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Klima-Kapital


COP21 Paris: Wo ist das Geld?


Von Paula Dupraz-Dobias


Eines der ersten Projekte, das finanzielle Unterstützung aus dem Grünen Klima-Fonds erhielt, soll das peruanische Amazonas Becken vor Überflutungen schützen.  (AFP)

Eines der ersten Projekte, das finanzielle Unterstützung aus dem Grünen Klima-Fonds erhielt, soll das peruanische Amazonas Becken vor Überflutungen schützen. 

(AFP)

Ob es gelingt, Lösungen für den Klimawandel zu finden, hängt nicht nur von den politischen Verhandlungen am Klimagipfel (COP21) in Paris ab, sondern auch vom Geld. Die Technologien, mit denen die globale Erwärmung gedämpft werden soll, sind kostspielig.

Die Geldbeschaffung für Klimaprojekte rückt zunehmend in den Mittelpunkt der Klimadebatten der Vereinten Nationen. Noch vor Beginn der Konferenz, die am 30. November in Paris beginnt, schlagen die Diplomaten ein jährliches Ziel von 100 Milliarden Dollar vor.

Dieses Ziel ist erst zur Hälfte erreicht. Gemäss Schätzungen der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) betrugen die durchschnittlichen Zusicherungen in den letzten zwei Jahren 57 Mrd. Dollar.

Entwicklungsländer argumentieren, dass sie ohne dieses Geld nicht in der Lage seien, in neue, umweltfreundlichere Energie- und Transportformen zu investieren oder sich auf potenziell schädliche Auswirkungen der steigenden Temperaturen vorzubereiten.

Zusicherungen und Temperaturen steigen

Ein Bericht, der im Oktober von Climate Action Tracker (CAT), einer Gruppe europäischer Klimaexperten, veröffentlicht wurde, sagt voraus, dass die Temperaturen um 2,7° ansteigen werden, selbst wenn alle Zusicherungen umgesetzt würden.

Laut der Gruppe wäre dies dennoch eine Verbesserung im Vergleich zu jenen Zusicherungen, die an der letztjährigen Klimakonferenz in Lima gemacht wurden und die von einer Klimaerwärmung von 3,1° ausgehen.

(picture for teaser: La Ruche 41728748: La Ruche ist spezialisiert für kurze Vertriebswege für Nahrungsmittel.

Gemäss der Klimadaten-Website Carbon Brief zeigen die bisher vorgelegten nationalen Zusicherungen, dass ärmere Länder Unterstützung von mehreren Billionen Dollar benötigen, um dies in den nächsten 15 Jahren zu erreichen.

"Intelligente Spenden"

Feste nationale Zusicherungen für den Grünen Klimafonds zu bekommen, der als Herzstück der Klimafinanzierung dienen soll, ist allerdings ein komplexes Unterfangen.

Stefan Marco Schwager, Berater des Bundesamts für Umwelt in Fragen der internationalen Klima- und Biodiversitäts-Finanzierung, sagte gegenüber swissinfo.ch, dass sich der Grüne Klimafonds nicht so schnell entwickelt habe, wie er sich dies gewünscht hätte.

Seit dem letzten Jahr hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon grosse Anstrengungen unternommen, um die ursprünglich für den Fonds zugesicherten 10,4 Mrd. Dollar in formelle Abkommen umzuwandeln.

Die Schweiz hat 100 Millionen Dollar für den Fonds versprochen, die zwischen 2015 und 2018 in drei Raten zu bezahlen sind.

"Es hat Geld im Sparschwein", sagt Schwager. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie dieses "nicht nur schnell, sondern intelligent und wirksam" ausgegeben wird.

Es brauche mehr Klarheit darüber, was Klimafinanzierung beinhalte, sagt der Schweizer Experte. Diese Frage, war letztes Jahr ausführlich an der Konferenz in Lima debattiert worden.

Für die Geber in den entwickelten Ländern sorgte laut Schwager auch die Korruption bei der Auszahlung der Gelder für Bedenken. "Wo immer Geld fliesst, besteht die Gefahr von Korruption, Missbrauch und Ineffizienz."

Privatsektor

Der Löwenanteil der Gelder für Investitionen gegen den Klimawandel wird aus dem Privatsektor erwartet. Am letzten Klimagipfel rechnete Christiana Figueres, Generalsekretärin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), damit, dass in den nächsten 15 Jahren rund 90 Mrd. Dollar für saubere Technologien und Infrastrukturprojekte ausgegeben werden, wovon der grösste Teil aus privaten Investitionen stammen dürfte.

Auch die Internationale Energieagentur sagt voraus, dass bis 2020 annähernd 5 Billionen Dollar ausgegeben werden müssen, um den Temperaturanstieg in Grenzen zu halten.

 (swissinfo.ch)
(swissinfo.ch)

Einige Wirtschaftsführer zeigen sich von solchen gigantischen Zahlen unbeeindruckt. Daniel Rüfenacht, Vizepräsident des Genfer Warenprüfkonzerns SGS, ist der Meinung, dass die Unternehmen ihren Anteil bereits beisteuerten. Die Regierungen müssten aber mit dem Privatsektor zusammenarbeiten. "Die Pläne, welche die Staaten einführen werden, hängen von der Technologie und Innovation der Unternehmen ab."

