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Opfer und Millionenschäden

An diesem Abhang im appenzellischen Lutzenberg rutschte Erde ab und begrub ein Haus unter sich.

(Keystone)

In den vergangenen Monaten haben heftige Regenfälle überall in der Schweiz beträchtliche Schäden verursacht.

Gebirgsländer wie die Schweiz sind oft der Gefahr von Berg- und Erdrutschen ausgesetzt. Vermehrt aber wird in Problemzonen in Abhängen gebaut.

Bei starken Regenfällen kommt es in den flachen europäischen Ländern zu Überschwemmungen, in der gebirgigen Schweiz jedoch öfters zu Erdrutschen. Die jüngsten Unwetter in der Ostschweiz finden sich auf den Titelseiten der Schweizer Zeitungen. Auch Radio und Fernsehen berichteten ausführlich darüber. Im appenzellischen Lutzenberg kam ein durchnässter Hang ins Rutschen. Die Erdmassen begruben ein Wohnhaus. Drei Menschen kamen ums Leben.

Nur Gras aber kein Baum

Schaut man sich das Bild der Unglücksstelle an, dann zeigt sich, dass ein Hang eines Wiesenhügels abrutschte, auf dem nur Gras aber kein Baum wuchs. Unten stehen neue Wohnhäuser. Eines davon wurde zerstört.

Im Sommer sind es das Wasser und die Erdrutsche, im Winter sind es die Lawinen. Gegen die Ereignisse selber sind keine Vorkehrungen möglich. Man kann nur versuchen die gefährdeten Zonen zu meiden. Das wird in der dichtbebauten Schweiz immer schwieriger.

Berggebiete waren immer bedroht

Allein in den letzen drei Monaten rissen die Berichte nicht ab. Die Gemeinde Frutigen im Berner Oberland musste im August Soforthilfe leisten, um die Schäden durch diverse Hangrutsche zu mildern.

Nach heftigen Gewittern in der Nacht auf den 27. August gerieten in den Ortschaften Oberhofen und Hilerfingen ebenfalls im Oberland mehrere Hänge ins Rutschen. In etlichen Wohnhäusern entstanden Risse.

Bereits eine Woche zuvor war der Kanton Appenzell Ausserrhoden von einem Unwetter heimgesucht worden. Die Gemeinde Urnäsch und Umgebung meldete Schäden in Millionenhöhe. Ein Bauernhaus musste vorübergehend evakuiert werden. Im Kanton St. Gallen gingen über hundert Schadenmeldungen ein.

Dieser Kanton war schon im Juli schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. "Die Schadensumme wird sich auf mehrere Millionen belaufen", sagte damals Christian Grünenfelder, der stellvertretende Direktor der St. Galler Gebäudeversicherung.

Gefahrenkarte: föderalistische Handhabe

Das Bundesamt für Wasser und Geologie (BWG) hat für die ganze Schweiz eine Gefahrenkarte erstellt. "Rund 90% der gefährlichen Hänge und Bergflanken sind bekannt und darin aufgeführt", sagt Hugo Raetzo, Geologe im BWG gegenüber swissinfo. Bei "raumwirksamen Tätigkeiten" - wie das BWG sich ausdrückt - also bei Bauten in diesen Gebieten müsse man sich den natürlichen Gegebenheiten anpassen, schreibt das Bundesamt. Dieses Anpassen allerdings ist Sache der Kantone. "Erst, wenn die das Gebiet in die kantonalen Richtpläne aufgenommen haben, wird alles verbindlich", sagt Hugo Raetzo.

Es scheint aber, dass die Kantone die Empfehlungen des BWG nur ungern umsetzten. Das Amt scheibt nämlich: "Massenbewegungen und Hochwasser verursachen immer wieder grosse Schäden. Diese können vermindert werden, wenn wir unsere Aktivitäten vermehrt den natürlichen Gegebenheiten anpassen."

Raumplanungsgesetz: Bund oder Kantone

Obwohl das bereits im Raumplanungsgesetz verlangt werde, seien die BWG-Daten in den Richt- und Nutzungsplanungen bisher nur lückenhaft berücksichtig worden, scheibt das BWG weiter.

Hugo Raetzo zeigt Verständnis dafür: "Mit unsern Daten wollen wir Leben schützen und auch die Sachwerte. Aber wir können nicht auf tausend Jahre hinaus alles verbieten."

Aber genau da liegt das Problem: Gefährdete Hänge können heute, morgen oder erst in 500 Jahren abrutschen.

swissinfo/Urs Maurer


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