Presseschau Trump erklärt den Medien den Krieg

In Langley, Virginia, sprach Donald Trump in der Zentrale des Auslandgeheimdiensts CIA vor der weissen Marmorwand, in der bisher 117 Sterne für die im Dienst gefallenen Agenten stehen.

In Langley, Virginia, sprach Donald Trump in der Zentrale des Auslandgeheimdiensts CIA vor der weissen Marmorwand, in der bisher 117 Sterne für die im Dienst gefallenen Agenten stehen.

(Keystone)

Washington und die USA haben hektische Tage hinter sich. Am Freitag die Amtseinführung des neuen Präsidenten Donald Trump, am Samstag grosse Massendemonstrationen gegen seine Politik in zahlreichen Städten. Trump verstrickte sich dabei in einen Streit um die Teilnehmerzahlen, die laut Presse tiefer als bei Obamas Amtseinführung 2009 waren. Am Montag liessen sich die Kommentare in den Schweizer Zeitungen allerdings an einer Hand abzählen.

Unter dem Titel "Und Gott sah, dass es viele waren", kommentieren Tages-Anzeiger und Der Bund am Montag die ersten Stunden und Tage des neuen US-Präsidenten. Dieser hatte sich übers Wochenende eine Schlacht mit den Medien um die Teilnehmerzahl an seiner Amtseinführung geliefert.

Besonders ein Tweet – Twitter ist Trumps Lieblingskanal – gewährt einen Einblick in seine selbstbezogene Weltsicht: "Wow, die TV-Quoten sind soeben gekommen: 31 Millionen schauten sich die Amtseinführung an, 11 Millionen mehr als die sehr guten Quoten von vor 4 Jahren!"

Auch in Washington seien so viele Leute gewesen wie noch nie, nur hätten die TV-Stationen absichtlich "eine leere Wiese" gezeigt, wetterte Trump. Während seine Presseleute diese Darstellung der Dinge "Alternative Fakten" nennen, belegen laut Der Bund und Tages-Anzeiger die Luftbilder anderes: "Sowohl was Vergleiche mit Barack Obamas Inauguration 2009 sowie mit den grossen Protestmärschen des Samstags angeht. Vor und nach Trump war die Stadt voller."

Vermutlich sei seine zweite Rede sowieso wichtiger gewesen, weil er diese vor dem Auslandgeheimdiensts CIA gehalten habe. Doch auch dort habe er vor allem über sich selber gesprochen. Der Rasen sei während seiner Antrittsrede "vollgepackt" gewesen, und Gott habe für ihn "den Regen aufgehalten", und sein Onkel sei Professor am MIT gewesen ("Vertraut mir, ich bin eine kluge Person."), und Amerika hätte beim Abzug aus dem Irak "besser das Öl behalten". "Es war eine dieser Sprachtrümmerreden, für die Trump berüchtigt und beliebt ist und die uns nun vier Jahre lang drohen."

Die beiden Zeitungen kommen zum Schluss: "Die US-Medien haben das Wochenende gut gemeistert", sie hätten "die Behauptung von Trumps Pressesprecher zur vollsten Wiese 'aller Zeiten' so kritisch beleuchtet wie Trumps CIA-Auftritt. Doch das werden lange, strenge Jahre für Reporter, die ihre Wachhund-Aufgabe ernst nehmen".

Tage zählen

Die beiden Westschweizer Zeitungen 24 heures und Tribune de Genève schreiben unter dem Titel "Die harte Realität von Trump", "die Strasse sagte Nein, und Donald Trump gefiel das nicht". Während sich Millionen Frauen und Männer am Samstag an Demonstrationen gegen seine Präsidentschaft in den US-Städten versammelt hätten, beharre er immer noch auf der Feststellung, bei der Amtseinführung seien zu tiefe Zahlen gemeldet worden.

"Was spielen Fotos, Videos und Augenzeugenberichte für eine Rolle, die zeigen, dass Donald Trump Unrecht hatte. Dieser hat sich sichtlich dazu entschieden, die Blase mit Kraft zu verteidigen, in die er sich im Weissen Haus einschliessen will."

Der Marsch der Frauen habe einen Eindruck davon gegeben, was zu erwarten gewesen wäre, wenn mit Hillary Clinton eine Frau ins Weisse Haus eingezogen wäre, so der Kommentator weiter. "Er zeigte auch den strategischen Fehler der ehemaligen Aussenministerin, welche die meiste Zeit damit verbracht hatte, ihren Konkurrenten während des Wahlkampfs zu diskreditieren und dabei vergessen hat, mit den Amerikanern zu sprechen, die nur darauf gewartet hatten, gehört zu werden und sich für ihre Kandidatur zu begeistern."

Die Demonstrationen zeigten, dass Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner willens seien, Trump zu antworten, "sollte er die Krankenversicherung, den Umweltschutz oder die Frauen- und Minderheitenrechte angreifen". Und weiter: "In diesem Zusammenhang kann der 45. Präsident der USA weiterhin die Realität dieser Opposition gegen seine Politik und Person verneinen, doch Tatsache ist, dass die Strasse bereits die Tage bis zu den nächsten Parlamentswahlen im November 2018 zählen."

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