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COP21, den Jungen das Wort

Die Klima-Konferenz in Paris wird die Zukunft der kommenden Generationen entscheidend beeinflussen. Im Blog auf swissinfo.ch kommentieren einige Mitglieder des Vereins "Swiss Youth For Climate", die an der COP21 dabei sind, den Verlauf der Verhandlungen und teilen ihre Überlegungen mit.

Die Jugend und das Klima - Blog von swissinfo.ch

13.12.2015, 15:45

Das Ende des Anfangs

Es ist soweit, es ist geschafft! Nach einer fast endlosen Wartezeit konnte Laurent Fabius mit dem eigens für diesen Moment geschaffenen kleinen Hammer auf den Tisch klopfen – die Annahme des Abkommens von Paris war damit offiziell erfolgt. Ein historischer Moment im Kampf gegen den Klimawandel.

Und nun? Jetzt fängt das Schwierigste erst an. Die Herausforderungen sind vielfältig, angefangen mit der Umsetzung des Pariser Abkommens. Die Industriestaaten werden ihre Verantwortung übernehmen müssen, mit gutem Beispiel vorangehen – und vor allem den Entwicklungsländern beim Klimaschutz und den Anpassungen an Klimafolgen helfen müssen.

Noch wurde für die Frage der Klimafinanzierung keine klare Antwort gefunden. Die 100 Milliarden Dollar pro Jahr, die bis 2020 zusammen kommen müssen, sind eine Schwelle (und keine Decke) – was positiv ist, doch blieb die Herkunft der Gelder bisher vage. Und der Mechanismus zum Umgang mit Klimaschäden, zu denen es trotz allem kommen wird, ist noch nicht klar definiert.

Wir müssen handeln, und zwar rasch. Wie Nicaragua in Erinnerung gerufen hat, führen die bisher zugesagten nationalen Emissionsziele zu einer Erwärmung um mehr als drei Grad Celsius, und sie lassen den am meisten bedrohten Ländern praktisch keine Chance. Der Mechanismus für eine Überprüfung dieser Emissionsziele alle fünf Jahre ist ein Erfolg dieser COP21. Er muss dazu führen, dass wir unsere Ambitionen erhöhen und den Kurs ändern, um einen Weg einzuschlagen, der es möglich machen wird, dass die globale Erwärmung nicht um mehr als 1,5 Grad ansteigen wird.

Das – nicht bezifferte und sehr vage – Ziel der Reduktion der globalen Emissionen ist eine notorische Schwäche. Denn um unter dem Wert von 1,5°C zu bleiben, müssten unsere Treibhausgas-Emissionen bis ins Jahr 2025 um 80% gesenkt werden. Und dies erfordert eine totale Abkehr unserer Wirtschaft von Kohlestoffen. Die neuen Technologien werden helfen, aber sicher nicht alle Probleme lösen können. Es muss Schluss sein mit den pharaonischen Subventionen für fossile Energien, stattdessen müssen die erneuerbaren Energien unterstützt werden.

Dieser 12. Dezember 2015 ist denn auch kein Ziel an sich, sondern die Grundlage, auf der wir eine neue Ära, jene der Nachhaltigkeit, aufbauen müssen.

David Tschan (Delegation COP21 Swiss Youth for Climate) und Océane Dayer (Präsidentin von Swiss Youth for Climate)

11.12.2015, 11:15

Fragile Ambition


COP-Präsident Laurent Fabius. (Keystone)

COP-Präsident Laurent Fabius.

(Keystone)

Die Ambition. Ein Begriff der in Paris viel Gewicht bekommen hat. Schon vor der COP21, aber vor allem während der Konferenz, war das Stichwort klar: Das Abkommen, das verabschiedet wird, muss ambitiös sein.

Ziemlich unerwartet, gab es einen Schub, um die Limite auf 1.5 Grad Celsius, statt auf 2 Grad zu setzen. Den Vorschlag eingebracht haben die kleinen Inselstaaten, die besonders anfällig für die globale Erderwärmung und den Anstieg des Meeresspiegels sind. Der Vorschlag fand zunehmend Unterstützung, auch von den Industrieländern.

