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Aargauer Auswanderer


Krisen-Präsident Hoover hatte Schweizer Wurzeln


Von Marie-Christine Bonzom


Herbert Hoover bei seiner Antrittsrede am 4. März 1929 in Washington. ()

Herbert Hoover bei seiner Antrittsrede am 4. März 1929 in Washington.

Schon vor der Wahl ins Weisse Haus war Herbert Hoover ein Mann der Taten und der Reformen. Doch der Börsencrash von 1929 überrumpelte den Nachfahren von Schweizer Emigranten und belastet sein Ansehen bis heute.

Herbert Hoover, dessen Familie ursprünglich aus Oberkulm, Kanton Aargau, stammte, lebte bereits verschiedene Leben, bevor er das höchste Amt der Vereinigten Staaten bekleidete.

Hoover gehörte zur ersten Generation von Abgängern der Stanford-Universität. Als Geologe und Bergbauingenieur forschte er in Australien nach Goldadern und arbeitete auch in China. 1905 gründete er die Zinc Corporation, den heutigen Bergbaukonzern Rio Tinto. Er wurde internationaler Berater, publizierte Bücher über Erze und die Erzindustrie.

Während des Ersten Weltkriegs und kurz danach wurde er zu einem der Pioniere der humanitären Hilfe. Er leitete die Rückführung von 120’000 Amerikanern, die in Europa lebten. Er organisierte Konvois für Belgien und Zentraleuropa, später für das besiegte Deutschland und das bolschewistische Russland. "Egal, welcher politischen Richtung sie angehören, hungernden Menschen muss geholfen werden", erwiderte er den gewählten Republikanern, die ihn kritisierten.

Von allen Seiten umworben...

1919 gründete er die 'Hoover Institution on War, Revolution and Peace'.  Zwei Jahre später wurde er Handelsminister und erweiterte sein Ressort zu einem mächtigen Amt, was ihm den Übernamen "Handelsminister und Vizeminister des ganzen Restes" eintrug.

"Hoover betrachtete die Wirtschaft der USA als nationale Angelegenheit und nicht als ein Aggregat regionaler Wirtschaften. Kaum war er im Amt, verdoppelte er den Personalbestand, entwickelte seine internationalen Aktivitäten weiter, organisierte Konferenzen mit dem Ziel, die aufstrebenden Industrien wie die Luftfahrt, die Filmindustrie in Hollywood und den Rundfunk zu unterstützen", unterstreicht Matthew Schaefer, Archivar der Präsidentenbibliothek in West Branch, dem Geburtsort von Hoover im Staat Iowa.

Die New York Times betitelte ihn als "einen der zehn wichtigsten lebenden Amerikaner", und er wurde von den beiden führenden Parteien, die das politische Leben dominierten, umworben. Die führenden Köpfe der Demokratischen Partei, darunter Franklin Roosevelt, der ihn 1932 schlagen wird, drängten ihn, sich im Namen der Demokraten unter ihrer Flagge für das Weisse Haus zu bewerben. Doch Hoover entschied sich für die Republikaner.

…und angegriffen

"Er wurde 1928 mit einem Erdrutschsieg gewählt, dank seiner Wahlkampagne, die ihn als Krisenmanager lancierte",  erzählt Matt Schaefer. Doch bald schon krachte die Börse an der Wall Street zusammen, die Arbeitslosigkeit nahm zu, und Hoover unterschätzte das Ausmass und die Auswirkungen des Crashs.

"In einer ersten Reaktion erachtete er den Zwischenfall als simple Korrektur einer Wirtschaft, deren Grundelemente solide sind und nur die Spekulanten treffen würde, doch diese Analyse liess sich nur einen Monat aufrechterhalten", erklärt der Archivar.

