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LSD vor medizinischem Comeback

LSD-Trips führen oft zu lebhaften Tagträumen.

Die psychedelische Droge LSD ist einen Schritt weiter, um ihr lange erwartetes Comeback in der Medizin zu feiern.

Die Schweizer Medizin-Behörden haben einem Arzt die Bewilligung erteilt, mit Hilfe von LSD psychotherapeutische Tests bei Krebspatienten im Endstadium und bei Personen mit anderen tödlichen Krankheiten durchzuführen.

Diese Studie über die therapeutischen Vorteile von LSD bei Menschen ist seit 35 Jahren die erste, die von einer Regierung abgesegnet wurde.

LSD ist bekannt für seine halluzinogene Wirkung und war früher eine geachtete Behandlungsmethode bei psychiatrischen Störungen.

"Ich bin überzeugt, dass LSD eine gute Hilfe in der Psychiatrie sein kann", sagt Peter Gasser gegenüber swissinfo. Der Psychiater aus Solothurn wird die neuen Versuche leiten.

"Man muss sich vorstellen, dass diese Leute den Tod vor Augen haben und sich davor fürchten, sogar panische Angst haben. Sie suchen in ihrem bisherigen Leben eine spirituelle Bedeutung. Es ist bekannt, dass LSD oft dabei helfen kann."

Während den dreimonatigen Versuchen, die im Januar 2008 beginnen sollen, erhalten zwölf Patienten entweder eine LSD-Dosis von 200 Mikrogramm oder ein Placebo.

Intensive Tagträume

"Die Patienten sind zwei Tage bei uns, wenn sie LSD unter Beobachtung erhalten. Es ist wie ein intensiver Tagtraum, während dem sie bei uns in Ruhe liegen können und Musik hören. Die Wirkung von LSD hält ungefähr acht Stunden an."

Die Studie wird von der multidisziplinären Gesellschaft für psychedelische Studien (MAPS) unterstützt. Sie kostet etwa 190'000 Franken.

"Meine persönliche Vision ist es, dass LSD eines Tages ein Medikament wird wie Morphium und dass nur geschultes Personal LSD an Patienten verabreichen darf", betont Gasser.

LSD sei für die Versuche ausgewählt worden, weil es psychische Zustände herbeiführen kann, während denen die Sinne, Wahrnehmungen und Launen verstärkt und verändert werden.

Kritiker allerdings halten fest, dass LSD auch schreckenerregende "Horrortrips" hervorrufen kann, bei denen Patienten unter Panikattacken und Verfolgungswahn leiden können.

Üblicherweise sicher

LSD ist eine der am besten erforschten Substanzen. Frühere Studien haben gezeigt, dass die Droge üblicherweise sicher für therapeutische Zwecke ist.

Bevor sie 1966 für illegal erklärt wurde, bejubelten viele Therapeuten LSD als Wunderdroge für die Psychotherapie.

Doch die Unterstützung für die Droge unter den Ärzten nahm ab, nachdem sie für illegal erklärt worden war und die Therapeuten sie nicht mehr für den medizinischen Gebrauch anbieten konnten.

Gasser erklärt, es sei "sehr schwierig" gewesen, die verschiedenen Bewilligungen zu erhalten. Nötig war das grüne Licht der Ethikkommission des Kantons Aargau, der Zulassungsstelle Swissmedic, der Schweizer Agentur für therapeutische Produkte und des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Am 5. Dezember erhielt er die letzte Zusage.

Laut Elisabeth Grimm-Bättig, Präsidentin der aargauischen Ethikkommission, war die wichtigste Frage die spezielle Situation, in der sich die Patienten befinden.

"Sie wissen, dass sie nicht mehr viel Zeit zum Leben haben; eine andere Frage ist, wie dem Patienten der Nutzen erklärt werden soll - und auch das Risiko eines schlechten Trips. Wir wollen, dass sie das verstehen und nicht unter Druck geraten."

"Liberaleres" Klima

Trotz dem harten Bewilligungsprozess gibt Gasser zu, dass er von einem "liberaleren" Klima in der Schweiz und einer "unvoreingenommenen" Ethikkommission profitieren konnte.

"Während der letzten 20, 30 Jahre wäre es nicht möglich gewesen, eine solche Studie durchzuführen. Das Klima war sehr negativ - die Hippie- und die Techno-Bewegung nutzten die Droge zum reinen Vergnügen", sagt er.

"Doch letztes Jahr habe ich einen Brief an Innenminister Pascal Couchepin geschrieben. Er antwortete, eine Bewilligung sei problemlos zu erhalten, wenn die ethischen und wissenschaftlichen Vorgaben eingehalten würden."

Albert Hofmann, der Schweizer Wissenschafter, der LSD 1938 bei der Basler Pharmafirma Sandoz per Zufall entdeckt hatte, erklärte am Schweizer Fernsehen, er sei hocherfreut, die Rehabilitierung seines Problemkindes feiern zu dürfen.

"Mein Wunsch ist wahr geworden. Ich habe nicht geglaubt, noch erleben zu dürfen, dass LSD letztendlich seinen Platz in der Medizin findet", sagte er.

Hofmann, der sich immer noch bester Gesundheit erfreut, feiert im Januar 2008 seinen 102. Geburtstag.

swissinfo, Simon Bradley
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

LSD

LSD wurde 1938 vom Schweizer Forscher Albert Hofmann entdeckt, der für die Basler Pharmaziefirma Sandoz arbeitete. Diese fusionierte später mit Ciba-Geigy zu Novartis.

Forscher suchten damals nach Möglichkeiten, chemische Zusammensetzungen von Pflanzen zu identifizieren und künstlich herzustellen. Sandoz produzierte und verkaufte die ersten LSD-Tabletten 1947, hauptsächlich zur Behandlung von Alkoholismus und anderen psychologischen Leiden.

LSD wurde später als Freizeitdroge bekannt, besonders bei der Hippie-Generation der 1960er-Jahre. Die starke Verbreitung führte schliesslich zu Protesten und einem weltweiten Verbot gegen Ende der 1960er-Jahre. Auch in der Medizin wurde es kaum noch benutzt. Sandoz stoppte die Produktion 1966.

LSD gilt als eine der stärksten halluzinogenen Substanzen, die Sinne, Wahrnehmungen und Launen verstärken und verändern. Es kann psychische Probleme komplizieren, doch gilt es nicht als Suchtdroge.

Ein Trip kann bis zu zwölf Stunden dauern. LSD kann auch Flashbacks bewirken, bei denen später Teile des Trips noch einmal durchlebt werden.

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