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Joël Dicker gewinnt Romanpreis der Académie française Neuer Stern am Westschweizer Literaturhimmel

Joël Dicker, der Shooting Star der Schweizer Literatur.

(Keystone)

Mit seinem Roman "La Vérité sur l’affaire Harry Quebert" hat der 27-jährige Genfer Autor Joël Dicker den grossen Romanpreis der Académie française gewonnen. Der fast 700 Seiten starke Krimi ist eine scharfsinnige Reflexion über Amerika.

Im französischsprachigen Ausland, ja selbst in der Schweiz, war der Name Joël Dicker bis anhin praktisch nur unter Literatur-Insidern bekannt. Doch das hat sich am Donnerstag schlagartig geändert, als die renommierte Institution den Gewinner bekanntgab.

Der mit 7500 Euro dotierte Preis ist eine wichtige Auszeichnung der französischsprachigen Literatur. Das prämierte Werk mit dem übersetzten Titel "Die Wahrheit über die Affäre Harry Quebert", Dickers Roman-Zweitling, ist in den Verlagen Editions de Fallois in Paris und L’Age d’Homme in Lausanne erschienen.

"Dieser Preis wird selten an einen sehr jungen Autor verliehen", sagt sein französischer Verleger Bernard de Fallois. "Und was noch seltener ist: Die begeisterten Mitglieder der Akademie haben den Preis in der ersten Runde Joël Dicker vergeben."

Der Segen könnte gar noch weiter gehen: Dickers Krimi ist auch für den Prix Goncourt, den wichtigsten Literaturpreis der französischen Sprache, und den Prix Interallié nominiert, die beide Anfang November verliehen werden.

In den ersten Wochen gingen rund 35'000 Exemplare des Falles Harry Quebert in den Buchhandlungen über die Ladentische. Geholfen hat Dicker auch die grosse Beachtung, die er und sein Werk Mitte Oktober an der Frankfurter Buchmesse in Deutschland gefunden hatten.

An der wichtigsten Börse der Weltliteratur konnten die beiden Verlage die Autorenrechte für Dickers Roman in nicht weniger als 15 Länder verkaufen, darunter Deutschland, Spanien, Griechenland, die Niederlande und Israel, freut sich Verleger Bernard de Fallois.

Auf dem Teppich geblieben

Dicker, ein ausgebildeter Jurist, hatte seinen Erstling "Les Derniers jours de nos pères" erst im vergangenen Januar vorgelegt. "Die französischsprachige Literatur hat nicht auf mich gewartet", sagt der neue Star am Schweizer Literaturhimmel bescheiden. "Es gibt bei uns zahlreiche junge und vielversprechende Autoren, die nicht dieselbe Unterstützung durch aufmerksame und beharrliche Verleger haben wie ich. Ihnen verdanke ich diese Auszeichnung."

Er habe auch Glück gehabt, sagt Dicker am Telefon, kurz nachdem er von der Auszeichnung erfahren hatte. "Ich kann es kaum glauben, vor allem, wenn ich daran denke, dass unter den bisherigen Gewinnern berühmte Romanciers wie Romain Gary und Albert Cohen figurieren". Letzterer war ein Genfer Autor griechischer Herkunft, der unter anderem "Die Schöne des Herrn" schrieb und 1981 starb.

Einhelliges Lob

Das Erscheinen im September von "La Vérité sur l’affaire Harry Quebert" hat die Kritikerzunft ins Schwärmen versetzt. Zeitungen in Frankreich, Belgien und sogar Kanada feierten begeistert den Kriminalroman und hoben ihn dadurch auf den Schild für die Ausmarchung um die wichtigsten Preise der französischsprachigen Literatur.

Für die Westschweiz stellt dies ein Phänomen dar, ist doch noch nie ein derart junger Autor in so kurzer Zeit gleich für mehrere Preise nominiert worden.

Der Roman überzeugt mit einer flüssigen Erzählweise und seiner glasklaren Sprache. Das Vorhaben Dickers ist sehr ambitioniert, geht es im Krimi doch um nichts weniger als den Blick auf die USA, genauer, auf Neuengland, gesehen mit den Augen eines Europäers. Hinter diesem verbirgt sich der Autor selbst, der als Jugendlicher mehrmals Ferien an der Ostküste verbracht hatte und diese Region sehr mag, wie er bekennt.

Puritanisch und schamlos, demokratisch und tyrannisch, gerecht und unrecht, überschwänglich und depressiv: Es sind diese Gegensätze und Widersprüche, die Dicker an den USA faszinieren. Auf 670 Seiten erzählt er in Form eines Krimis die Geschichte von Marcus Goldman. Der junge Autor hat einen erfolgreichen Erstling vorgelegt, doch für den zweiten Roman wird er von seiner Inspiration im Stich gelassen.

Bedrängt von seinem hartnäckigen Verleger aus New York, muss Goldmann ein Thema finden, das seinen Erfolg fortsetzt. Die Gelegenheit ergibt sich, als im Garten von Harry Quebert, dem Freund und Förderer von Marcus, eine Leiche gefunden wird. Wird diese Entdeckung zum Objekt des Romans, den Marcus Goldman zu schreiben versucht?

"Geschenk des Lebens"

Marcus Goldman – ein Alter Ego Joël Dickers? "Keineswegs", stellt dieser klar. "Was mich mit ihm verbindet, ist die Begeisterung für Sport, aber auch die obsessive Suche nach der Wahrheit und sein Blick auf das Leben, der zuweilen noch etwas verschwommen ist."

Damit ist Dicker zum Star geworden. "Ich denke nicht daran", entgegnet er, "für mich ist dieser Erfolg wie ein grosses Geschenk des Lebens." Ein sympathischer Star, dieser Joël Dicker.

Joël Dicker

Geboren in Genf 1985. Seine Familie stammt ursprünglich aus Frankreich und Russland.

2010 schliesst er seine Studien an der Universität Genf als Jurist ab.

2008/09 schreibt er seinen ersten Roman "Les Derniers jours de nos pères". Darin erzählt er die unbekannte Geschichte des Special Operations Executive (SOE), einem britischen Geheimdienst, der während des Zweiten Weltkrieges von Churchill gegründet worden war.

Die Verleger des Erstlings hiessen ebenfalls de Fallois/L’Age d’Homme.

Am 25. Oktober gibt die Académie française bekannt, dass Dickers zweiter Roman "La Vérité sur l’affaire Harry Quebert" den diesjährigen Prix Goncourt für Romane gewinnt.

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Schweizer Literaturpreisträger

Jacques Chessex: Prix Goncourt 1973 für seinen Roman "L’Ogre".

Claude-Alain Sulzer: Prix Médicis étranger 2008 für "Un garçon parfait".

Matthias Zschokke: Prix Femina étranger 2009 für "Maurice mit Huhn".

Jean-Michel Olivier: Prix Interallié 2010 für "L’Amour nègre".

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(Übertragung aus dem Französischen: Renat Kuenzi), swissinfo.ch

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