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Privatjets autoritärer Regime


Roboter meldet in Genf Flugzeuge von Diktatoren




Nach Paris-Le Bourget ist der Genfer Flughafen die zweitwichtigste Destination für Geschäftsflüge in Europa. (getty Images)

Nach Paris-Le Bourget ist der Genfer Flughafen die zweitwichtigste Destination für Geschäftsflüge in Europa.

(getty Images)

Eine Open-Source-Software, die im April von Enthüllungs-Journalisten lanciert wurde, macht auf dem Genfer Flughafen Flugzeuge ausfindig, die autoritären Regimen gehören und schlägt über Twitter Alarm. Die Erfinder des "GVA Dictator Alert" versuchen, diesen Radar auch auf anderen Flughäfen unterzubringen.

Wie die Vampire scheuen auch Diktatoren das Licht bei ihren finanziellen Angelegenheiten. Diese Schattenseiten wollen François Pilet und seine Kollegen von der investigativen Journalismus-Agentur "vesper.media" erhellen.

Das von Julien Pilet (Informatiker und Vetter von François) entwickelte Programm wird mit Daten gefüttert, die von Antennensystemen der "plane spotters" (Aviatik-Begeisterte, die Flugbewegungen auf Flughäfen erkunden) erfasst werden. Die Flugzeuge geben Signale ab, welche die Flug-Nummer und die Position angeben.

Die Daten werden vom Roboter der Agentur aufgrund einer Liste mit rund 100 Flugzeugen eingescannt, von denen etwa 20 diktatorischen Regimes gehören. Jedes Mal, wenn eines dieser Flugzeuge – meist Privatjets – auf dem Flughafen Genf-Cointrin aufsetzt, schlägt der Roboter über Twitter Alarm.

Die Journalisten haben die Software im Rahmen ihrer Recherchen über den Clan des Präsidenten von Äquatorialguinea, Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, entwickelt. Das für seinen hohen Korruptionsindex bekannte Regime unterhält enge Beziehungen mit Genf.

"Der Clan ist Champion des Jahres. Von den rund 100 Flugbewegungen, die der Roboter ausfindig gemacht hat, wurden 30 von Flugzeugen des Obiang-Clans ausgeführt. Eine Dichte, die sich nicht allein mit diplomatischen Beziehungen erklären lässt", sagt François Pilet.

Die Genfer Staatsanwaltschaft hat in diesem Jahr eine Untersuchung eröffnet gegen Teodorin Obiang, den Sohn des Diktators von Äquatorialguinea, gegen den auch in Frankreich wegen Korruption und Geldwäscherei ermittelt wird. Ein Teil dieser Gelder soll über die Schweiz verschoben worden sein.

Tatsächlich interessieren sich die Enthüllungsjournalisten weniger für die Privatjets der Diktatoren als vielmehr für deren Korruption und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Genf ist gleichzeitig ein Zentrum für die weltweite Diplomatie als auch ein renommierter und zweifelhafter Finanzplatz.

"In Sachen Steuerhinterziehung und Geldwäscherei hat die Schweiz mit anderen reichen Ländern grosse Anstrengungen unternommen, aber nichts oder fast nichts mit den Ländern des Südens", kritisiert François Pilet.

Die Tweets des Roboters machen keine Angaben zum Reisegrund der Diktatoren. "Aber jedes Mal, wenn die Jets in Genf landen, sollte man sich fragen, weshalb", sagt der Schweizer Journalist, der auch häufige Ankünfte und Abflüge der regierenden Familien aus Katar, Kuwait und Saudi-Arabien registrierte.

Auch dies Länder, die auf der Liste der diktatorischen Regimes figurieren, die alle zwei Jahre vom bekannten britischen Magazin "Economist intelligence unit" erstellt wird. Die Agentur "vesper.media", die sich auf diese Liste beruft, begnügt sich nicht mit dem Genfer Flughafen. Sie hofft, in den nächsten Wochen weitere Programme zu installieren, zum Beispiel in Paris, London oder Zürich.

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(Übertragen aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)

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