Kampf gegen Terrorismus Schweizer Apotheker sollen mutmassliche Bombenbauer melden

Angestellte sollen nicht James Bond spielen. Deshalb gilt: Überwachungskamera einschalten, Details zum Kunden notieren und Gegenstände sichern, die der Kunde berührt haben könnte.

Angestellte sollen nicht James Bond spielen. Deshalb gilt: Überwachungskamera einschalten, Details zum Kunden notieren und Gegenstände sichern, die der Kunde berührt haben könnte.

(Keystone)

Nitrate, Aceton, Wasserstoffperoxid – solche gängigen Chemikalien können zum Bau von Bomben verwendet werden. Das Bundesamt für Polizei Fedpol hat deshalb Apotheker dazu aufgerufen, verdächtige Kunden zu melden.

Verhält sich ein Kunde nervös? Will eine Kundin eine ungewöhnlich grosse Menge einer Chemikalie kaufen oder keine Auskunft über die geplante Verwendung geben? Dann könnte diese Person eventuell terroristische Motive haben. In einem Brief des Fedpol, den die Schweizer Apotheken in den vergangenen Wochen erhalten haben, werden sie auf verdächtiges Verhalten von Kunden hingewiesen.

Apothekerinnen und Apotheker sollen solche Käufer künftig erkennen und dem Fedpol telefonisch oder per Mail melden. Über das Schreiben haben "Sonntagszeitung" und "Le Matin Dimanche" berichtet; es liegt der Nachrichtenagentur SDA vor.

Zu den Substanzen, die für den Bau von Sprengstoffen verwendet werden können, zählen etwa Wasserstoffperoxid, das in Desinfektionsmitteln vorkommt, Natriumperchlorat in Medikamenten oder Nitrate in Düngemitteln. Insgesamt listet das Fedpol 15 frei verkäufliche Chemikalien auf.

Das Personal in Apotheken, Drogerien und weiteren Detailhändlern soll sich jedoch nicht gefährden. Deshalb gibt das Bundesamt Verhaltensempfehlungen ab. "Setzen Sie sich keiner Gefahr aus!", heisst es etwa. Im Verdachtsfall sollen Angestellte die Überwachungskamera einschalten, sich möglichst viele Details zum Kunden notieren und Dokumente oder Gegenstände aufbewahren, welche der Verdächtige berührt hat – es könnten DNA-Spuren nachweisbar sein.

Kriminelle könnten in Schweiz ausweichen

Der Bundesrat hatte im Dezember das Justiz- und Polizeidepartement EJPD damit beauftragt, gesetzliche Grundlagen auszuarbeiten, um den Handel mit den heiklen Substanzen einzuschränken. Die EU hat dies bereits getan, weshalb Kriminelle nun in die Schweiz ausweichen könnten.

Der Bundesrat schlägt vor, dass die Strenge der Regelung von der Konzentration abhängt: Tiefe Konzentrationen sollen keinen Einschränkungen unterliegen. Die Regelungen würden lediglich für Privatpersonen gelten, Berufsleute wie Landwirte wären nicht betroffen.

Bereits im September hatte das Fedpol einen runden Tisch veranstaltet, an dem sich Vertreter der verschiedenen Industriezweige trafen, um zu diskutieren, wie solche Chemikalien in der Schweiz zu regulieren wären und deren Missbrauch erschwert werden könnte.

"Die Branchen zeigten sich sehr offen, ihre Mitglieder auf die Risiken hinzuweisen, die von Vorläuferstoffen für Sprengstoffe ausgehen", sagte Fedpol-Sprecherin Lulzana Musliu am Montag gegenüber swissinfo.ch.

Die EU hatte den Verkauf mit den sogenannten Vorläuferstoffen bereits 2014 eingeschränkt. Ein Auslöser war der Bombenanschlag, den der norwegische Massenmörder Anders Breivik 2011 im Regierungsviertel von Oslo verübt hatte. Er verwendete dabei unter anderem Dünger als Vorläuferstoff.

Sind sie einverstanden, dass Apotheker ihre Kunden bei Verdacht melden sollen? Sollte dies obligatorisch sein? Diskutieren Sie mit!

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