In der Frage der Finanzierung gibt es zwar noch keine Einigkeit, aber es gibt einen Konsens über die Notwendigkeit eines ehrgeizigen langfristigen Ziels. Am Mittwoch wurde die "High Ambition Coalition" gegründet. (siehe Beitrag von gestern) Auch die Schweiz hat sich der Koalition angeschlossen.

Der steigende Optimismus hat gestern Abend bei der Vorstellung des neuen Textentwurfs einen grossen Dämpfer bekommen. Darin ist zwar das Ziel von "deutlich unter 2 Grad Celsius" enthalten und es ist die Rede von "weiteren Anstrengungen zur Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad", doch für das Erreichen des Ziels braucht es einen Plan dazu, wie und bis wann die Emission von Treibhausgasen reduziert werden muss. Und das fehlt im neuen Text.

Gemäss dem Artikel 3.1, der die Emissionsreduktionsziele enthält, müssen jetzt "die Spitzen der Emissionen so schnell wie möglich" erreicht und dann "schnell reduziert werden, um die Neutralität der Emissionen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts." zu erreichen. Diese rein qualitativen Definitionen bergen das Risiko, dass sie je nachdem, in welchem Land sie angewendet werden, sehr hohl tönen. Der neue Text ist definitiv eine fragile Grundlage für ein ambitioniertes Abkommen.

David Tschan, Delegation COP21 Swiss Youth for Climate

Bundesrätin Doris Leuthard zu den Ambitionen am Klimagipfel.

10.12.2015, 15:51

"Die neuen Erlöser?"

Die letzte Frist rückt näher, Delegierte und Minister verbringen jetzt ihre Tage, Abende und teilweise auch Nächte, um an der sehnlichst erwarteten Vereinbarung zu feilen. Trotz der Bemühungen enthält der von der französischen Präsidentschaft vorgeschlagene Text noch eine Menge Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien.

An einer Pressekonferenz haben wir erfahren, dass es eine Koalition gibt, die zum Ziel hat, den potenziellen Engpass bei den Verhandlungen zu verhindern. Die " high ambition coalition", zu der sich die Europäische Union, die USA, Mexiko, Norwegen und mehrere afrikanische, pazifische und karibische Länder zusammengeschlossen haben, will Druck machen, damit sich die Konferenz von Paris auf ein ambitioniertes Abkommen einigt.

Tony de Brum, der Aussenminister der Marshallinseln, der dieser Gruppe vorsteht, sagte: "Wir werden kein minimales oder inhaltsleeres Abkommen akzeptieren."

Auch wenn das neue Bündnis ein positives Zeichen darstellt, herrscht im Plenum leider noch keine Einigkeit, denn dort sind zahlreiche Meinungsverschiedenheiten noch nicht ausgeräumt. Wir müssen also auf den nächsten vorgeschlagenen Text warten, um zu wissen, ob die "neuen Erlöser" in der Lage sein werden, den blockierenden Versuchen anderer (OPEC, Golf-Kooperationsrat, etc.) entgegenzuwirken.

Definitiv klar ist, dass es noch lange Nächte und Diskussionen braucht, um ein ambitioniertes Abkommen zu erreichen.

Baudouin Noez, Delegation COP21 Swiss Youth For Climate

9.12.2015, 08:15

Aus unserem Alltag in Le Bourget

"Morgenstund hat Gold im Mund". Um 6:oo Uhr früh ist Tagwache. Dann geht es ab mit der Metro zu den Verhandlungen auf dem Messegelände "Le Bourget" ausserhalb der Stadt. Es reicht gerade noch einen ersten Kaffee zu schnappen, bevor um 7:50 das regelmässige Treffen mit "Youngo", einer Plattform für Jugendorganisationen, stattfindet.

An diesen Treffen können wir uns mit anderen Jungen aus aller Welt in Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen zusammenschliessen und austauschen.

Heute haben wir uns an zwei Aktionen beteiligt zur Dekarbonisierung bis 2050 und für einen Verweis auf intergenerationelle Gerechtigkeit im Abkommen. Dieser Verweis war zuvor aus Artikel 2 herausgefallen und soll nun wenigstens in der Präambel erhalten bleiben. Einige Delegierte zeigten sich interessiert, machten Fotos und unterhielten sich mit uns.

