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Podiumsdiskussion Warum in Schweizer Museen die weibliche Kunst fehlt

Ein modernes Gebäude

Im Kulturzentrum "Kosmos" in Zürich haben am vergangenen Montag Vertreter aus der Kunst über den tiefen Frauenanteil in Schweizer Kunstausstellungen diskutiert.

(Kosmos)

Warum ist die Kunst 2019 in der Schweiz immer noch hauptsächlich männlich? Auf der Grundlage der Recherche von SWI swissinfo.ch haben in Zürich Verantwortliche aus der Kunstwelt diskutiert. Welche Massnahmen können ergriffen werden, um das zu ändern? 

In den Jahren 2008 bis 2018 wurden nur 26 Prozent der Einzelausstellungen in den Kunstmuseen der Schweiz Künstlerinnen gewidmet. Das haben SWI swissinfo.ch und RTS in einer gemeinsamen Datenrecherche herausgefunden. 

Lange gab es nur Schätzungen zum Anteil der Kunst von Frauen in Museen, genaue Zahlen haben bisher gefehlt. Am Dienstag haben im Zürcher Kulturzentrum "Kosmos"externer Link deshalb zwei Kuratorinnen und ein Kurator vor einem Publikum von mehr als 100 Personen über den Frauenanteil in Kunstinstitutionen diskutiert. 

Kunstgeschichte muss weiblicher werden

Warum schaffen es nur so wenige Künstlerinnen in die Ausstellungen? Cathérine Hug, Kuratorin des Kunsthauses Zürichexterner Link, nennt vor allem historische Gründe: Seien in den 1920er-Jahren viele Frauen sichtbar gewesen, hätte vor allem die Säuberungswelle der Zwischenkriegszeit und der Zeit des Zweiten Weltkriegs Frauen von der Bildfläche gefegt. 

Wer ist heute nun verantwortlich, die Frauen wieder sichtbar zu machen? Hug findet, neben Kuratorinnen und Kuratoren selbst seien auch Forschende und andere Verantwortliche in der Wissenschaft gefragt. Kathleen Bühler, Kuratorin des Kunstmuseums Bernexterner Link, fügt hinzu: "Die Kunstgeschichte wurde lange von Männern geschrieben. Das muss sich schnellstens ändern".

Kann eine Quote eine Lösung sein?

Bühler ist der Ansicht, dass Kuratorinnen und Kuratoren zwar Verantwortung trügen, aber dass die Arbeit im Stillen nicht reiche. Der Kampf müsse für die Öffentlichkeit sichtbar sein, und Kunstwelt und Publikum müssten an einem Strang ziehen. "Wenn das Publikum nach mehr Künstlerinnen in den Museen verlangt, dann wird der Druck auf die Institutionen grösser, inklusivere Programme zu präsentieren", hält sie fest. 

Eigentlich sei erstaunlich, dass das Publikum nicht bereits heute nach mehr Frauen verlange, denn eine Mehrheit der Besuchenden in den Museen sei weiblich, sagt Damian Christinger, freier Kurator und Publizist. Er will die Museen stärker in die Pflicht nehmen. Seiner Meinung nach sei eine Frauenquote in Ausstellungen die einzig erfolgversprechende Lösung. "Eine Frauenquote für 10 Jahre, 60% Frauen in allen Ausstellungen in allen Museen, die in der Recherche vorkommen", lautet seine Forderung. Die heutige Kunst kämpfe gegen 4000 Jahre Kulturgeschichte, da ist laut Christinger Radikalität gefragt. 

Damit wären aber bei Weitem nicht alle Probleme gelöst, hört er von seinen beiden Diskussionspartnerinnen. Beide plädieren für grosse Anstrengungen der Museen, aber nicht unbedingt mit einer Quote. Was Museen tun könnten? Mehr weibliche Kunst für die Sammlungen der Museen kaufen oder beispielsweise Audioguides bereitstellen, die das Thema Kunst und Gender behandeln, und die historische und die aktuelle Situation, schlägt Bühler vor.

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