Die letzten ihrer Art
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Artenschutz in Botanischen Gärten

Die Letzten ihrer Art


"Blumen sind das Lächeln der Erde."

Ralph Waldo Emerson (1803-1882)

In der Schweiz sind fast die Hälfte aller Lebensraumtypen und knapp ein Drittel der Schweizer Flora gefährdet. Um die Biodiversität langfristig zu erhalten und zu fördern, müssen unterschiedliche Massnahmen umgesetzt werden. Die Botanischen Gärten spielen da eine wichtige Rolle.

Ihre dokumentierten Sammlungen bilden seit jeher eine wesentliche Grundlage für die Wissenschaft. Die Botanischen Gärten übernehmen Aufgaben im Natur- und Artenschutz sowie in der Öffentlichkeitsarbeit. Das Projekt "Die Letzten ihrer Art" verfolgt als oberstes Ziel, gefährdete Pflanzenarten mit Erhaltungskulturen fördern, zu vermehren und darüber zu informieren. Zehn Botanische Gärten nehmen sich je zwei bestimmten Pflanzen an.

Botanischer Garten der Universität Zürich

Zuerich Botanischer Garten der Universtitaet (Botanischer Garten der Universität Zürich)

Auf einer Fläche von 5,6 ha werden heute rund 9000 Arten präsentiert. Zu den Aufgaben des Botanischen Gartens zählen: Forschung, Lehre, Öffentlichkeitsarbeit und Artenschutz.

Bild: Botanischer Garten der Universität Zürich

 ((L) Alex Bernhard; (R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag)

(L) Die Essig-Rose (rosa gallica), ein Strauch mit rosa bis purpurroten Blüten, ist in der Schweiz stark gefährdet und wächst nur noch in wenigen Regionen. 

(R) Der Violette Würger (orobanche purpurea) ist wegen intensiver Beweidung, Überdüngung, Verbuschung der Magerwiesen und Überbauung stark gefährdetet.

Bilder: (L) Alex Bernhard; (R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag

Botanischer Garten Neuenburg

 (Botanischer Garten Neuenburg)

Der Botanische Garten von Neuenburg befindet sich am Waldrand, oberhalb der Stadt, im malerischen Tal des Vallon de l`Ermitage. In verschiedenen natürlichen Lebensräumen wie Magerwiesen, Eichenwälder oder Gebüsch, wachsen rund 3600 Pflanzenarten.

Bild: Jardin botanique de Neuchâtel

 ((L) Muriel Bendel, feldbotanik.ch; (R) Adrian Möhl, botanikreisen.ch)

(L) Das Venushaar (adiantum capillus-veneris) ist ein Farn. Es wächst meist dicht an feuchten Tuff- und Kalkfelsen oder Wasserfällen und Quellen.

(R) Die Weinbergtulpe (tulipa sylvestris), eine Zwiebelpflanze aus der Familie der Liliengewächse, wird bis 50 cm hoch. Sie liebt kalkhaltige Lehmböden. 

Bilder: (L) Muriel Bendel, feldbotanik.ch; (R) Adrian Möhl, botanikreisen.ch

Botanischer Garten der Universität Basel

 (Botanischer Garten der Universität Basel)

Der Botanische Garten der Universität Basel ist der älteste der Schweiz wurde 1589 von Caspar Bauhin gegründet. Die vielfältige Pflanzensammlung mit rund 7000 Arten dient der Forschung, der Lehre und dem Artenschutz.

Bild: Botanischer Garten der Universität Basel

 ((L+R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag)

(L) Die Prachtnelke (dianthus superbus) ist eine ausdauernde Blütenpflanze der extensiv genutzten Wiesen und Weiden. Entwässerungen und die intensive Landwirtschaft haben die Art fast zum Verschwinden gebracht.

(R) Der rötliche Mauerpfeffer (sedum rubens) ist eine wärmeliebende Pflanze. Sie stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet. Seit 1994 produziert der botanische Garten Basel aus Wildsamen Saatgut für andere botanische Gärten und für Flachdächer.

Bilder: (L+R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag

Botanischer Garten Pont-de-Nant

 (swissinfo.ch)

Pont-de-Nant, Jardin botanique alpin La Thomasia. Der Alpengarten liegt im Herzen der Waadtländer Alpen auf 1260 m ü.M. und beherbergt rund 2000 Pflanzenarten aus den Gebirgen aller Kontinente. Er feiert 2016 sein 125-jähriges Bestehen.

