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Klima-Verhandlungen


COP22: Handeln braucht seine Zeit


Von Marine Decrey und Océane Dayer, Swiss Youth For Climate*


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Die Wahl des Klimaskeptikers Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA warf einen dunklen Schatten auf die 22. UNO-Klimakonferenz in Marrakesch. (Paula Dupraz/swissinfo.ch)

Die Wahl des Klimaskeptikers Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA warf einen dunklen Schatten auf die 22. UNO-Klimakonferenz in Marrakesch.

(Paula Dupraz/swissinfo.ch)

Worte in Taten umsetzen: So lautete das Ziel der Klimakonferenz in Marrakesch, nachdem der Vertrag von Paris in Rekordzeit in Kraft getreten war. Doch hat die fast zweiwöchige UNO-Konferenz ihr Versprechen auch wirklich gehalten?

Von Océane Dayer et Lydie-Line Paroz, Swiss Youth For Climate*, Marrakesch

Hauptziel der 22. Internationale Konferenz über das Klima in Marrakesch (COP22) war es, die Modalitäten zur Umsetzung des Pariser Abkommens im sogenannten "Paris Rules Book" zu erarbeiten. Es ging beispielsweise darum, die Form der nationalen Beteiligungen zu bestimmen oder die Fonds zwischen mildernden Massnahmen und Anpassung aufzuteilen.

Doch gingen die Länder schliesslich nicht so weit. Sie legten lediglich fest, dass besagtes Handbuch im Jahr 2018 fertig erstellt sein soll. Es entsteht der Eindruck, dass das Gefühl der Dringlichkeit, das zur raschen Verabschiedung des Pariser-Abkommens beigetragen hatte, sich bereits wieder in Luft aufgelöst hat.

Doch es gibt zwei wichtige Gründe für diese Verzögerung: Erstens braucht es viel Zeit, solche Prozesse zur Umsetzung eines Abkommens und zur Kontrolle der Verpflichtungen auszuarbeiten. Zweitens wurden in Paris wichtige Streitpunkte einfach unter den Teppich gewischt, um eine Einigung auf ein Abkommen nicht zu verhindern. Diese treten nun wieder an die Oberfläche und verzögern die Verhandlungen stark.

Einerseits erklärt die politische Realität also die zeitliche Verzögerung, mit der das Handbuch erscheinen soll. Andererseits erinnert uns aber die wissenschaftliche Realität daran, dass die Zeit drängt: Uns bleiben nur noch fünf Jahre, um die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad Celsius (im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter) zu beschränken.

Aus diesem Grund ist es nur schwer nachzuvollziehen, dass der marokkanische Vorsitz zu Beginn der zweiten Woche erklärte, die Verhandlungen auszusetzen – und die verbleibende Zeit für informelle Ministertreffen zu nutzen.

Es wäre aber falsch, deshalb von einer Konferenz der Untätigkeit zu sprechen. Denn es wurden dennoch einige konkrete Initiativen lanciert. So haben sich beispielsweise unter der Schirmherrschaft des Forums der klimatischen Verwundbarkeit 48 Länder dazu verpflichtet, ihre Energie so schnell wie möglich nur noch aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Und die Plattform 2050 soll Staaten und Nichtregierungsorganisationen ermutigen, auf freiwilliger Basis eine Roadmap zu entwerfen, um bis 2050 klimaneutral zu sein.

Angesichts der Dringlichkeit zu handeln, warf die Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA einen dunklen Schatten auf die erste Verhandlungswoche in Marrakesch. Allerdings ist es noch zu früh, um zu sagen, in wie fern Trump seine angekündigten Drohungen auch umsetzen wird.

Zudem hat China – eher bekannt für seinen grossen CO2-Ausstoss – bereits bestätigt, nicht von seinem Engagement abweichen zu wollen. Schliesslich wird die Wahl Trumps regionale Bewegungen, Bürger und Bürgerinnen sowie den Privatsektor nicht daran hindern, ihre Bemühungen zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaft fortzusetzen.

Die COP22 ist also als eine Art "Konferenz vor der Handlung" zu verstehen, an der die Staaten die Wichtigkeit ihres Engagements und Handelns unterstrichen: Einerseits indem sie die "Proklamation von Marrakesch" verabschiedeten. Und andererseits, indem sie Schritt für Schritt die Vorbereitungen zur Umsetzung des Abkommens von Paris trafen.

Mehr als je zuvor ist der politische Wille der Schlüssel zum Erfolg. Aus diesem Grund zeigen sich verschiedene Beobachter beunruhigt darüber, dass Polen damit beauftragt wurde, 2018 die COP24 durchzuführen. Die rückständige Umweltpolitik des Landes könnte diesen Willen bremsen.

In den kommenden zwei Jahren werden die Staaten nach und nach das Pariser-Abkommen ratifizieren und die Details zu dessen Umsetzung aushandeln. Vor allem aber werden sie – das hoffen wir zumindest – ihre Bemühungen zur Reduktion des CO2-Ausstosses und zur Finanzierung der Massnahmen verstärken.

Denn nur wenn wir sofort damit beginnen, bleibt die Möglichkeit bestehen, das Schlimmste doch noch verhindern zu können. 2018 steht das nächste Treffen über die Zukunft des Pariser-Abkommens und somit der Erde an.

*Swiss Youth For Climate ist eine neutrale Nichtregierungsorganisation. Gegründet wurde sie 2015. Ihr Hauptziel ist es, der Jugend einen Platz in der politischen Debatte zum Klimawandel zu geben.


(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)

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