Auf nationaler Ebene nehmen wir regelmässig an Treffen mit der Schweizer Delegation teil. Diese sind nicht selbstverständlich, wie wir hören. Vertreter aus den USA zum Beispiel können ihre Delegationen nicht persönlich treffen und ihre Anliegen anbringen. Am gestrigen Treffen hatten wir die Möglichkeit, unsere Fragen Bundesrätin Doris Leuthard gleich persönlich zu stellen.

Um die jungen Leute in der Schweiz zu erreichen und Medienaufmerksamkeit zu erhalten, legen wir neben dem Lobbying einen starken Fokus auf die Kommunikation. Wir sind aktiv in den sozialen Medien, auf Facebook und Twitter, sowie in Blogs wie diesem. Wir geben Interviews oder organisieren Pressekonferenzen. Soweit läuft diese Arbeit ziemlich erfolgreich und motiviert uns.

Die Atmosphäre vor Ort ist sehr dynamisch. In den Gängen und Hallen herrscht emsiges Treiben: Hunderte von Menschen aus aller Welt verhandeln, unterhalten sich, schreiben, twittern, bedienen Stände, verteilen Schokolade, rufen aus für Gerechtigkeit und eilen von einem Event zum nächsten.

Besonders in dieser zweiten Woche dauern die Treffen bis tief in die Nacht hinein. Die Verhandlungen gehen in die letzte Runde, die Staaten legen ihre Karten auf den Tisch. Swiss Youth for Climate hat hier Fuss gefasst und gibt diese Woche in Paris noch einmal alles.

Xenia Keller, "Swiss Youth for Climate" COP21 Delegation

8.12.2015, 08:41

Im Namen der sakrosankten Wirtschaft

Hauptsache grün: Die Wirtschaft hat für Paris den grünen Mantel angezogen. (Keystone)

Hauptsache grün: Die Wirtschaft hat für Paris den grünen Mantel angezogen.

(Keystone)

Nun sind wir also schon auf der Zielgeraden. Nach den schönen Reden der Staatschefs, nach einer Woche mühsamer Verhandlungen unter Führung der "Ko-Vorsitzenden" haben nun die Minister übernommen. Auf dem Papier sind sie gekommen, um über das Klima zu sprechen. Schliesslich sind sie fast alle "Umweltminister", "Naturschutz-Minister" oder "Minister für Klimawandel". Für die Schweiz verantwortlich ist Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Doch es ist klar, dass die Wirtschaft im Mittelpunkt der Debatte bleibt. Die Frage der Klimafinanzierung ist immer noch nicht geregelt. Die Entwicklungsländer wollen sicher sein, dass der Mechanismus zur Mässigung und Anpassung, finanziert durch die Industrieländer – er soll bis 2020 jedes Jahr 100 Milliarden Dollar betragen –,nach diesem Datum ansteigen soll.

Die Industrieländer streiten darum, wer wieviel auf den Tisch legen soll. Und Saudi-Arabien, dessen Wirtschaft fast ausschliesslich auf Erdöl basiert (und das durch seinen Erdöl-Minister vertreten wird), setzt alles daran, um die Verhandlungen zu verlangsamen.

Ausserhalb der Konferenzsäle stellt man das gleiche fest. Die öffentliche Ausstellung "Lösungen COP21" im Herzen des Pariser Stadtzentrums, riecht nach "Greenwashing". Unternehmen wie Engie, Veolia oder Coca Cola machen grossmundig und mit griffigen Slogans Werbung für ihre "grünen" Lösungen, ihre neuen, aufsehenerregenden Technologien… und viel Geld! Gewisse Firmen haben bis zu 250'000 Euro für ihre Stände ausgegeben. Doch hinter diesem grünen Schaufenster stehen Investitionen, die alles andere als ökologisch sind, zum Beispiel die dreissig Kohlekraftwerke, die Engie besitzt.

Die nachhaltige Entwicklung, sagt man, basiert auf drei Pfeilern: Wirtschaft, Sozialem und Umwelt. Einige scheinen allerdings stärkere Unterstützung zu haben als andere.

David Tschan, "Swiss Youth for Climate" COP21 Delegation

7.12.15, 09:45

Sie sprechen von Transparenz?

Nach Halbzeit der COP21 schwebt über Paris die Furcht vor einem Scheitern der Konferenz.  (Keystone)

Nach Halbzeit der COP21 schwebt über Paris die Furcht vor einem Scheitern der Konferenz. 


