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Montreux Jazz Festival: Zickiger Star, schwarze Zahlen

Trotz Fotoverbot erwischt: Der Prinz mit dem schwarzen Hut.

(Keystone)

Das neue Rezept wirkt: Nach vier Jahren in den roten Zahlen schreibt das Musikfest 2007 wieder Gewinne. Höhepunkt 2007 war der Auftritt des Pop-Prinzen Prince.

Bereits vor dem letzten Abend zogen die Organisatoren eine positive Bilanz: Von knapp 90'000 Tickets wurden 85'000 verkauft.

Die Auslastung der Konzerte betrug 93%. So zufrieden wie die Organisatoren waren aber nicht alle: Verspätungen und reduzierte Leistungen ärgerten viele Besucher.

Festival-Chef und -Gründer Claude Nobs bezeichnete an der Bilanz-Medienkonferenz den Auftritt von Sly & The Family Stone - der erste nach 20 Jahren - als puren Reinfall.

Woodstock-Legende Sly Stone hatte nur drei Nummern lang auf der Bühne gestanden und den Rest seiner "Family" überlassen. Das war zu befürchten gewesen, da der Sänger immer schon als unzuverlässig galt.

"Obligate" Stunde Verspätung

Nicht ganz so schnoddrig wie erwartet benahm sich am Mittwoch die ebenfalls als launisch geltende New Yorker Hip-Hop-Formation Wu-Tang-Clan. Nachdem einige Mitglieder in London ihren Flug verpasst und in der Schweiz im Stau steckengeblieben waren, befürchtete man das schlimmste.

Sie kamen mit einer Stunde Verspätung auf die Bühne - in Montreux dieses Jahr fast Standard. Dass ihre Zugabe einzig aus einem DJ und CD-Aufnahmen bestand, regte dann aber doch viele Fans auf.

Nicht nur Freude an Prince

Auch der Höhepunkt der diesjährigen Ausgabe, Prince, bereitete am Dienstag nicht nur eitel Freude. Die Türen wurden eine Dreiviertelstunde zu spät geöffnet, was zu wütenden Sprechchören und Gerangel führte.

Wegen übertriebener Sicherheitskontrollen kamen trotz verspätetem Konzertbeginn lange nicht alle Fans rechtzeitig im Saal an. Mit 4500 verkauften Karten schien das Auditorium Stravinski ausserdem überbucht.

Obwohl viele Fans das Konzert wegen Hitze, Gedränge und mangelnder Sicht vom Korridor aus verfolgten, schien der Raum stets rappelvoll. 129 Franken für einen Stehplatz, der wegen Videoverbot nur Hörspielgenuss bot, hielten manche für unverschämt.

Adelige Allüren

Claude Nobs bezeichnete den Auftritt von Prince dennoch als absolutes Highlight des diesjährigen Festivals. Das Konzert – der einzige Europa-Auftritt von Prince in diesem Sommer - sei ein "königliches Geschenk" gewesen.

Dabei machte die selbsternannte Hoheit des Rock, Pop und Soul ihrem Namen alle Ehre: Vor, während und nach seinem Auftritt verbat sich Prince jegliche Fotoaufnahmen, Interviews kamen schon gar nicht in Frage.

Da muss es schon als kleiner Glücksfall gelten, als er bei seinem Auftritt im Montreux Jazz Cafe, den er nach seiner Bühnenshow noch absolvierte, doch noch erwischt wurde, wenn auch mit tief ins Gesicht gezogenem Hut.

Eine Woche lang heiser

Für Unmut sorgte - wohl ohne böse Absicht - auch das im frankophonen Raum berühmte Duo Les Rita Mitsouko. Erst bei Türöffnung erfuhren am letzten Samstag die Konzertgänger, dass das ausverkaufte Konzert wegen Heiserkeit der Sängerin Catherine Ringer um eine Woche verschoben wurde.

Auch das Ersatzkonzert fiel angeblich aus dem gleichen Grund aus - erstaunlich, wenn man bedenkt, welche medizinische Möglichkeiten Sängern sonst zur Verfügung stehen, um ihre Stimmen innert Kürzestem wieder fit zu kriegen.

Profis auf und über ihrem Zenit

Die Ausgabe 2007 dürfte als Jahr der lebenden Legenden in die Montreux-Annalen eingehen. Mit Motörhead, Heaven and Hell ("Black Sabbath"), Sly, Van Morrison, Pet Shop Boys, Jimmy Cliff, Foreigner und Rickie Lee Jones wurde das Programm beherrscht von Sängern und Gruppen, die schon vor Jahrzehnten Massstäbe setzten.

Das muss kein Nachteil sein, denn es verspricht Professionalität. So wussten etwa die beiden Heavy-Metal-Pioniere zu überzeugen, ebenso wie die Electropopper Pet Shop Boys oder die Melancholie-Rocker Foreigner. Die 53-jährige Ricky Lee Jones schien dagegen deutlich jenseits ihres Zenits.

Geiz ist geil

Besonders viel Zulauf hatten dieses Jahr die fast 300 Gratis-Veranstaltungen. An den schönen Tagen waren die Wiesen um die Outdoor-Bühnen voll wie Strände in Mallorca. Und im intimen Rahmen der beiden Afterhour-Cafés erschienen gratis Prince und Spank Rock.

Dass die Festivalwährung Jazz abgeschafft und die Preise gesenkt worden waren, erhöhte den Konsum um 20%, was zur erfreulichen Abschlussrechnung beitrug. Beim Bier war die Preissenkung indes ein Etikettenschwindel, wie manche bemängelten: Wegen kleinerer Becher stieg der Deziliterpreis tatsächlich um 10 Rappen an.

swissinfo und Irene Widmer, sda

Neues Konzept

Für die 40. Ausgabe des Festivals im letzten Jahr betrug das Budget rekordverdächtige 19 Mio. Franken.

"Kleiner, aber fein" lautet das Festival-Motto 2007; das Budget wurde auf gut 16 Mio. Franken gesenkt.

Die Bühne im Casino wurde gestrichen, die Zahl der Konzertabende von 48 auf 32 reduziert.

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Gurten trotzt Regen

Ein weiteres bekanntes Festival, das Gurten Festival auf dem Berner Hausberg, geriet laut den Organisatoren trotz "Schlammschlacht" infolge starker Regenfälle zum Erfolg.

An den 60 Konzerten von Donnerstag bis Sonntag verzeichneten die Veranstalter 57'000 Besucher.

Mit 16'000 Personen waren der Freitag und Samstag ausverkauft.

Der Schwerpunkt des Programms bildete der Hip Hop, mit u.a. Cypress Hill, Die Fantastischen Vier sowie den Schweizern Stress und Gimma.

Insgesamt waren 1400 Helferinnen und Helfer im Einsatz.

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