Nationalbank. Diese könne beginnen, ihre Geldpolitik wieder anzuziehen, vorausgesetzt, dass keine weitere Krise eintrete.

Unsicherheit herrsche betreffend der geopolitischen Entwicklungen sowie weiterer möglicher Spannungen in der Eurozone.

"Wenn wir die Schweiz heute anschauen, bestehen Risiken im Hypothekarmarkt", sagte Claire Waysand, Leiterin der IWF-Delegation, gegenüber swissinfo.ch. Diese Risiken würden zwar von der Nationalbank und der Finma beobachtet. "Aber wenn auf diese Risiken reagiert werden muss, sehen wir Unklarheiten betreffend der Verantwortlichkeiten und der Instrumente", so Waysand.

Massive Stützungskäufe

swissinfo.ch wollte von der IWF-Vertreterin wissen, wie sie die Euro-Stützungskäufe beurteile, welche die Nationalbank vor einem Jahr in grossem Umfang vorgenommen hatte. Diese Interventionen zur Eindämmung des Frankenkurses bescherten der SNB einen Verlust von knapp 20 Mrd. Franken.

Die Grösse der Eingriffe müsse im damaligen Kontext gesehen werden, als sehr grosse Kapitalströme ins Land geflossen seien, sagte Waysand. Aber wichtiger als der Blick zurück sei derjenige in die Zukunft. "Wir denken, dass die SNB ihre Interventionen herunterfahren und vermehrt kurzfristige Ausschläge mildern sollte", so die Empfehlung der Finanzmarkt-Expertin.

IWF-Länderbericht Schweiz

Die Delegation des Währungsfonds hielt sich vom 18. bis 28. März in der Schweiz auf, um ihren Länderbericht zu verfassen.

Es gehört zu den zentralen Aufgaben des IWF, die wirtschaftliche und finanzpolitische Lage seiner Mitgliedsländer regelmässig zu prüfen.

Anlässlich der Prüfung trifft sich die IWF-Delegation mit Vertretern von Regierung, Nationalbank, der Finanzmarktaufsicht sowie des privaten Sektors.


Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi, swissinfo.ch


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