(Keystone)

Der Text, der den Ministern als Verhandlungsbasis dient, wurde der französischen Präsidentschaft übergeben. Er enthält noch immer eine ganze Menge an heiklen Punkten. Noch ist der Ausgang unsicher.

In den Gängen von Bourget schwebt der Geist von Kopenhagen, die Angst vor einem Scheitern. Kommen die Verhandlungen rasch genug voran? Zeichnen sich gemeinsame Nenner ab?

Auf diese Fragen zu antworten, ist schwierig, denn wir werden von den meisten Verhandlungen auf Abstand gehalten. An der letzten Vorbereitungskonferenz in Bonn war die Zivilgesellschaft in den Sälen nicht zugelassen.

Die Präsenz der Zivilgesellschaft, die von den Entwicklungsländern verteidigt, von den Industrieländern hingegen angeprangert wird, ist jedoch fundamental.

Die Zivilgesellschaft ist zuallererst einmal eine Art Sicherheitsmassnahme. Ist sie vor Ort, so zeigt die Bevölkerung, meistens die eigene, mit dem Finger auf die Regierungen, die nicht vorwärts machen. So stand die norwegische Delegation, die sich weigerte, die Menschenrechte in den Zielen des Abkommens zu erwähnen, auf den Frontseiten zahlreicher nationaler Zeitungen. Und das Verhalten Saudi-Arabiens wird tagtäglich kritisiert.

Zudem ist die Zivilgesellschaft eine Unterstützung für die kleinen Delegationen, deren Mittel beschränkt sind. Letztere verlassen sich häufig auf deren Expertisen (rechtlich und strategisch), damit sie auf Verhandlungs-Niveau bleiben. Ausserdem können dank dem Zugang zur Zivilgesellschaft Missverständnisse und Gerüchte über ein Scheitern vermieden werden. Denn falsch dargestellte Informationen sind für die Arbeit der Unterhändler sicher nicht förderlich.

Schliesslich und in erster Linie erinnern wir die Regierungen tagtäglich daran, dass es auch ausserhalb von Bourget eine Realität der Welt gibt, über deren Zukunft sie verhandeln.

Die hochpolitisierten Worte und Zahlen sind für jene bereits Realität, die ihr Land unter Wasser versinken oder wegen der Dürre rissig werden sehen - dies im Schatten von Millionen von Klimaflüchtlingen, die sich abzeichnen.

Océane Dayer, Präsidentin von "Swiss Youth for Climate"

6.12.15, 14.00

Gerechtigkeit muss von Herzen kommen

Gerechtigkeit : Der Grundsatz, nach welchem alle Personen das Recht haben, gerecht und angemessen behandelt zu werden.

Dieser Grundsatz ist das Herzstück der Klimaverhandlungen. Auf dem Gelände von Bourget gibt es sicher ebenso viele unterschiedliche Wahrnehmungen von Gerechtigkeit wie Personen, die über den Entscheid, fleischlose Sandwiches anzubieten, enttäuscht sind.

Für die Industrienationen geht es wohl eher darum, einen gerechten Verteilschlüssel bei den Zielen zur Reduktion von Treibhausgas zu finden. Die Entwicklungsländer hingegen suchen vor allem nach einem gerechten Weg, um bei der Verantwortung für die Verluste und Schäden im Zusammenhang mit der Klimaveränderung eine Entscheidung herbeizuführen. Vermutlich wird es keinen Kompensationsmechanismus geben. Die Schweiz hat sich insbesondere dagegen ausgesprochen.

Auch wenn das Abkommen von Paris auf der Ebene der Differenzierungen zwischen den Ländern nicht gerecht ist, sollte es wenigstens für die Bevölkerung gerecht sein. Genau dafür setzen sich die zahlreichen NGOs ein, die befürchten, dass die Anführung der Menschenrechte aus Artikel 2 verschwinden wird.

Dem Grundsatz der intragenerationellen Gerechtigkeit steht die intergenerationelle Gerechtigkeit gegenüber. Damit ist gemeint, dass heutige und künftige Generationen die gleichen Rechte haben. Dieser Grundsatz erscheint zu ersten Mal etwas  zaghaft in der Präambel des Textes zum Pariser Abkommen.

