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Kampf dem Klimawandel


Die reiche Schweiz kann mehr tun als CO2 reduzieren




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Laut Experten kann die Schweiz im Kampf gegen die Klimaerwärmung eine wichtigere Rolle spielen. (Keystone)

Laut Experten kann die Schweiz im Kampf gegen die Klimaerwärmung eine wichtigere Rolle spielen.

(Keystone)

Die Schweizer sind lediglich für 0,1% der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Dank Wohlstand und Know-how könnte die Schweiz im Kampf gegen die Erderwärmung einen wirklichen Beitrag leisten, indem sie anderen Ländern bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels hilft.

Die Pläne der Schweiz zur Reduzierung ihres CO2-Ausstosses für sich alleine sind nur ein winziger Anteil an dem, was global gegen die Klimaerwärmung getan werden muss. Gemäss Fortunat Joos, Präsident des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung (OCCR) an der Universität Bern, könnte das Land aber eine grössere globale Rolle spielen, um andere Länder zu unterstützen.

"Ich denke, es ist auch eine ökonomische Gelegenheit für die Schweiz selber", sagt der Physiker gegenüber swissinfo.ch. "Wenn die Schweiz vorwärtsmacht und mit der Dekarbonisierung ihrer Wirtschaft beginnt und dazu die Technologie entwickelt, könnte sie diese mit anderen Ländern teilen. Wenn sie gleichzeitig die Finanzierung der Gewinnung fossiler Brennstoffe verbietet, könnte sie ihr Engagement für das Klimaabkommen von Paris und unser Wohlbefinden beweisen."

Fast 200 Länder, darunter die Schweiz, haben sich im Dezember 2015 darauf geeinigt, die CO2-Emissionen zu reduzieren und die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen. Diese Reduktionen sind nötig, weil Kohlendioxid (CO2) über Jahrtausende in der Atmosphäre bleibt.

Wenn keine Massnahmen ergriffen werden, würde sich die Erde nach wissenschaftlichen Berechnungen ab jetzt um 3,5 Grad erwärmen. China alleine könnte diese hochgerechnete Erwärmung um 1,3 Grad vermindern, das US-Programm um etwas mehr als ein halbes Grad.

Nationales Programm

Der Bundesrat, die Schweizer Regierung, hat das Pariser Klimaabkommen im März verabschiedet und die grossen Linien der nationalen und internationalen Klimapolitik bis 2030 formell festgelegt.

Sobald es auch vom Parlament genehmigt ist, kann sich die Schweiz für eine Halbierung ihrer Treibhausgas-Emissionen bis 2030 im Verhältnis zum Stand von 1999 einsetzen. Um dies zu erreichen, muss allerdings das CO2-Gesetz revidiert werden.

Laut dem Bundesrat müssen drei Fünftel der Kürzungen durch Massnahmen im Inland erfolgen, zwei Fünftel können im Ausland kompensiert werden. Das letzte Wort hat allerdings das Parlament.

Das Schweizer Parlament debattiert über Pläne zur Verringerung der einheimischen Emissionen um 30% und der importierten um 20% bis 2030 – im Vergleich zum Stand von 1990.Ziel ist es, die Reduzierung von CO2 und sechs anderer Treibhausgase hauptsächlich bei den Sektoren Immobilien, Verkehr und Industrie zu erreichen, wo die meisten Emissionen anfallen.

"Klimaneutrales" Wachstum

Auch wenn der gesamte Schweizer CO2-Ausstoss klein bleibt, zeichnen die Zahlen ein anderes Bild, wenn man sie auf der Basis von Pro Kopf der Bevölkerung betrachtet. Man müsse nämlich auch die so genannten "grauen Emissionen" mitrechnen, so Joos: den Kauf von Konsumgütern, Reisen und Investitionen in Unternehmen, die fossile Brennstoffe einsetzen.

Gemäss Weltbank ist die Schweiz für 4,6 metrische Tonnen pro Einwohner verantwortlich. Das ist gleich viel wie Argentinien und Chile, aber weniger als ein Drittel der 17 metrischen Tonnen in den USA.

China, die USA, die Europäische Union, Indien und Russland gehören zu den weltweit grössten CO2-Emittenten. Gemessen am Pro-Kopf-Ausstoss unterscheiden sich die Zahlen jedoch massiv: China bringt es auf 6,7 metrische Tonnen, Indien auf lediglich 1,7.

Gemäss Pariser Abkommen werden Entwicklungsländer, die einen kleineren CO2-Ausstoss pro Kopf haben, mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert sein, um ihre Wirtschaft "klimaneutral" voranzutreiben. Deshalb sind gewisse Kreise der Meinung, die Schweiz sollte mindestens 1% der 100 Milliarden Dollar jährlich berappen, die für das Weltklima gesprochen sind.

Mehr Geld

Von 2000 bis 2012 investierte die Schweiz 880 Millionen Franken für Projekte gegen den Klimawandel in Entwicklungsländern. Eine von der Regierung finanzierte Studie kam aber zum Schluss, dass 500 Millionen bis 2,7 Milliarden Franken pro Jahr aus privaten Quellen von Regierungsstellen aufgetrieben werden könnten.

Das Schweizer Parlament hatte 2011 beschlossen, die internationale Entwicklungshilfe bis 2015 auf 0,51% des BIP zu erhöhen, was die jährliche Finanzierung von Klimamassnahmen massiv ankurbelte.

Die Klima-Allianz Schweiz, ein Zusammenschluss von Nichtregierungs-Organisationen, ist jedoch der Meinung, dass es sich die Schweiz leisten könnte, grosszügiger zu sein.

In diesem Jahr reduzierte das Parlament seine internationale Entwicklungshilfe auf 0.48% des BIP. Es sieht zudem vor, 300 Millionen davon für "klimabedingte Armut" einzusetzen, so die Klima-Allianz.

Die Allianz verlangt nicht nur, die Reduzierung rückgängig zu machen, sondern die Entwicklungshilfe auf 0,7% des BIP zu erhöhen, so wie es von der UNO zur Linderung der Armut auf der Welt empfohlen wird. Zusätzlich legt sie der Schweiz nahe, eine weitere Milliarde Franken für den Klimawandel und der damit verbundenen Armut aufzubringen.

"Jedes Land muss sein Möglichstes tun, entsprechend seiner Verantwortung und auch seiner Kapazität", sagt Jürg Staudenmann von der entwicklungspolitischen Arbeitsgemeinschaft Alliance Sud gegenüber swissinfo.ch. "Paris hat klar gemacht, dass nun dringend gehandelt werden muss."

Was soll die Schweiz tun: Weiter ihre eigenen Emissionen reduzieren oder andere Länder bei der Reduzierung schädlicher Einflüsse aufs Klima unterstützen? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Folgen Sie John Heilprin auf Twitter: https://twitter.com/johnheilprin


(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein)

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