Bild: Jardin botanique alpin La Thomasia, Pont-de-Nant

 (swissinfo.ch)

(L) Der Moor-Steinbrech (saxifraga hirculus) wächst in Hochmooren und sumpfigen Gräben. Er wird 30 cm hoch und bildet goldgelbe Blüten. In der ganzen Schweiz ist noch ein einziger Standort bekannt.

(R) Mit ihren bis 8 cm grossen, himmelblauen bis blaulila leuchtenden Blüten ist die Alpen-Akelei (aqulegia alpina) unverwechselbar. Weil ein wichtiger Teil des Verbreitungsgebiets in der Schweiz liegt, trägt unser Land eine hohe Verantwortung für ihren Erhalt.

Bilder: (L) Adrian Möhl, botanikreisen.ch; (R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag

Botanischer Garten Porrentruy

 (Jurassica Jardin botanique de Porrentruy)

Mitten in der Altstadt, umgeben vom Jesuitenkollegium, liegt der botanische Garten von Pruntrut. 600 lokale Pflanzenarten aus dem Jura werden gezeigt. Die 70 Rosensorten und 180 Iris-Varietäten verwandeln den Garten zur Blütezeit in ein riesiges Farbenmeer.

Bild: Jurassica Jardin botanique de Porrentruy

 ((R) Jurassica Jardin botanique de Porrentruy; (R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag)

(L) Die weisse Berg-Narzisse (narcissus radiiflorus) wird bis 40 cm hoch. In der Schweiz gedeiht sie vor allem in den westlichen Voralpen und im Jura. Die einst häufige Planze ist heute wegen intensiver Beweidung und durch Pflücken fast gänzlich verschwunden.

(R) Die Perlhuhn-Schachbrettblume (fritillaria meleagris) ist eine Zwiebelpflanze aus der Familie der Liliengewächse. Sie wird 20 bis 30 cm hoch und hat glockenförmig hängende Blüten. Sie wächst in feuchten Wiesen vor allem entlang des Doubs. Der Bau von Wasserkraftwerken und das Pflücken brachten sie an den Rand des Verschwindens.

Bilder: (L) Jurassica Jardin botanique de Porrentruy; (R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag

Botanischer Garten des Kantons Tessin

 (Parco botanico del Canton Ticino)

Der Botanische Garten des Kantons Tessin befindet sich auf der Insel San Pancrazio im Langensee. Dank milden Temperaturen und reichlichen Niederschlägen gedeihen subtropische Pflanzen aus fünf mediterranen Regionen der Welt.

Bild: Parco botanico del Canton Ticino

 ( (L+R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag)

(L) Der Kleefarn (marsilea quadrifolia) ähnelt einem vierblätterigen Kleeblatt. Die Blätter schwimmen auf der Wasseroberfläche. Er besiedelt Sümpfe, Teiche und Flussauen in milden Lagen.

(R) Die salbeiblätterige Zystrose (cistus salviifolius) trägt filzige, runzelige Blätter, die aromatisch duften. Der Strauch wird bis 1m hoch. In der Schweiz kommt die Art nur im Tessin vor und wird nun auf den Brissago-Inseln kultiviert.

Bilder: (L+R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag

Botanischer Garten der Universität Fribourg

 (Botanischer Garten der Universität Freiburg)

Der 1937 gegründete Botanische Garten der Universität Freiburg diente zu Beginn mit Medizinal-, Natur- und Wasserpflanzen in erster Linie der Ausbildung von Medizinern und Pharmazeuten. Im Laufe der Jahre kamen tropische Gewächshäuser, Geophyten und geschützte Planzen hinzu. Heute umfasst die Sammlung rund 5000 Arten.

Bild: Botanischer Garten der Universität Freiburg

 ((L) Gregor Kozlowski; (R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt Verlag)

(L) Die kleine Teichrose (nuphar pumila) ist eine mehrjährige Wasserpflanze. Sie besiedelt stehende, nährstoffarme Gewässer. Wasserverschmutzung, Bade- resp. Bootsbetriebe setzen der Pflanze extrem zu und sie existiert nur noch in wenigen, isolierten Vorkommen.

(R) Das krautige Pyrenäen-Löffelkraut (cochlearia pyrenaica) wird bis 30 cm hoch.Sie besiedelt kalkreiche Quellfluren, Bachränder und nasse Wiesen. Heute gedeiht die Pflanze nur noch im Gantrischgebiet.