Doch die Herausforderungen an die Gerechtigkeit  gehen weit über Worte in einem Abkommen hinaus. Die eigene Vertretung innerhalb von Entscheidungsprozessen ist von höchster Wichtigkeit. Die von der Klimaveränderung  am stärksten betroffenen Menschen  sind zugleich die Ärmsten auf unserem Planeten. Wie können deren Interessen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gelenkt werden? Zahlreiche NGOs beschäftigen sich mit diesen besonders verletzlichen Bevölkerungssegmenten.

Doch wer wird sich hier für die Interessen meiner künftigen Kinder oder Enkelkinder einsetzen, deren Leben für immer von den Folgen der Klimaveränderung geprägt ist? Ich wage zu behaupten, dass diese sich stärker über unsere obsessive Nutzung von fossiler Energie empören werden als über unseren Gebrauch von Facebook.

Die Einsetzung von speziellen Vertretern der künftigen Generationen innerhalb der Strukturen der UNO ist eine Möglichkeit für deren Interessen einstehen können. Doch dazu müssten sie während den Verhandlungen ihre Meinung kundtun können.  Sollten nicht die Jugendorganisationen dem Ruf folgen?

Lydie-Line Paroz, Délégation COP21 Swiss Youth for Climate

5.12.15, 11.30

Werden wir gehört?

Die Folgen des Klimawandels, die bereits heute spürbar sind, werden in Zukunft bedeutend zunehmen. Das heisst für uns und alle kommenden Generationen, dass wir von den Auswirkungen stark betroffen sein werden. Stärker als die meisten Minister und Delegationsmitglieder, welche das Pariser Abkommen im Moment aushandeln. Nun müssen wir uns fragen, wie wir den Prozess und die Verhandlungen an der Klimakonferenz in Paris beeinflussen können. Denn wir wollen Einfluss nehmen, um unsere Zukunft nachhaltig und lebenswert zu gestalten.

Viele unserer Bemühungen bleiben allerdings ohne Wirkung. Wenn wir unsere Meinung kundtun, sei es in sozialen Medien oder durch Protestaktionen im Le Bourget, dem Verhandlungsgelände, erreichen wir kaum die richtigen Personen. Und wenn wir direkt mit den Delegationen sprechen, sind diese fast immer an Mandate ihrer Länder gebunden und können nicht von ihrer Position abweichen.

Was sollen wir also tun? Zugegeben, es kann frustrierend sein. Das Gefühl zu haben, nicht gehört zu werden. Die COP21 bietet aber auch viel Inspiration. Zum Beispiel an einem Vortrag durch den ehemaligen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, Al Gore:

«Fakt ist, dass in allen grossen sozialen Reformbewegungen, welche die Welt gesehen hat, junge Leute eine Vorreiterrolle eingenommen haben».

Genau deshalb werden wir nicht nachgeben. Wir dürfen nicht nachgeben. Weil es sich hier um einen Prozess handelt, um eine soziale Reformbewegung, und weil nur steter Tropfen den Stein höhlt. Allein am Freitag haben wir uns an der Planung einer Aktion beteiligt um zu zeigen, dass wir ein ambitioniertes langfristiges Ziel brauchen um die kommenden Generationen zu schützen. Wir haben zum dritten Mal diese Woche an einem Treffen mit der Schweizer Delegation unsere Prioritäten aufgezeigt. Und wir haben uns an vier verschiedenen Sitzungen mit Jugendlichen aus aller Welt zusammengetan, um weitere Schritte in Angriff zu nehmen. Weitere Schritte, um eine Reform einzuläuten - vielleicht schon hier in Paris.

Felix Weber, Swiss Youth for Climate COP21 Delegation

4.12.2015, 11:07

Stunde der Wahrheit für das Klima

Besonders in den Riesenstädten Chinas leiden die Bewohnerinnen und Bewohner unter gesundheitsschädigendem Smog. Jüngst war die Hauptstadt Peking betroffen. (swissinfo.ch)

Besonders in den Riesenstädten Chinas leiden die Bewohnerinnen und Bewohner unter gesundheitsschädigendem Smog. Jüngst war die Hauptstadt Peking betroffen.

