Direkt zum Inhalt springen
Your browser is out of date. It has known security flaws and may not display all features of this websites. Learn how to update your browser[Schliessen]

Kampf dem Klimawandel


Grossflächige Abholzung: Sind Banken immer noch beteiligt?


Von Paula Dupraz-Dobias, Paris


 Weitere Sprachen: 5  Sprachen: 5
Die Finanzwelt hinterlässt auch in der Umwelt einen Fussabdruck. (Keystone)

Die Finanzwelt hinterlässt auch in der Umwelt einen Fussabdruck.

(Keystone)

Grossbanken, darunter auch UBS und Credit Suisse, sollen ihre Investitionen in die Produktion von Agrargütern, die zur Entwaldung führt, einschränken. Dies fordern verschiedene Nichtregierungs-Organisationen. Laut einem UNO-Bericht machen die Finanzinstitute nicht genug, um die Abholzung zu bekämpfen – eines der Themen, die an der Klimakonferenz COP21 besprochen werden.

An der Weltklimakonferenz COP21 in Paris wird erwartet, dass das Thema Holzschlag auch ein Teil der Abschlusserklärung sein wird. Wälder entziehen der Atmosphäre einen Teil des Kohlendioxids auf natürliche Weise. Wo grossflächig abgeholzt wird, setzt sich dieses wieder frei.

Laut dem Schweizer Unterhändler Keith Anderson, zuständig für waldrelevante Verhandlungen bei der UNO-Klimakonvention, ist COP21 "ein Meilenstein für die Frage der Reduktion von Emissionen im Bereich Wald".

Doch wirksame Massnahmen könnten schwierig werden, falls Finanzinstitute ihre Beziehungen zu Klienten, die an der Abholzung von Wäldern zur Gewinnung von Boden für Nutzpflanzen und Weideland beteiligt sind, nicht besser überprüfen.

Gemäss Kritikern sind die von Grossbanken wie UBS und Credit Suisse unterzeichneten Zertifizierungssysteme und Initiativen aus der Industrie, um Nachhaltigkeit zu fördern, schwach.

Laut Scott Poynton, Gründer der in Nyon beheimateten Nichtregierungs-Organisation (NGO) The Forest Trust, spielen Finanzdienstleister und Banken "ihre Macht zu wenig aus".

"Im Fall des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO) kann man abholzen und trotzdem zertifiziert werden. Man kann sogar Sklavenarbeit betreiben", kritisiert Poynton. Er berät Unternehmen und Finanzinstitute darüber, welche Rohstoff-Lieferketten eine Rolle bei der Entwaldung spielen können, und hilft ihnen bei der Ausformulierung von effizienten Leitlinien.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Poynton ergänzt, solche Systeme mit vielen Interessenvertretern seien konsensbasiert. "Man einigt sich schliesslich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, was den Standard anbelangt. Vor Ort ändert sich gar nichts."

Fokus auf Wäldern

An einer speziellen Sitzung der LPAA (Lima-Paris Action Agenda) am 1. Dezember wurde ein neuer Schwerpunkt auf Partnerschaften angekündigt, um gesunde Wälder zu gewährleisten und deren nachhaltige Nutzung als Lebensgrundlage von einer Milliarde Menschen weltweit zu unterstützen.

"Der Erfolg der LPAA und deren Aktionsradius hängt von effizienten Synergien zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Aktoren, zwischen Investoren und der Waldbewirtschaftung ab. Alle zusammen stellen sich hinter nachhaltig bewirtschaftete Wälder als gemeinsames Ziel", sagte Perus Umweltminister Manuel Pulgar-Vidal.

Jährlich werden 12 Mio. Hektaren Wald zerstört, was zu 11% des weltweiten Treibhausgas-Ausstosses führt.

Die neuen Partnerschaften, die von hohen Beamten, dem privaten Sektor, der Zivilgesellschaft und Gesellschaften indigener Völker präsentiert wurden, sollen das Zugeständnis 16 grosser Waldländer vom 30. November ergänzen, dass Wälder eine wichtige Klimalösung sind.

2012 behauptete der Bruno Manser Fonds, eine Schweizer NGO, die UBS sei bei der Geldwäsche eines malaysischen Politikers behilflich gewesen, dessen Gelder aus illegalem Holzschlag im Bundesstaat Sabah im Norden der Insel Borneo stammen sollen.

In der Folge eröffnete die Schweizer Bundesanwaltschaft ein Verfahren gegen die Bank. Sie erklärte gegenüber swissinfo.ch, zur laufenden Untersuchung könnten keine weiteren Angaben gemacht werden.

