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Nachwachsender Baustoff


Holzbau erobert den urbanen Raum




Blumer-Lehmann hat auch das Dach des Kilden Arts Centers in Norwegen gebaut. ()

Blumer-Lehmann hat auch das Dach des Kilden Arts Centers in Norwegen gebaut.

Gebäude aus Holz erleben eine Renaissance. Dank neuer Entwicklungen im Systembau sind Architekten nun in der Lage, Hochhäuser und Kuppeln aus Holz zu entwerfen. Das hat auch mit der grossen Erfahrung der Schweiz im Holzbau zu tun.

Eines der herausragenden Beispiele des urbanen Holzbaus in der Schweiz ist das neue Bürogebäude der Mediengruppe Tamedia in Zürich. Das fünfstöckige Gebäude kommt ohne Stahl aus, es besteht aus Holz und Glas.

Der Architekt des Neubaus, der Japaner Shigeru Ban, bezeichnete den Bau als “weltweit einzigartig“. Die Herausforderung lag in der Produktion der riesigen Holzkonstruktionselemente. Diese wurden vom Schweizer Unternehmen Blumer-Lehmann AG vor Ort zusammengebaut.

Hochtechnologie

Das Ostschweizer Unternehmen mit Sitz in Gossau ist immer noch stolz auf sein Sägewerk aus dem Jahr 1875. Wenn man jedoch die Werkstätten betritt, wird einem trotz Sägemehl unter den Füssen und Holzduft in der Nase schnell bewusst, dass Holzbau heutzutage eine hochtechnologische Angelegenheit ist.

"Heute benutzen viele Architekten computerunterstützte Programme, um damit alle denkbaren Formen zu zeichnen. Doch diese Formen müssen umgesetzt werden. Die Formen mit Holz umsetzen, das ist eine der Spezialitäten, die wir in den vergangenen vier Jahren entwickelt haben“, sagt Richard Jussel, Holzbauspezialist bei Blumer-Lehmann AG gegenüber swissinfo.ch.

Die Holzkonstruktionselemente, die für das Tamedia-Gebäude nötig waren, wiegen jeweils zwei Tonnen und sind je 24 Meter lang. Sie wurden mit Hilfe von Computern gebaut. Alles musste auf den Millimeter genau berechnet werden, damit die Elemente aufeinander passten.

Es sei ein sehr ambitioniertes Projekt gewesen, selbst für ein Unternehmen mit breiter Erfahrung, räumt Jussel ein. Die Firma gilt als führend auf ihrem Gebiet.

Holzindustrie

Die Branche erarbeitet 1,8% des jährlichen Bruttoinland-Produktes. Sie beschäftigt rund 80'000 Angestellte in insgesamt 12'000 Betrieben.

Die meisten Betriebe sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und in ländlichen Gegenden beheimatet.

Lignum ist der Dachverband der holzverarbeitenden Industrie in der Schweiz. Er vereinigt Betriebe der ganzen Verarbeitungskette vom Holzfällen über Schreinereien, Sägereien bis hin zur Möbel- Verpackungs- und Papierindustrie. Der Verband wurde 1931 gegründet.

Lignum vergibt jährlich einen Preis für innovativen Umgang mit Holz, sei es im Baubereich, aber auch im Bereich Inneneinrichtungen, Möbel und Kunst.

Noch vor wenigen Jahren sei es schwierig gewesen, geeignete Bauten zu finden und sie auszuzeichnen, jetzt habe Lignum die Wahl, sagt Sprecher Michael Meuter. Auch das ist ein Indiz für den Boom.

Ban baut auch für Swatch

Das Tamedia-Gebäude ist eines von verschiedenen innovativen Holzbau-Projekten in der Schweiz. Der Architekt Shigeru Ban ist auch beim Neubau für den Hauptsitz der Swatch Group in Biel involviert, der 2015 fertig gebaut sein wird.

Die Schweizer Rheinsalinen haben kürzlich Europas grösste Kuppel aus Holz in Betrieb genommen. Sie dient der Lagerung des Streusalzes für den Winter.

Dass der Holzbau seit einigen Jahren in der Schweiz einen Boom erlebt, zeigen die Statistiken und der Jahresbericht 2012 von Lignum, der Dachorganisation der Schweizer Holzindustrie.

Lignum-Sprecher Michael Meuter sagt, der Trend zu Holz sei seit einiger Zeit festzustellen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Holz traditionellerweise für den Bau von Chalets und Bahnhöfen verwendet. Stahl und Beton waren die dominierenden Baumaterialien. Bis Ende der 1980er-Jahre habe kein breites Interesse an Holz als Baustoff bestanden.

Später wurden neue Technologien wie das computerunterstützte Zeichnen und Bauen entwickelt. Es gab Ausbildungsgänge für Holzbau-Ingenieure und Architekten. "Das war eine Pionierleistung, die Ausbildung von Leuten, die den Holzbau aus Ingenieursicht begreifen", sagt Meuter gegenüber swissinfo.ch.

Weniger CO2

Seit 2004 erlauben gelockerte Brandschutzvorschriften zudem den Bau von Holzbauten bis zu einer Höhe von sechs Stöcken. Holz profitiert zudem seit einigen Jahren von einem besseren Image. Das Tamedia-Gebäude sei "Prestige-Architektur", sagt Meuter. Holz verbraucht zudem weniger CO2, als andere Materialien.

Das hat einen Einfluss auf die Holzbauindustrie. "Die grossen Holzbaufirmen haben ihre Kapazitäten verdoppelt", so Meuter. "Auf der anderen Seite sind die Sägewerke nicht betroffen, denn Schweizer Holz ist weniger gefragt als europäisches. Es ist teurer, und das ist ein Nachteil."

Blumer-Lehmann hat die Zahl der Angestellten verdreifacht und den Umsatz in den vergangenen 30-40 Jahren verzehnfacht. Jussel sagt, heutzutage gebe es gute Ingenieure und Architekten, die bereit seien, mit Holz zu arbeiten. Die Ausbildung in diesem Bereich sei in der Schweiz weit entwickelt.

Schweiz ist führend

Laut Architekt Ban verfügt die Schweiz über "das am weitesten entwickelte Knowhow" im Bereich der Holzbau-Technologie. Laut Meuter ist das Land führend in diesem Bereich, vor Österreich und Deutschland. Schweizer Experten sind auf der ganzen Welt gefragt. Blumer Lehmann beispielsweise hat in Südkorea und in Norwegen gebaut.

Der Holzbau-Ingenieur Hermann Blumer, der keine geschäftlichen Verbindungen mit Blumer-Lehmann hat, ist bekannt als Spezialist für schwierige Fälle. Er hat für den Tamedia-Bau die Schnittstellen zwischen den Holzelementen entwickelt.

Blumer, der bereits bei andern Projekten mit Ban zusammen gearbeitet hat, sagt gegenüber swissinfo.ch, es sei eine Herausforderung gewesen, aber er habe sich beim traditionellen Holzbau inspiriert.

Im Vergleich zur Uhrenindustrie sei die Holzindustrie kleiner, sagt Meuter, doch hier seien "clevere Leute" am Werk, die den richtigen Weg gingen. Holzbau in der Schweiz ist zweifelsohne mehr als der traditionelle Chaletbau. "Holz kann über sich hinauswachsen, das macht den Werkstoff so aufregend", so Meuter.


(Übertragung aus dem Englischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch



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