(swissinfo.ch)

Den Verhandlungsteilnehmern bleibt nicht mehr viel Zeit, um an der COP21 einen Text vorzuschlagen, der sich möglichst nahe am Konsens befindet. Im Moment bestehen immer noch beträchtliche Differenzen. Aus unserer Sicht muss ein ehrgeiziges Abkommen quantitative Zielvorgaben zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen enthalten.

Dafür liegen zwei Optionen auf dem Tisch: Die Dekarbonisierung (das Ende der Emissionen aus fossilen Energieträgern) und die Klimaneutralität (Kohlenstoff-Speicherung in gleicher Höhe wie der Ausstoss). Nur die erste Option garantiert das Aussenden einer klaren Botschaft: Das Ende der Ära der fossilen Energieträger steht bevor.

Man nähert sich der Klimaerwärmung von maximal 2°C an, dem anerkannten Schwellenwert, der nicht überschritten werden darf. Anerkannt? Tatsächlich sind sich die Staaten in diesem Punkt nicht einig. Hinter den Zahlen verbirgt sich aber eine menschliche Realität gewaltigen Ausmasses, wie sie bisher kaum gesehen wurde: Eine Erwärmung von +2° wäre genug, um kleine Inselstaaten von der Landkarte verschwinden zu lassen. Ist die Mehrheit der Länder bereit, ein solches Schicksal zu akzeptieren? Im Text figuriert darum eine andere Zahl: der Schwellenwert von 1.5° Klimaerwärmung.

Die Unterscheidung betreffend der Verantwortung von entwickelten Ländern und jenen, die auf dem Weg dorthin sind, stellt zweifellos das schwierigste und das ausgeprägteste systemische Problem dar. Denn dieses ist sehr eng mit der Frage der Klimafinanzierung verknüpft. In Paris wie andernorts geisselt die Zivilgesellschaft die Heuchelei der Industriestaaten, welche die fossilen Brennstoffe immer noch mit Milliardenbeiträgen subventionieren.

Im Abkommen sind immer noch über 250 Punkte offen. Die Moderatoren der Verhandlungen drängen auf Kompromisse, die teils zu kurz greifen. Wie auch immer – im diplomatischen hin und her sind zwei Stunden gewonnen.

Die Zeit drängt. In der nächsten Woche übernehmen die Minister der ganzen Welt den Verhandlungsstab. Sie verfügen über mehr Verhandlungsspielraum und können leichter Kompromisse machen. Doch in den Schlussrunden des Aushandelns können die Diskussionen auf Ministerebene zu Entscheidungen in letzter Minute führen. Das könnte auch heissen, dass wesentliche Punkte aus dem Abkommen fallen. Deshalb ist es jetzt Zeit für Kompromisse. 

Lydie-Line Paroz, Delegierte von COP21 Swiss Youth for Climate
 

3.12.2015, 08:30

Was haben Menschenrechte im Klimaschutz zu suchen?

Hochkarätige Verhandlungspartner: Der indische Premier Narendra Modi mit den Staatspräsidenten François Hollande (Frankreich) und Barack Obama (USA). (Keystone)

Hochkarätige Verhandlungspartner: Der indische Premier Narendra Modi mit den Staatspräsidenten François Hollande (Frankreich) und Barack Obama (USA).

(Keystone)

Heute möchten wir mit einer kleinen Anekdote aus dem Alltag der Klimaverhandlungen in Paris beginnen. Am 1. Dezember hat Norwegen beantragt, den Artikel 2.1 über den Zweck des Pariser Abkommens vollständig zu ersetzen. Die Alternative war stark verkürzt und liess jegliche zuvor vorhandene Referenz auf Menschenrechte vermissen – ein Albtraum für die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die den Prozess begleiten und beobachten.

Als sich jedoch Kanada am 2. Dezember in den Verhandlungen für die Verankerung von Menschenrechten im Abkommen einsetzte, keimte in der Zivilgesellschaft wieder Hoffnung auf. Das Auf und Ab in diesem sensiblen Thema wird in den folgenden Tagen bestimmt seine Fortsetzung finden.

Dass Menschenrechte wie Geschlechter- oder Generationengleichheit in internationalen Abkommen ausserhalb des Bereichs der Menschenrechte einen schweren Stand haben, erstaunt nicht. Weil die Verhandlungen auf Konsensbasis geführt werden, müssen alle Parteien dem Text zustimmen. Jedem Wort.