Im März dieses Jahres beschuldigte die niederländische NGO Bank Track die Credit Suisse, einem indonesischen Konzern einen Kredit über 50 Millionen Dollar gewährt zu haben, dessen Holzschlag-Tochtergesellschaft "APRIL" von der Umwelt-Organisation Greenpeace als "die grösste Bedrohung für den indonesischen Regenwald" beschrieben worden war.

Credit Suisse antwortet swissinfo.ch per E-Mail, dass man "regelmässig den Dialog mit externen Interessengruppen wie NGO aufnimmt und plausible Hinweise, dass Kunden sich nicht an unsere Grundsätze und Richtlinien halten, ernst nimmt".

Bessere Überwachung

Ethos, eine Schweizer Stiftung für nachhaltiges Investment, fordert eine Verbesserung in der Überwachung von Krediten in Fällen, wo das Geld unter Vorbehalt gesprochen wurde.

"Wenn Credit Suisse erklärt, sie würden einen Kredit unter Vorbehalt gewähren, möchten wir mehr über die Vorbehalte erfahren", sagt Vincent Kaufmann, Geschäftsführer von Ethos. Er betont, unter den Regeln des RSPO sei eine Überwachung eingeschränkt.

Die UBS habe "präzisere" Leitlinien als die Credit Suisse, betont Kaufmann. Die UBS weigere sich, "Geschäfte mit Unternehmen in Wäldern mit hohem Schutzwert" zu tätigen. Und sie verlange von Firmen, sich bis 2020 zu einer vollen Zertifizierung zu verpflichten.

UBS und Credit Suisse

Der Bericht Unternehmerische Verantwortung 2014 der Credit Suisse hält namentlich fest, die Palmöl-Produktion sei einer jener "Wirtschaftszweige, die in sozialer oder ökologischer Hinsicht besonders exponiert sind", und dass die Grossbank "spezifische, weltweit gültige Weisungen und Richtlinien festgelegt" habe.

Auch die UBS hat "umfassende Regeln festgelegt, um Umwelt- und Sozialrisiken für unsere Kunden und unser Unternehmen zu vermeiden oder zu steuern", wie sie auf der Website zu Umwelt und Sozialrisiken erklärt.

Die Grossbank hat sich 2014 dem "Soft Commodities" Compact der Banking Environment Initiative und des Consumer Goods Forum angeschlossen. "Dadurch verpflichten wir uns, die Transformation von Soft-Commodity-Lieferketten zu unterstützen, indem wir von den Produzenten erwarten, bis 2020 vollumfänglich nach den geltenden Nachhaltigkeits-Zertifizierungssystemen zertifiziert zu sein", schreibt die UBS in diesen Richtlinien.

Gemäss Christian Leitz, Leiter Corporate Responsibility Management bei der UBS, hat die Bank hochentwickelte Datenanalysen über Firmen, die potenziell die Richtlinien der Bank verletzen oder in Umwelt- und Menschenrechts Kontroversen verstrickt sein könnten, in ein webbasiertes Compliance-Tool integriert. Dieses kann das Personal zu Hilfe nehmen, bevor eine Kundenbeziehung eingegangen oder eine Transaktion vorgenommen wird. Zeigt das Tool eine "rote Flagge", kommt der Fall vor einen Verantwortlichen für soziale und Umweltrisiken.

Auch wenn lokale Banken oft einspringen, wenn internationale Institutionen einen Kredit verweigern, können diese kleineren Kreditgeber laut Poynton nicht völlig isoliert handeln. "Sie sind mit dem internationalen Bankensektor verbunden."

Leistungsvergleich

Verschiedene UNO-Organisationen (UNEP, FAO, UNDP), die sich der Rolle der Banken und deren grossen Auswirkungen auf das Klima bewusst sind, gaben eine Studie in Auftrag, welche die Risikorichtlinien von Banken und Investoren betreffend Agrarrohstoffe wie Palmöl, Soja und Rindfleisch untersuchte.

Die Studie nahm die Richtlinien von 30 Banken unter die Lupe, darunter auch UBS und Credit Suisse, wie Anders Nordheim von der in Genf basierten Finanz-Initiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP-FI) sagt.

Die Beurteilung wurde aufgrund von öffentlich zugänglichen Informationen und offiziellen Strategie-Erklärungen vorgenommen. Deren Stärken wurden gemessen betreffend expliziten Umwelt- und Sozialleistungs-Anforderungen, der Umsetzung der Richtlinien wie auch der Überwachung und Meldungen.

