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Mahmud Dschibril bestätigt Gaddafis Tod


Rebellen feiern am Donnerstag die Einnahme von Gaddafis Heimatstadt Sirte. (Reuters)

Rebellen feiern am Donnerstag die Einnahme von Gaddafis Heimatstadt Sirte.

(Reuters)

Der libysche Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi ist am Donnerstag nach Angaben des Übergangsrates getötet worden. Ministerpräsident Mahmud Dschibril hat den Tod bestätigt. Die Schweiz appelliert an die Konfliktparteien, Zurückhaltung zu üben.

Am Donnerstag Nachmittag hatte es noch geheissen, dass Gaddafi in Sirte verhaftet und dabei verletzt worden sei.

"Alle Hinweise, die wir haben, besagen, dass Oberst Gaddafi Geschichte ist", hatte Mahmud Schammam, Informationsminister des Übergangsrates in Tripolis, später gegenüber dem Fernsehsender CNN gesagt.

Die Aktion war offenbar beim Versuch des untergetauchten Ex-Herrschers erfolgt, seine Heimatstadt in einem Konvoi zu verlassen. Laut Übergangsrat hatten Nato-Truppen aus der Luft und Kämpfer der Regierung am Boden den Konvoi des Gesuchten angegriffen.

  

Abdel Majid, der Militärkoordinator des Übergangsrates in Tripolis, hatte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, Gaddafi sei mit Schussverletzungen an beiden Beinen in einem Krankenwagen weggebracht worden. Bei der Schiesserei sei Gaddafi schwer verletzt worden, auch am Kopf.

Vertreter der Übergangsregierung berichteten ausserdem, dass auch Gaddafis Sohn Motassim von Kämpfern der neuen Führung erschossen worden sei. Gaddafis vor allem im Ausland bekannter Sohn und "Thronfolger" Saif al-Islam sei auf der Flucht von Einheiten der Regierung eingekreist worden.

Beim Gefecht ist laut Übergangsregierung auch der frühere Verteidigungsminister des Machthabers, Abu Baker Junis Dschabir, getötet worden.

Am Donnerstag hatten Kämpfer des libyschen Übergangsrates Sirte eingenommen, die letzte Hochburg des gestürzten Machthabers. Gaddafi war seit rund zwei Monaten untergetaucht, nachdem die Kämpfer des Übergangsrates die Hauptstadt Tripolis eingenommen hatten.

Gaddafi war 69 Jahre alt und hatte sich 1969 gegen den damaligen König in Libyen an die Macht geputscht.

"Neue Seite in der Geschichte" 

Nach den Berichten über den Tod des libyschen Ex-Machthabers Muammar al-Gaddafi sieht die Europäische Union "ein Ende der Ära von Gewaltherrschaft und Unterdrückung, unter der das libysche Volk zu lange gelitten hat".

In einer Erklärung von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso heisst es: "Heute kann Libyen eine neue Seite in seiner Geschichte aufschlagen und eine neue demokratische Zukunft beginnen."

Die politische EU-Spitze forderte den Nationalen Übergangsrat Libyens auf, einen "breit angelegten Prozess der Aussöhnung" einzuleiten. Dieser  müsse sich an alle Libyer richten und einen "demokratischen, friedlichen und transparenten Übergang im Land ermöglichen".

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat die Konfliktparteien aufgefordert, Zurückhaltung zu üben, auf Vergeltungsmassnahmen zu verzichten sowie die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht einzuhalten.

Auflösung der Schweiz verlangt

Die Schweiz hatte in den letzten Jahren ein äusserst gespanntes Verhältnis zu Libyen. Die vorübergehende Festnahme von Gaddafi-Sohn Hannibal im Juli 2008 in Genf hatte zu einer politischen Krise geführt.

Er war wegen Misshandlung von Hausangestellten festgenommen worden. Darauf liess Gaddafi zwei Schweizer Bürger, die beruflich in Libyen tätig waren, als Geiseln festsetzen.

Die Unberechenbarkeit Gaddafis liess die Spannungen zwischen Tripolis und Bern zu einer politischen Krise eskalieren. Auf deren Höhepunkt verlangte Gaddafi im Juli 2009 am G8-Gipfel in Italien, dass die Schweiz aufgelöst und ihr Territorium Deutschland, Frankreich und Italien zugeschlagen werden solle.

Sein Antrag, dass der Vorschlag von der Generalversammlung der UNO vom September jenes Jahres debattiert werden solle, wurde abgelehnt.

Am 23. Februar 2010 konnte eine der beiden Geiseln das Land verlassen und in die Schweiz zurückkehren. Der zweite Schweizer, der wegen Visaverstössen zu vier Monaten Haft verurteilt worden war, wurde am 13. Juli 2010 freigelassen und kehrte sogleich in die Schweiz zurück.

Hannibal sitzt zur Zeit mit seinem älteren Halbbruder Mohammed, seiner Mutter Safija und seiner Schwester Aischa in Algerien fest.

Muammar al-Gaddafi

Der Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi war von 1979 bis 2011 Diktator Libyens.

Der 1942 geborene Gaddafi putschte 1969 als Oberst den König weg und war bis 1979 Staatsoberhaupt.

  

Sein Regime galt gleichzeitig als eines der repressivsten, andererseits als das korrupteste der arabischen Staaten.

Im Februar 2011 kam es im Anschluss an die Ereignisse in Tunesien und Ägypen zu landesweiten Aufständen.

Nach einer UNO-Resolution begannen verschiedene westliche Länder mit Luftangriffen, um eine Flugverbotszone durchzusetzen.

Seit Ende Juni wurde Gaddafi als mutmasslicher Kriegsverbrecher gesucht.

Am 20. Oktober 2011 wird er getötet, als er aus seiner Heimatstadt Sirte flüchten will.

Aufstand gegen Gaddafi

Mitte Februar: Beginn der Proteste gegen Gaddafi. Sie werden gewaltsam niedergeschlagen, dehnen sich aber auf andere Städte aus. Der Osten des Landes fällt in Rebellenhand.

März: Frankreich erkennt als erstes Land die Rebellen als "einzige Vertretung" an. Der UNO-Sicherheitsrat erlaubt den Einsatz von Gewalt. Eine Koalition von westlichen Staaten beginnt mit Luftangriffen. Die NATO übernimmt das Kommando.

April: Die Libyenkontaktgruppe fordert den Rücktritt Gaddafis. Militärberater werden zu den Rebellen geschickt.

Mai: Gaddafi-Sohn Seif al-Arab wird getötet. Die Rebellen nehmen den Flughafen von Misrata ein.

Juni: Internat. Strafgerichtshof erlässt Haftbefehle gegen Gaddafi.

Juli: Die Libyen-Kontaktgruppe anerkennt die Rebellen, auch die Schweiz vollzieht diesen Schritt.

August: Rebellen rücken in Tripolis ein und bringen Teile unter ihre Kontrolle.

25. August: Die politische Führung der Aufständischen beginnt mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte in Tripolis.

16. September: Die UNO-Vollversammlung stimmt dafür, den bisher dem Gaddafi-Regime vorbehaltenen Sitz Libyens in der Weltorganisation den neuen Machthabern zu übertragen.

Seit August kämpfen die Rebellen um Sirte, die Heimatstadt Gaddafis.

swissinfo.ch und Agenturen



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