Findet sich dabei wegen der Opposition einer Partei kein Konsens, ist die Verhandlung blockiert. Gerade bei Menschenrechten ist die Konsensfindung besonders schwierig. Denn einerseits divergieren die Meinungen zur Interpretation von Menschenrechten bei den Parteien stark, andererseits sind viele Parteien der Ansicht, dass ein Klimaabkommen keine Nebengeräusche wie Menschenrechte braucht.

Menschenrechte? Nebengeräusche? Wohl kaum. Klimaschutz und Menschenrechte sind eng ineinander verflochten. Berücksichtigen wir dieses Zusammenspiel im Abkommen, können wir Zielkonflikte vorhersehen und entsprechende Lösungen finden. Oder wollen wir Zwangsumsiedlungen wegen Aufforstung im Namen des Klimaschutzes? Wasserknappheit wegen landwirtschaftlicher Bewässerung? Ungleiche, instabile Klimabedingungen für kommende Generationen, welche die Verhandlungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht beeinflussen können?

Nein, wir wollen das nicht verantworten. Wir wollen ambitionierten Klimaschutz für alle – im Einklang mit den Menschenrechten.

Felix Weber, "Swiss Youth for Climate"-COP21 Delegation

2.12.2015, 08:51

Ein Abkommen mit vielen Klammern

Man spricht oft von der COP21, doch hier in Bourget findet auch das Treffen verschiedener Organe des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) statt, darunter auch der Arbeitsgruppe der Plattform von Durban für verstärkte Aktion (ADP).

Diese Gruppe ist seit vier Jahren daran, das Abkommen von Paris vorzubereiten. Doch sie ist in verschiedene Kontaktgruppen aufgeteilt, die sich ihrerseits in informellen Sitzungen unterteilt haben und informell informelle Treffen abhalten…

Das Ziel? Möglichst rasch mit den Verhandlungen voranzukommen und der COP21 bereits Ende dieser Woche einen Text vorzuschlagen, der möglichst nahe bei einem Konsens liegt.

Am 1. Dezember hat sich eine Kontaktgruppe des ersten Teils des COP21-Entscheids angenommen, der die Verabschiedung des Abkommens von Paris betrifft. Dieser Artikel stellt die Frage nach der juristischen Form: Ein Protokoll (und damit rechtsverbindlich)? Die Länder sind sich darüber nicht einig.

Tuvalu, eines jener Länder, die am meisten anfällig für die Folgen des Klimawandels sind, hat dem Artikel 17 des UNFCCC einen Hinweis hinzugefügt, der vorsieht, dass die Parteien die Protokolle übernehmen sollen.

Funafuti, die Hauptstadt von Tuvalu. Angesichts des unerbittlichen Anstiegs des Meeresspiegels verlassen die Bürgerinnen und Bürger des polynesischen Ministaats nach und nach ihre Inseln. (Keystone)

Funafuti, die Hauptstadt von Tuvalu. Angesichts des unerbittlichen Anstiegs des Meeresspiegels verlassen die Bürgerinnen und Bürger des polynesischen Ministaats nach und nach ihre Inseln.

(Keystone)

Die USA fühlen sich mit diesem Vorschlag äusserst unwohl, Saudi-Arabien interveniert andauernd mit Bemerkungen zur Vorgehensweise der Verhandlungen, um den Prozess so stark wie möglich zu verlangsamen.

Schliesslich fand sich die Gruppe wieder, mit acht zusätzlichen Klammerbemerkungen (jene Teile des Textes, über die kein Konsens besteht, werden in Klammern gesetzt) und drei neuen Ergänzungen des Textes. Und auch die Kontaktgruppe für die Eingangsformel und den 2. Artikel machte keine grossen Fortschritte, auch wenn die Sitzung fast bis um Mitternacht dauerte.

Wir bleiben aber zuversichtlich und hoffen, dass der Zeitdruck nicht nur zu halben Zielen führen wird.

Océane Dayer, Präsidentin von "Swiss Youth for Climate"

1.12.2015, 08:55

Der Gipfel der Ambitionen

Die Weltklimakonferenz COP21 wurde mit Ansprachen der Staats- und Regierungschefs eröffnet. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga versicherte, dass die Schweiz an vorderster Front gegen die Klimaveränderungen antrete. Grosse Ambitionen für unser Land, also. Allerdings ist die Zivilgesellschaft an der COP21 nicht ganz dieser Meinung.

Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaften halten der Schweiz vor, sie wolle das Problem von Verlusten und Schäden aufgrund des Klimawandels nicht in einem spezifischen Paragraphen des Pariser Abkommens festhalten.

Simonetta Sommaruga erklärte zudem, die Schweiz sei gekommen, um ein verpflichtendes, dynamisches und gerechtes Abkommen zu verhandeln, das es ermögliche, die Klimaerwärmung gut unter zwei Grad zu halten. Um dies zu erreichen, sei ein globales und langfristiges Ziel der Reduktion von Emissionen nötig.

In diesem Sinn hat das Climate Vulnerable Forum (CVF), eine Koalition von den Auswirkungen des Klimawandels besonders ausgesetzten Ländern, am 30. November die Manila-Paris-Deklaration angenommen. Darin wird die totale "Entkarbonisierung" der Welt gefordert, null Treibhausgas-Ausstoss und 100% erneuerbare Energien bis 2050. Mit dem Ziel, den Anstieg der Temperatur unter 1,5 Grad zu halten. Wenn auch lobenswert, wird diese Vision wohl von einer Vielzahl der Länder zurückgewiesen.

Die Bundespräsidentin erinnerte schliesslich daran, dass wir den Planeten für künftige Generationen schützen müssten. Dies könnte nicht besser sein, denn genau daran arbeiten wir hart, damit das Prinzip der Generationengerechtigkeit im Text des Abkommens erwähnt wird. Dieses Prinzip schreibt vor, dass die Bedürfnisse und Interessen aller Generationen – vergangener, heutiger und künftiger – den gleichen Wert und die gleichen Rechte haben. So stehen wir in der Verantwortung, das Klima und den Planeten für kommende Generationen zu erhalten. Es ist ganz einfach nicht gerecht, und ganz sicher nicht sinnvoll, diese schreckliche Bürde an zukünftige Generationen zu vererben.

Océane Dayer, Präsidentin von "Swiss Youth for Climate"

30.11.2015, 09:23

Die COY11 ist vorbei, auf geht's zur COP21

Heute beginnt in Paris die COP21 in Anwesenheit von Unterhändlern und Staatschefs aus allen Ländern. Die Delegationen und Koalitionen beginnen ihre Koordinations-Sitzungen. Wir treffen uns mit anderen jungen engagierten Menschen von YOUNGO, der Jugend-Plattform des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC).

Unser Ziel ist es, Strategien aufzustellen, um zu garantieren, dass unsere Interessen im Abkommen von Paris berücksichtigt werden. Unsere Werkzeuge dazu sind Lobbying, Aktionen und Kommunikation. Unsere Zusammenarbeit hat bereits in der vergangenen Woche begonnen, anlässlich der COY11, der elften Jugendkonferenz, die von Donnerstag bis Samstag dauerte.

Seit elf Jahren bringt die COY alljährlich, kurz vor der eigentlichen COP, jene Jungen aus den vier Ecken des Planeten zusammen, die sich für das Klima einsetzen. Die zahlreichen Konferenzen, Ateliers und Arbeitsgruppen ermöglichen es uns Jungen, sich zu treffen und auszutauschen und uns für die COP vorzubereiten.

In diesem Jahr hat eine Gruppe aus Jungen aus 55 verschiedenen Ländern ein Manifest erarbeitet, das die Werte und Wünsche der Jugend der Welt umfasst. Dieses wurde Nicolas Hulot, dem französischen Sondergesandten für den Schutz des Planeten, sowie dem französischen Aussenminister und COP21-Präsidenten Laurent Fabius überreicht. Gleichzeitig nahm eine andere Gruppe an einem dreitägigen Workshop teil, bei dem es darum ging, für die Zukunft konkrete Lösungen auf den Gebieten Energie, Mobilität, aber auch Landwirtschaft zu entwickeln.

Die COY ist aber vor allem eine wunderbare Erfahrung: Die Jugend der ganzen Welt vereint sich für ihre Zukunft. Es ist nun an uns, diese an der COP21 zu verteidigen!

Bis Morgen!

Océane Dayer, Präsidentin von "Swiss Youth for Climate"