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Migrationskrise


"Alltag" im Flüchtlingslager von Piräus


Von Gaby Ochsenbein (Text und Bilder), Piräus


Schlafen auf hartem Boden: Die Schweizerin Kristina Häsler versucht in einem der improvisierten Zeltlager im Hafen von Piräus nahe der griechischen Hauptstadt Athen, die Not der Flüchtlinge etwas zu lindern. (swissinfo.ch)

Schlafen auf hartem Boden: Die Schweizerin Kristina Häsler versucht in einem der improvisierten Zeltlager im Hafen von Piräus nahe der griechischen Hauptstadt Athen, die Not der Flüchtlinge etwas zu lindern.

(swissinfo.ch)

Im Hafen von Piräus leben zurzeit etwa 4000 bis 5000 Flüchtlinge. Sie hausen in Lagerhallen und Zeltstädten. Betreut werden die Migranten aus Syrien, Afghanistan, Irak und anderswo von diversen Nichtregierungs-Organisationen (NGO) und unzähligen Freiwilligen, darunter auch Schweizer.

Es weht ein kühler Wind an diesem Nachmittag. Hunderte Frauen, Männer, Babys, Kinder liegen auf Decken und Schlafsäcken in einer der riesen Hallen, die Luft ist schlecht. Vor dem tristen Gebäude stehen Dutzende farbige Iglu-Zelte, schön in Reih und Glied, neben der Halle mobile Toiletten. Duschen hat es keine.

Im Hafen von Piräus gibt es insgesamt drei grosse Camps und ein kleines. Das Essen kommt abwechslungsweise vom Roten Kreuz, von der Marine, einer Supermarktkette, der Gemeinde Piräus oder vom hiesigen Fussballklub Olympiakos. Die Menschen stehen geduldig an, in einer Reihe die Männer, in einer zweiten Frauen und Kinder.

 (swissinfo.ch)
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Die schweizerisch-belgische Doppelbürgerin Kristina Häsler, die seit 16 Jahren in Athen lebt, ist eine der vielen Freiwilligen in Piräus. Eigentlich ist sie Klangtherapeutin, momentan aber Vollzeit-Flüchtlingsbetreuerin.

Sie kommt jeden Tag hierher und kümmert sich vor allem um die rund 400 Jesiden, eine Minderheit, die im Irak von der Terrormiliz IS verfolgt wird. Auch heute ist Häsler wieder gefragt: Eine Frau hat ein gesundheitliches Problem, für jemand anderen soll sie Papiere kopieren. Und ständig klingelt ihr Telefon.

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Kristina Häslers Auto ist vollbepackt mit Schlafsäcken und Schlafmatten, die sie nach Bedarf im Zeltlager verteilt. Auch Babystroller hat sie mit Spendengeldern besorgt, damit die Frauen ihre Kleinen beim Anstehen fürs Essen nicht stundenlang auf dem Arm tragen müssen. Auf einem weiteren Pier spielt ein holländischer Volontär Seilspringen mit den Kindern, ihre Freude ist gross.

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Vor dem Wagen für ärztliche Hilfe stehen ein paar Migranten und warten, bis sie an der Reihe sind. Eben ist eine Ärztin aus Grossbritannien eingetroffen, die ein paar Tage aushelfen will.

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Auch viele Flüchtlinge engagieren sich, etwa beim Übersetzen, wie der 24-jährige Mustafa aus Afghanistan, der in seiner Heimat für die US-Armee als Übersetzer tätig war. Er glaubt noch immer, dass die Grenze zu Mazedonien wieder geöffnet wird.

Am Rande des Camps vor einem Lastwagenpark verpasst ein junger Mann einem Kollegen eine Rasur. Auch Flüchtlingen sei das Aussehen wichtig, betont Häsler.

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Die griechische Regierung möchte das Flüchtlingslager in Piräus gerne räumen und die Menschen in staatliche Zentren bringen, hört man. Denn bald beginnt die Tourismus-Saison, und da machten diese Camps keinen guten Eindruck.

Flüchtlingsabkommen EU-Türkei

Das seit dem 20. März geltende Abkommen beinhaltet folgende Punkte:

Die EU übernimmt für jeden Syrer, der von Griechenland in die Türkei zurückgeschickt wird, einen Syrer aus einem türkischen Flüchtlingslager –maximal 72'000 Personen.

Die Türkei erhält von Brüssel zu den bereits zugesagten 3 Milliarden Euro weitere 3 Milliarden.

Die Visumspflicht für türkische Staatsbürger soll bald fallen. Zudem werden die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei vorangetrieben.

Der von Menschenrechts-Organisationen kritisierte EU-Pakt mit der Türkei stellt Griechenland vor enorme Probleme: Es fehlt an Asylexperten, Übersetzern, Juristen. Insgesamt werden rund 4000 Fachleute benötigt.

Seit letztem Sommer sind hunderttausende Migranten von der Türkei via Griechenland in die EU eingereist, um von dort gen Norden, v.a. nach Deutschland, zu gelangen.

Seit die Balkanroute geschlossen ist, sitzen Tausende in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze fest.


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