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Obligatorische Schule Wieviel verdient ein Lehrer in der Schweiz?

Classe enfantine

Die jüngeren Schülerinnen und Schüler werden vorwiegend von Lehrerinnen unterrichtet. Trotz des Gleichheitsgebots zieht diese Situation die Löhne nach unten.

(Keystone)

Wie viel verdienen Lehrkräfte an den obligatorischen Schulen in der Schweiz? Der Föderalismus führt zu grossen kantonalen Unterschieden. Solche gibt es auch zwischen den offiziellen Zahlen und der Realität in den Schulhäusern.

Am besten wählen Kindergärtnerinnen und Kindergärtner Genf als Arbeitsort. Denn dort verdienen sie 97'000 Franken, verglichen mit dem Kanton Graubünden, der sie mit 60'000 Franken am schlechtesten entlöhnt. Der Unterschied des Basislohns in den beiden Kantonen ist beträchtlich. Auch die Primarschullehrkräfte verdienen in Genf mit 97'000 Franken am besten. Im Tessin sind sie mit 66'000 Franken am schlechtesten bezahlt. Auf der Sekundarstufe ist die Kluft etwas geringer, zwischen 105'000 Franken in Genf und 85'000 Franken im Kanton Nidwalden.

Eine Lehrkraft absolviert in der Schweiz nach Abschluss des Gymnasiums eine Ausbildung von drei oder fünf Jahren. Im Durchschnitt verdient sie zu Beginn ihrer Karriere 82'500 Franken pro Jahr, also 6875 Franken pro Monat brutto oder vor Abzug – in einem Land, in dem der Median-Lohn bei 6250 Franken brutto liegt. Maximal verdient eine Lehrperson am Ende ihrer Karriere 8700 Franken. Das scheint nicht schlecht.

Von der Theorie zur Praxis

Doch gibt es mehrere "Aber": Erstens sind die Unterschiede zwischen den Kantonen – wie bereits erwähnt – signifikant. Sie lassen sich zum Teil durch Unterschiede bei den Lebensunterhaltskosten erklären und finden sich in vielen Berufen, insbesondere im öffentlichen Sektor. Als föderalistisches Land überlässt die Schweiz ihren Kantonen grosse Kompetenzen – auch mit Blick auf die obligatorische Schule.

Zweitens bleibt die von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren veröffentlichte und vom Onlineportal Watsonexterner Link aufgenommene Lohntabelle theoretisch. Denn es handelt sich hier um die Maximalwerte für eine Vollzeitstelle. In der Schweiz arbeiten aber 57% der Lehrkräfte Teilzeit – oft, weil es gar nicht anders geht und nicht aus freier Wahl.

Der stellvertretende Zentralsekretär des Deutschschweizer Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCHexterner Link), Pascal Frischknecht, weist darauf hin, dass beispielsweise in den Kantonen Zürich und St. Gallen niemand mehr als 88% bzw. 87% des Gehalts erreicht. Für einen Grundschullehrer zu Beginn seiner Karriere sind das immerhin knapp 900 Franken weniger pro Monat.

Zwar steigen die Gehälter theoretisch mit den Dienstjahren. Aber auch hier hat der LCH festgestellt, dass die von den Kantonen beschlossene Niveaustufe in den letzten zehn Jahren in vielen Fällen nicht systematisch – oder gar nicht – erreicht wurde. Im Kanton Basel-Landschaft sanken die Löhne sogar um 1%.

Das gleiche Problem besteht in den französischsprachigen Kantonen. Jean-Marc Haller, Generalsekretär der Gewerkschaft für die Lehrkräfte in der Romandie (SERexterner Link), sagt, dass Kantone, die Sparmassnahmen vornehmen, diese nicht unbedingt in den offiziellen Tabellen aufführen. Das führt dazu, dass die Angaben theoretisch bleiben und die Löhne in der Praxis stagnieren. Es kommt vor, dass zwei Lehrer, die in der gleichen Schule die gleiche Funktion ausüben, nicht gleichviel verdienen.

Fast in der Hälfte der Kantone sind die Lehrkräfte der Ansicht, dass die Entwicklung ihrer Löhne es ihnen nicht erlaubt, ihre Kaufkraft zu erhalten. Und im internationalen Vergleich sind die Ausgaben der Schweiz für die obligatorische Bildung seit 2005 gesunken. Sie stagnieren bei 3,4% des Bruttoinlandprodukts (BIP), und liegen somit 0,2 Prozentpunkte unter dem OECD-Durchschnitt. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler hingegen, nahm zu.

Gleichstellung ist nicht das Problem

Im Bildungsbereich gibt es grundsätzlich keine geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede. Für eine gleichwertige Funktion verdient eine Lehrerin gleichviel wie ein Lehrer. In der Praxis gibt es allerdings auch ein "Aber". Pascal Frischknecht spricht von "indirekter Diskriminierung". Denn in den unteren Klassen unterrichten überwiegend Frauen, und je mehr ein Beruf sich feminisiert, desto weniger steigen die Gehälter.

In der Ausgabe 2018 des berühmten Lohnbuchs, das als führende Instanz auf diesem Gebiet gilt, ist von einer Erhöhung des Mindestlohns für Grundschullehrer um 36,4% in den letzten zwölf Jahren die Rede. Nach Angaben des LCH hat sich das Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit verrechnet. Der Autor habe die Daten von 2006 aus dem Kanton Aargau mit den Daten von 2018 aus Zürich verglichen.


In der Schweiz sind die Löhne hoch, aber das Leben ist teuer

Budget-Beispiel für jemanden, der den Medianlohn verdient:

Budget Mustermann

Eine Tabelle mit einem Musterbudget eines Median-Lohns in der Schweiz



(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)

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