Durchschnittlich erreichten die Banken 58 von 100 möglichen Punkten, blieben also häufig unter den 67 Punkten, die als Mindestvoraussetzung für eine vorbildliche Praxis festgelegt wurden.

Zwar wurden keine individuellen Auswertungen bekanntgegeben, doch am besten schnitten laut der Studie internationale Entwicklungsbanken wie die Afrikanische Entwicklungsbank und die International Finance Corporation ab, aber auch Geschäftsbanken wie Standard Chartered und Sumitomo Mitsui Trust Bank.

Sie wurden dafür gelobt, weil sie "eindeutig Ressourcen in das Verständnis und das Ansprechen von Risiken betreffend Agrarrohstoffen investiert" hätten.

"Banken, Händler und Investmentmanager haben einen wesentlichen indirekten Fussabdruck betreffend Naturkapital, wenn sie in Firmen, die mit nicht-nachhaltiger Produktion und Handel oder Verkauf von Agrarrohstoffen zu tun haben, investieren oder diesen Kredite gewähren", hiess es im Bericht.

Laut Achim Steiner, geschäftsführender Direktor des UNEP, müssen Institute "mit Kunden den Dialog suchen, Kredite für die schädlichsten Praktiken einschränken und Risiken aus natürlicher Wertverminderung in ihre Finanzanalysen einbeziehen".

Die Finance Initiative des UNEP hat ein Online-Tool entwickelt, mit dem Finanzinstitute ihre Verfahren bewerten, Risikorichtlinien entwickeln und sich mit der Konkurrenz vergleichen können.

Entwaldung

Rodungen für die Landwirtschaft sind nach der Energieproduktion der zweitwichtigste Grund für Treibhausgas-Emissionen. Laut der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind sie für 25-30% des Ausstosses verantwortlich. Da Bäume 50% Kohlenstoff enthalten, wird CO2 in die Luft freigesetzt, wenn sie gefällt werden.

Zwischen 2000 und 2012 waren laut der NGO Forest Trends die Hälfte der tropischen Abholzung Rodungen für die kommerzielle Landwirtschaft.

Gemäss Angaben des World Resources Institute wurden in Indonesien seit 2009 rund 1,5 Mio. Hektaren pro Jahr abgeholzt, hauptsächlich für Palmöl-Plantagen. In Brasilien waren es im gleichen Zeitraum jährlich 2,3 Mio. Hektaren, hauptsächlich als Weideland und für Soja-Anbau.

Laut einem neuen Bericht des britischen Übersee-Entwicklungsinstituts gewährten Brasilien und Indonesien zwischen 2009 und 2012 rund 40 Mrd. US-Dollar an Subventionen an die Bereiche Palmöl, Soja, Holz und Biotreibstoffe. Das ist über 100 Mal mehr, als diese Länder für den Schutz der Regenwälder im Rahmen des UNO–Programms REDD+ ausgaben.

swissinfo.ch

Urheberrecht

Alle Rechte vorbehalten. Die Inhalte des Web-Angebots von swissinfo.ch sind urheberrechtlich geschützt. Sie dürfen nur zum Eigengebrauch benützt werden. Jede darüber hinausgehende Verwendung der Inhalte des Web-Angebots, insbesondere die Verbreitung, Veränderung, Übertragung, Speicherung und Kopie darf nur mit schriftlicher Zustimmung von swissinfo.ch erfolgen. Bei Interesse an einer solchen Verwendung schicken Sie uns bitte ein Mail an contact@swissinfo.ch.

Über die Nutzung zum Eigengebrauch hinaus ist es einzig gestattet, den Hyperlink zu einem spezifischen Inhalt zu verwenden und auf einer eigenen Website oder einer Website von Dritten zu platzieren. Das Einbetten von Inhalten des Web-Angebots von swissinfo.ch ist nur unverändert und nur in werbefreiem Umfeld erlaubt. Auf alle Software, Verzeichnisse, Daten und deren Inhalte des Web-Angebots von swissinfo.ch, die ausdrücklich zum Herunterladen zur Verfügung gestellt werden, wird eine einfache, nicht ausschliessliche und nicht übertragbare Lizenz erteilt, die sich auf das Herunterladen und Speichern auf den persönlichen Geräten beschränkt. Sämtliche weitergehende Rechte verbleiben bei swissinfo.ch. So sind insbesondere der Verkauf und jegliche kommerzielle Nutzung unzulässig.

×