Bertrand Gacon, Präsident der Vereinigung "Sustainable Finance Geneva", die von privaten Sponsoren, darunter vielen Banken, und vom Kanton unterstützt wird, hält fest, die für die Klimafinanzierung vorgesehenen Beträge sollten in einen Zusammenhang gestellt werden. "Was die Menschen für den Erwerb von Zigaretten ausgeben, ist mehr als das, was sie für das Klimaproblem ausgeben sollten."

"Die Zahlen sind nicht unerreichbar. Der Privatsektor leistet bereits zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Gelder, die im Kampf gegen den Klimawandel benötigt werden. Die Finanzmärkte wirken dabei teilweise bereits mit", sagt er.

Grüne Anleihen

Seit letztem Jahr ist der Markt für grüne Anleihen zur Finanzierung von Projekten, die positive Auswirkungen auf die Umwelt oder das Klima haben, schnell gewachsen und hat Neuemissionen von mehr als 40 Mrd. Dollar erreicht. Die Anleihen, die festverzinsliche Papiere sind, finanzieren ausschliesslich Projekte, die von erneuerbaren Energieträgern, verbesserter Energieeffizienz bis zu umweltfreundlicher Transport-Technologie reichen.

Grüne Anleihen entsprechen Laut Gacon zwar – gemessen am gesamten Finanzmarkt – immer noch einem Tropfen im Ozean, aber sie "fangen an, einen bedeutenden Geldbetrag auszumachen".

Deren Ausgabe bedeute, dass "es zum ersten Mal ein generelles, wirksames Produkt gibt, in das der private und öffentliche Sektor – Regierungen, Pensionskassen – investieren können". Nach dessen ursprünglicher Lancierung, die von der Weltbank unterstützt wurde, haben die grünen Anleihen einen höheren Entwicklungsgrad erreicht, der es den Investoren erlaubt, mehr darauf zu achten, wohin das Geld geht, als nur darauf, wer der Herausgeber ist.

Die Schweizer Grossbank Credit Suisse und die Zurich Versicherung haben beide eine aktive Rolle bei der Belebung des Marktes für grüne Anleihen gespielt. Im letzten Jahr, investierte Zurich 2 Mrd. Dollar in grüne Anleihen, obwohl das Unternehmen kürzlich für Aufsehen sorgte, als dessen Chef für verantwortungsvolles Investment sagte, dass es nicht ausgeschlossen sei, grüne Anleihen von Produzenten fossiler Brennstoffe zu kaufen. Die Bemerkung sorgte für neue Verunsicherung in Bezug auf die Frage, wie "Grüne Investitionen" zu definieren sind.

Impact Investments

Die Quadia AG, eine in Genf niedergelassene Investment-Verwaltungsfirma, ist eine von mehreren Firmen in der Schweiz, die sich auf einem anderen Gebiet des "Green Financing" spezialisiert haben: Impact Investments, die finanzielle Mittel für innovative Geschäfte zur Verfügung stellen.

Das Geschäftsmodell sei für Investoren sehr attraktiv, weil es nicht nur eine soziale und eine ökologische Wirkung habe, sondern auch wegen der finanziellen Performance mit hohen Erträgen und starker Portfoliodiversifizierung, sagt Gacon. Oft werde in Länder und Projekte investiert, die von der allgemeinen Finanz- und Investment-Community nicht abgedeckt würden.

Gacon, der auch Chef des Impact Investments bei der Privatbank Lombard Odier ist, sagt, dass sich die Banker noch stärker einem kulturellen Wandel anpassen und sich der vielen Vorteile der nachhaltigen Finanzierung bewusst werden müssten.

Ökologischer Fussabdruck

Externe Effekte, zu denen ökologische und soziale Kosten der Kohlenstoffnutzung gehören, könnten beim Investment ebenfalls miteinbezogen werden, genauso wie die Entwicklung einfacher Messmethoden des ökologischen Fussabdrucks, um das Verhalten der Investoren zu ändern. "Diese sollten verstärkt werden, wenn man all diese Ziele erreichen will", sagt Gacon.

Manche börsenkotierte Unternehmen hätten realisiert, dass ihr Ruf zunehmend davon abhänge, ob sie "das Richtige" täten, sagt Daniel Rüfenacht vom Warenprüfkonzern SGS. Sie achteten deshalb darauf, dass ihre Tätigkeiten und Investitionen den öffentlichen Anliegen bezüglich Klima und Menschenrechten entsprächen.

Stefan Marco Schwager vom Bundesamt für Umwelt warnt: "Niemand will nur Öko-Etiketten. Es ist wie mit den Waschmitteln, welche die gleichen Zutaten aber einen neuen Aufkleber haben".

Der Klima-Finanzspezialist des Umweltamts sagt, dass er auch positive Entwicklungen im Privatsektor beobachten könne, die von einem wachsenden Bewusstsein des Klimawandels bei den Konsumenten bewirkt würden, die wissen wollten, dass die Änderungen "schnell genug und gross genug" seien. "Die Diskussionen und Verhandlungen enden sehr oft beim Erbsenzählen, und es werden nette Berichte mit Bildern von Projekten produziert, die unterstützt wurden."


(Übertragung aus dem Englischen: Peter Siegenthaler), swissinfo.ch

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