Hoover wurde von allen Seiten angegriffen. "Von der Linken, die ihn beschuldigte, sich von den Problemen der Leute abzuwenden, und von der Rechten, die ihm Verstaatlichung vorwarf".  Sein Verhalten half auch nicht weiter. "Hoover fühlte sich im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit sehr unwohl, er schrieb lange Reden, die er vor sich hinbrummte, er regierte wie der Chef eines Unternehmens, scherte sich nicht um die gängigen Gepflogenheiten der Politik, kümmerte sich weder um den Rückhalt im Kongress noch in seiner eigenen Partei, obschon er die Mehrheit in beiden Kammern hatte."

Sein Denken verhärtet sich

Hoover war eigentlich das Opfer seines Erfolges, den er bis zu seinem Eintritt in die Politik immer hatte. Misserfolge kannte er nicht, und sein Denken wurde zunehmend rigider. Die Rezession verschlimmerte sich, doch er verweigerte die Erhöhung des Defizits, um den Arbeitslosen zu helfen.

Die Grosse Depression überschattete seine ganze Präsidentschaft wie auch seine Aussenpolitik, obwohl er ein innovativer Geist war. Hoover pflegte als amerikanischer Präsident in der Tat den Internationalismus statt den Interventionismus. Er reduzierte die Aufrüstung und verzichtete auf Krieg als aussenpolitisches Mittel. "Wir müssen uns von der Vernunft, vom Recht und von den freien Abkommen leiten lassen, und nicht von der Macht." Laut Hoover rechtfertigte nur eine Invasion des amerikanischen Kontinents eine amerikanische Teilnahme an einem Konflikt.

Auch 80 Jahre später, während die Vereinigten Staaten ihre grösste Krise seit der Grossen Depression erleben, gilt Hoover im eigenen Land immer noch wenig. "In Belgien oder Polen assoziieren die Menschen den Namen Hoover mit dem humanitären Engagement, während er in den USA als Mistkerl gilt, der dem Volk nicht geholfen hat",  bemerkt Matt Schaefer von der Präsidentenbibliothek.

Hoover, Reagan, Jefferson

Hoovers politische Bilanz und sein ramponiertes Ansehen gründen durchaus in der Tatsache, dass er während der Grossen Depression Präsident war. Sein Einfluss jedoch wirkte nach. Roosevelt, sein Rivale und Nachfolger, ernannte einen seiner Minister zum Verteidigungsminister während des Zweiten Weltkriegs. Truman beauftragte ihn, die Hilfe an Europa nach dem Krieg zu leiten. Eisenhower ernannte seinen Sohn zum Sondergesandten für den Iran und später zum stellvertretenden Aussenminister.

Der Einfluss Hoovers dauert an, jedoch kaum bemerkt von der Öffentlichkeit. "Viele amerikanische Politiker setzen hoover’sche Akzente, berufen sich jedoch eher auf Reagan oder Jefferson, weil Hoover älter als Reagan ist oder zu sehr an die Grosse Depression erinnert", so die die Einschätzung von Matthew Schaefer.

Die Schweizer Herkunft in Kürze

1738:  Der erste Vorfahre, der sich in Amerika niedergelassen hatte, hiess Andreas Huber.

Der Name wurde auf der Passagierliste des Schiffes, das Huber auf die andere Seite des Atlantiks brachte, verändert.

Die Familie stammte ursprünglich aus Oberkulm, Kanton Aargau.

1874: Herbert Hoover wird in West Branch, einem Dorf in Iowa, geboren.

Nach dem frühen Tod des Vaters und der Mutter wächst er bei einem Onkel in Oregon auf.

1964 stirbt er in New York.

Ein Mann der Tat

1932 wird er bei den Präsidentschaftswahlen von Franklin Roosevelt geschlagen.

1929-1933:  31. Präsident der Vereinigten Staaten.

1921-1928:  3. Handelsminister der Vereinigten Staaten in den Administrationen Harding und Coolidge.

1919: Gründung der Hoover Institution in Stanford.

1914-1918 organisiert er die humanitäre Hilfe der Amerikaner während des Ersten Weltkrieges.

Er ist Geologe, Bergbauingenieur, Geschäftsmann, Autor.


(Übertragung aus dem Französischen: Christine Fuhrer), Washington, swissinfo.ch



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