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Landwirtschaft 4.0 Weniger ist mehr: Roboter dosiert Einsatz von Pestiziden

Tracteur dans un champ de salades

Aus der Vogelperspektive sieht alles aus wie immer. Die Erfindung - der Pflanzenschutzroboter - liegt auf Bodenhöhe unter dem Traktor versteckt.

(KEYSTONE / ANTHONY ANEX)

Eine Landwirtschaft ohne Pestizide? Nur wenige Bauern glauben daran. Es gilt aber die Gifte möglichst sparsam einzusetzen. Genau das tut ein neuer Roboter.

Galmiz: Der Ort liegt im Herzen des Seelandes, einer Region, in der die Kantone Freiburg, Waadt und Bern aufeinandertreffen. Das ehemalige Sumpfgebiet ist heute der Gemüsegarten der Schweiz. Ein Viertel des im Inland produzierten Gemüses stammt von dort.

Ungewöhnlich viele Personen befinden sich heute auf einem der Salatfelder von Thomas Wyssa: Neben Fach- und Lokaljournalisten stehen Vertreter des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) und anderer Produzenten sowie der Forschungsinstitute Agroscope (Bund), Grangeneuve (Kantone) und FiBL für biologische Landwirtschaft zwischen den Salatköpfen.

Der Traktor, zwischen dessen Rädern vier Reihen Salatköpfen liegen, ist mit einer in der Schweiz noch wenig bekannten Maschine ausgestattet. Aus den Niederlanden stammend, ist dieser Unkrautvernichter eine der Lösungen der Zukunft für einen umweltfreundlicheren Gemüseanbau.

Mikrodosis pro Salat

Gesteuert von einem Bildschirm in der Traktorkabine und ausgestattet mit Bodenerkennungskameras, arbeitet die Maschine äusserst effizient. Während scharfe Messer das Unkraut schneiden, geben die Düsen auf jeden Salat (und nicht daneben) die notwendige Mikrodosis (und keinen Tropfen mehr) Flüssigkeit ab.

Momentan befindet sich die Maschine in der Testphase und begnügt sich damit, Wasser zu sprühen. Das Ergebnis ist überzeugend. Auf einem Band von 1,5 Meter Breite und 100 Meter Länge spritzt sie nur 0,9 Liter Flüssigkeit. Im Vergleich: Für einen Sprühstrahl über die ganze Bandbreite werden 2,5 Liter benötigt, 9 Liter sind es für einen "blinden" Sprühstrahl über das gesamte Feld. Ganz zu schweigen von der Versprühung per Flugzeug oder Helikopter, die in der Schweiz allerdings nicht sehr verbreitet ist.

"Das ist erst ein Anfang. Wir hoffen, dass sich die Zahl mit der Weiterentwicklung und der Gewissheit, dass die Ergebnisse positiv sind, in den nächsten zwei bis drei Jahren vervielfachen wird", sagt VSGP-Direktor Jimmy Mariéthoz. "Wir spüren ein wachsendes Interesse", bestätigt Wyssa. Vor 25 Jahren, als er mit dem gezielten Sprühen begann, habe niemand etwas davon wissen wollen. "Aber jetzt kommt jeder, um sich diese neue Technologie anzusehen." Der Gemüsegärtner lacht: "Gemüseerntende Roboter werden wir kaum bereits morgen in den Feldern sehen."

Zweimal Nein

Wyssa und seine Kollegen erwähnen beiläufig, dass sie gegen die beiden Volksinitiativen "Für sauberes Trinkwasser und gesunde Ernährung" und "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide" sind. Sie selber produzieren bereits weitgehend biologisch und finden, dass die Ziele der beiden Texte zwar lobenswert, aber die empfohlenen Mittel dafür zu radikal seien. "Niemand behandelt seine Pflanzen zum Vergnügen", sagt Mariéthoz. Es gehe einzig darum, Krankheiten und Schädlinge zu bekämpfen und die Qualität des Produkts zu garantieren.

Roboter "swiss made"

Der Einsatz von Robotern in der Landwirtschaft ist eine Sache, deren Herstellung im eigenen Land eine andere. In Yverdon-les-Bains im Kanton Waadt entwickelt Ecorobotixexterner Link seit 2011 kleine, autonome, solarbetriebene Maschinen auf Rädern, die Unkräuter erkennen und diese effizient, ökonomisch und ökologisch mit Herbizid-Mikrodosen vernichten.

Im Jahr 2016 konnte das Start-up zunächst drei Millionen Schweizer Franken aufbringen. Ende Mai gab es bekannt, dass mehr als zehn Millionen für die zweite Phase zusammengekommen sind, in der Ecorobotix zu einem internationalen Handelsunternehmen werden will. Die Mittel stammen aus Investitionsfonds, die sich auf Landwirtschaft und Innovation konzentrieren.

Das kleine Schweizer Unternehmen zielt auf nichts Geringeres als den globalen Unkrautbekämpfungsmarkt, der mehrere Milliarden Dollar wert ist.

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(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)

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