Bilder:  (L) Gregor Kozlowski; (R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt Verlag

Sortengarten Erschmatt

 (Sortengarten Erschmatt)

Der Sortengarten Erschmatt (VS) liegt in einer Terrassenlandschaft oberhalb des Dorfes. Er bietet alten Kulturpflanzen eine Heimat, welche nur noch selten angepflanzt werden. Nebst den alten Getreidesorten werden auch Ackerbegleitpflanzen vorgestellt.

Bild: Sortengarten Erschmatt

 ((L) Sortengarten Erschmatt; (R) Adrian Möhl, botanikreisen.ch)

(L) Der Acker-Schwarzkümmel (nigella arvensis) ist eine einjährige Pflanze und wird 30 cm hoch. Die Art wächst kaum ausserhalb der Getreideäcker. In der Schweiz vorwiegend im Wallis. Herbizideinsatz und intensive Landwirtschaft setzen der Pflanze arg zu.

(R) Als einjährige Pflanze keimen die Samen des feuerroten Blutströpfchen (adonis flammea) im Herbst oder im folgenden Frühjahr. Es kommt in der Schweiz fast nur im Wallis vor und da nur an Orten, wo extensiver Getreideanbau praktiziert wird.

Bilder: (L) Sortengarten Erschmatt; (R) Adrian Möhl, botanikreisen.ch

Botanischer Garten Alpinum Schatzalp Davos

 (Botanischer Garten Alpinum, Schatzalp, Davos)

Der erste Botanische Garten auf der Schatzalp oberhalb Davos wurde "Alpineum" genannt. Er wurde 1907 angelegt. Das Jugendstilhotel war damals ein Sanatorium für Tuberkulosen-Kranke und wurde in den 1950er-Jahren wieder zu einem Hotel umgebaut. 1972 kam es zur Neugründung des heutigen botanischen Gartens, auf dem nun über 5000 Pflanzenarten aus aller Welt gedeihen.

Bild: Botanischer Garten Alpinum, Schatzalp, Davos

 ((L+R) Botanischer Garten Alpinum Schatzalp Davos)

(L) Das Alpen-Mannstreu (eryngium alpinum) wird 70 cm hoch. Es gilt als verletzliche Art und kommt in der Schweiz in mehreren isolierten Gebieten, vor allem in den Voralpen, vor. Das Alpinum Schatzalp verfügt über alte Bestände und kann Jungpflanzen kultivieren, die für eine Wiederansiedelung geeignet sind. 

(R) Der Schweizer Rittersporn (delphinium elatum subsp. helveticum) ist eine Unterart des Hohen Rittersporn und wird bis zu 2 m hoch. Er ist nur in den Westalpen Frankreichs, Italiens und der Schweiz verbreitet. Die Bestände sind in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen.

Bilder: (L+R) Botanischer Garten Alpinum Schatzalp Davos

Botanischer Garten der Universität Bern

 (Botanischer Garten der Universität Bern)

Der heutige botanische Garten der Universität Bern wurde 1860 am Altenbergrain angelegt. Auf rund 2,5 ha gedeihen rund 5500 Pflanzenarten. Nebst 150-jährigen Bäumen sind das Alpinum, der Heilpflanzengarten und das Steppenhaus besonders attraktiv.

Bild: Botanischer Garten der Universität Bern

 ((L+R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag)

(L) Das blutrote Knabenkraut (dactylorhiza cruenta) gehört zu der Familie der Orchideen. Sie besiedelt Flachmoore der subalpinen Stufe. Der einzige Standort nördlich der Alpen befindet sich bei Kandersteg. Aus dieser Population wurden nun Samen gesammelt und im botanischen Garten kultiviert. Bislang entwickelten sich 2000 Individuen, die 2017 an ihrem Ursprungsort wieder angesiedelt werden.

(R) Mit diesem Projekt wird versucht, gleich zwei Arten vor dem Aussterben zu retten, nämlich die Pflanze, den Kreuzblätterige Enzian (gentiana cruciata) und den Schmetterling Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Phengaris rebeli). Der Schmetterling ist für seine Entwicklung vollständig auf den Kreuzblätterigen Enzian angewiesen. Im botanischen Garten wurden im 2015 Samen angesät und werden im 2016 im Berner Jura ausgepflanzt.

Bilder: (L+R) Konrad Lauber, Flora Helvetica, Haupt-Verlag

Produktion

Rolf Amiet
Felipe Schärer Diem