CH-Amerikaner reagieren auf Zwischenwahlen


Von
Susan Vogel-Misicka


Die Amerikaner in der Schweiz scheinen die Abstrafung von Barack Obama durch die Wähler in den Zwischenwahlen gelassen zu nehmen. Überrascht gaben sich wenige, und aussenpolitisch werde sich kaum viel ändern. swissinfo.ch hörte sich um.

Wie vorausgesagt, haben die amerikanischen Wähler ihren Präsidenten Barack Obama und seine demokratische Partei abgestraft: Im Abgeordnetenhaus (House of Representatives) übernahmen die Republikaner die Mehrheit, im Senat kamen die Demokraten mit einem blauen Auge davon.

Die US-Zwischenwahlen, Midterms genannt, gaben weltweit zu reden, und somit auch unter den US-Bürgern in der Schweiz. Die Reaktionen reichen von Genugtuung bis Enttäuschung, aber überrascht gaben sich nur wenige.

"Viel angestaute Frustration und Ärger auf beiden Seiten" sieht Jon McNerney, Professor in Genf und "Ausland-Republikaner", der seit 12 Jahren in der Schweiz lebt. Das habe sich dann in der Tea-Party-Bewegung niedergeschlagen. "Die grosse Sorge um die US-Wirtschaft hat zu einer gehörigen Tracht Prügel geführt – egal für wen, solange er auf verantwortlichem Posten steht."

Sharon Alexander, eine "Ausland-Demokratin" der Parteisektion in Basel, spekuliert gegenüber swissinfo.ch sogar, ob nicht einige Demokraten republikanisch gewählt haben, nur um Obama zu provozieren: "Die Amerikaner wollen eben, dass sich ihr Präsident mindestens derart aufregt wie sie selber. Bush tat das, und hat deshalb so viel Schaden angerichtet. Aber die Wähler konnten sich mit ihm identifizieren."

Sie müsste Obama erst einmal "öffentlich richtig verärgert über die Republikaner erleben, die seine Politik abblocken". Die Amerikaner verstünden dies falsch, und liessen deshalb ihre Frustration an ihm aus.

Einige CH-Amerikaner hätten die Midterm-Wahlen halb aus Spass, halb aus Business-Gründen in der Schweizerisch-amerikanischen Handelskammer in Zürich verfolgt, meint deren Direktor Martin Naville.

"Ich denke, die meisten waren nicht unglücklich, im Kongress (also in beiden Kammern) mehr Überparteilichkeit zu finden. Andererseits schien man froh zu sein, dass die Tea Party nicht zu erfolgreich war."

Naville geht aber nicht davon aus, dass sich jetzt viel ändern werde: "Hier ging es nicht um Aussenpolitik. Die ist ja nicht viel anders als unter Bush, einfach in einem viel besseren Tonfall geführt." An den Beziehungen zwischen den USA und anderen Ländern werde sich wohl auch künftig wenig ändern.


Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle, swissinfo.ch und Agenturen



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