Your browser is out of date. It has known security flaws and may not display all features of this websites. Learn how to update your browser[Schliessen]

Athen feiert Bernard Tschumis Akropolis-Museum




Am Samstagabend wurde in Athen das neue Akropolis-Museum des international tätigen Schweizer Architekten Bernard Tschumi eingeweiht. Unter den geladenen Gästen war auch der Schweizer Kulturminister Pascal Couchepin.

Der abtretende Bundesrat freute sich, dass ihn eine seiner letzten Auslandreisen nach Griechenland, in die Wiege der Kultur, geführt hat. Auch fühle er sich als Kulturminister geehrt, dass er an der Eröffnung des Akropolis-Museums, das mit dem Architekten Bernard Tschumi einen Schweizer Aspekt bekomme, dabei sein könne, erklärte er gegenüber swissinfo.ch.

Pascal Couchepin wollte seinen Besuch in Athen auch dazu nutzen, die Präsenz der Schweiz auf dem internationalen Parkett zu markieren und andere Minister zum Gedankenaustausch zu treffen, um so das Auslandnetz der Schweiz zu pflegen.

Der Schweizer Bundesrat war bei weitem nicht der einzige hohe Gast in Athen: Zur Einweihungsfeier des 130-Millionen-Euro-Neubaus waren Staats- und Regierungschefs aus mindestens 20 Ländern Europas und rund ums Mittelmeer eingeladen.

Schlicht und zeitgenössisch

Griechenland ist stolz auf sein neues Museum, auch wenn Planung und Realisierung elf Jahre gedauert haben und die Eröffnung mehrmals verschoben wurde.

Der griechische Kulturminister Antonis Samaras bezeichnet das Museum des schweizerisch-französischen Architekten Bernard Tschumi als ein "Schmuckstück". Und wenn es nach ihm geht, soll die Zeremonie am 20. Juni gar zu einem "Weltereignis" werden.

Das neue Museum am Fuss der Akropolis mit ihrem berühmten Parthenon-Tempel besteht aus drei Stockwerken und einer Fläche von 25'000 m2. Der hauptsächlich aus Glas und Stahl bestehende Bau bietet mehr als zehn Mal mehr Ausstellungsfläche als das alte Museum auf dem Akropolis-Hügel.

Antike Exponate in zeitgenössischem Bau

Er habe sich für einen minimalistischen und zeitgenössischen Bau entschieden, erklärte der Architekt gegenüber der Nachrichtenagentur sda. "Die ausgestellten Skulpturen müssen im Mittelpunkt stehen. Es darf nicht sein, dass sie mit dem Gebäude in Konkurrenz stehen."

Die Struktur ist aus Beton. Die Skulpturen reflektieren das Licht, der Beton absorbiert es. "Das macht die Skulpturen gut sichtbar und sehr schön", sagt Tschumi.

Beim Bau stand der Architekt vor verschiedenen technischen Herausforderungen, wie zum Beispiel dem Umgang mit der Hitze im Sommer und der Erdbebengefahr.

Mit kleinen, schwarzen Punkten, die im Glas eingelassen sind, soll die Kraft des Sonnenlichts reduziert werden, und zur Erdbebenprävention kam ein System zum Zug, das in Japan und Kalifornien angewendet wird.

Das Akropolis-Museums hätte bereits 2004 eingeweiht werden sollen, als die Olympischen Spiele in Griechenland stattfanden. Aber die Eröffnung wurde immer wieder verschoben, aus verschiedenen Gründen.

So wurden auf der Baustelle Mauern von Wohnhäusern aus der Antike entdeckt, es kam zu Problemen mit Nachbarn und langwierigen Gerichtsverfahren, und schliesslich war noch der komplizierte Transport der Exponate aus dem alten Museum in den Neubau zu bewältigen.

Direkter Blick zum Parthenon

Tschumi, schweizerisch-französischer Doppelbürger mit Architekturbüros in New York und Paris, hatte sich 2003 in einem internationalen Wettbewerb gegen namhafte Konkurrenten wie den US-Stararchitekten Daniel Libeskind durchgesetzt.

Vor allem mit seiner Idee, einen direkten Blickbezug zwischen dem Saal, in dem der Parthenon-Fries ausgestellt ist, und dem Parthenon auf dem Akropolis-Hügel selbst herzustellen, konnte er die Jury überzeugen.

Kulturgüterstreit mit Grossbritannien

Beim Parthenon-Fries handelt es sich um das Herzstück des Museums. Allerdings ist ein grosser Teil des Fries' in Athen nicht zu sehen. Denn anfangs des 19. Jahrhunderts hatte der damalige britische Botschafter in Istanbul die besten Elemente des Parthenons und andere Denkmäler der Akropolis demontiert und nach England gebracht. 56 der 96 Platten des Fries' befinden sich noch immer im Britischen Museum in London.

Grossbritannien hat bisher stets argumentiert, in Athen gebe es keinen geeigneten Aufbewahrungsort für die Relikte. Dieser Mangel sei mit dem neuen Museum nun behoben, meinen die Griechen. Und Bernard Tschumi geht davon aus, dass die Platten dereinst nach Athen zurückkehren werden.

Bis dann werden die fehlenden Teile als verschwommene Hologramme und Kopien aus weissem Marmor im Museum ausgestellt sein und so an die fehlenden Originale erinnern.

Und auch die pompöse Eröffnungsfeier des Museums darf als Druckmittel Griechenlands an die Adresse Grossbritanniens verstanden werden, den antiken Parthenon-Fries endlich zurückzugeben.

Gaby Ochsenbein, swissinfo.ch

Bernard Tschumi

Er wurde 1944 in Lausanne geboren.

Seine Ausbildung zum Architekten absolvierte er an der ETH in Zürich.

Später unterrichtete er in London, Princeton und New York.

Tschumi betreibt Büros in New York und Paris.

Das Museum of Modern Art in New York ehrte den schweizerisch-französischen Doppelbürger 1994 mit einer Sonderausstellung.

Zu Tschumis wichtigsten Werken zählen der Parc de la Villette in Paris (1982) und der "Blue Tower" in Manhattan (2009).

In der Schweiz baute er für die Genfer Uhrenmanufaktur Vacheron Constantin (2004). Er realisiserte auch den Bahnhof Flon in Lausanne (2008) und die Ecole cantonale de Lausanne (2007).

Akropolis

Die Bezeichnung "Akropolis" setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern "akros" (über) und "polis" (Stadt) zusammen.

Die Akropolis in der Hauptstadt Athen liegt 155 Meter über Meer und ist das wichtigste Wahrzeichen Griechenlands.

Die meisten Gebäude, die noch auf der Akropolis vorhanden sind, stammen aus dem 5. bis 2. Jh. v. Chr.

Der unter dem Namen Parthenon bekannte Athena-Tempel ist das berühmteste Gebäude der Hügelanlage.

Die Akropolis in Athen ist seit 1986 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.



Links

×