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Sanierung ohne zweite Röhre


Von Gerhard Lob


Die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels ist auch ohne zweite Röhre möglich. (Keystone)

Die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels ist auch ohne zweite Röhre möglich.

(Keystone)

Der Gotthard-Strassentunnel muss totalsaniert werden - eine Vollsperrung von 900 Tagen oder umgerechnet fast drei Jahren ist nötig. Dafür soll der Zugverlad für Autos und Lastwagen reaktiviert werden. Die Alpeninitiative jubelt, der Kanton Tessin ist alarmiert.

Die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels gibt seit geraumer Zeit zu hitzigen Diskussionen Anlass. Die 1980 eingeweihte, 17 Kilometer lange Röhre ist die wichtigste Nahtstelle im Nord-Süd-Verkehr durch die Schweiz und muss dringend baulich erneuert werden.

Vordinglich sind eine Anhebung der Decke, eine Erneuerung der Ventilation sowie die Verwirklichung neuer Sicherheitsrichtlinien. Die Arbeiten sollen zwischen 2020 und 2025 erfolgen, also nach der Inbetriebnahme des neuen Eisenbahn-Basistunnels am Gotthard.

Am Freitag hat der Bundesrat nun Varianten aufzeigt, wie die Sanierung des Strassentunnels erfolgen kann. Bundesrätin und Verkehrsministerin Doris Leuthard stellte den Bericht in Bern vor. Wichtigstes Element: Der vom Bundesamt für Strassen ausgearbeitete Bericht will die Sanierung ohne den Bau einer zweiten Tunnelröhre vornehmen.

Genau dies war aber von verschiedener Seite gefordert worden. Doch laut Bundesrat hätte eine zweite Tunnelröhre mit Kapazitätserweiterung verfassungsrechtliche Konsequenzen und wäre zudem bis zum Beginn der Sanierungsarbeiten kaum fertig zu stellen. Auch die Baukosten für eine weitere Röhre wären sehr hoch.

2,5 Jahre oder 3,5 Jahre gesperrt

Damit die Sanierungsarbeiten durchgeführt werden können, muss der Gotthard-Strassentunnel demnach während der Arbeiten für den Verkehr total gesperrt werden, und zwar während einer Dauer von rund 900 Tagen.

Das Bundesamt hat dafür zwei so genannten Optimal-Varianten vorgelegt. Gemäss der ersten Variante soll der Tunnel für 2,5 Jahre gesperrt bleiben, und zwar 365 Tage pro Jahr. Die Kosten für diese Sanierung an einem Stück betragen (ohne Verkehrsmanagement) 650 Mio. Franken.

Bei der zweiten Optimal-Variante würde der Tunnel während 280 Tagen pro Jahr geschlossen, wobei die Sperrung von Mitte September bis Ende Juni erfolgt und der Tunnel somit im Sommer, während der Hauptreisezeit, zur Verfügung steht. Dauer der Bauarbeiten rund 3,5 Jahre. Sanierungskosten (ohne Verkehrsmanagement) 752 Mio. Franken.

Reaktivierung des Autoverlads

Die Gretchenfrage ist allerdings: Wie soll das gewaltige Verkehrsvolumen auf der Strasse während der Vollsperrung abgewickelt werden? Heute verkehren allein weit über 1 Million Lastwagen pro Jahr durch den Gotthard-Strassentunnel.

Gemäss dem vorgelegten Grundlagenbericht steht für den Personenverkehr die Einrichtung eines Autoverlads durch den Gotthard-Scheiteltunnel (Göschenen-Airolo) im Vordergrund. Für den Güterverkehr sei die Einrichtung einer "Rollenden Landstrasse" durch den neuen Gotthard-Basistunnel (Erstfeld - Bodio) denkbar. Im Sommer können Autos natürlich die Passstrasse über den Gotthard verwenden.

Allerdings gesteht der Bundesrat ein, dass insbesondere die Anrainerkantone Tessin und Uri negative Auswirkungen zu gewärtigen haben. Tatsächlich wird Uri zu einer Art Sackgasse, während das Tessin in der Zeit der Totalsanierung abgeschnitten wird beziehungsweise nur noch via San-Bernardino-Tunnel auch im Winter auf der Strasse erreichbar ist.

Kritik und Beifall

Der vom Bundesrat vorgelegte Bericht hat denn erwartungsgemäss im Tessin zu heftiger Kritik geführt. "Dieses Szenario besorgt uns sehr", sagte der Tessiner Regierungspräsident Luigi Pedrazzini (CVP) auf Anfrage. Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer langen Totalsperrung seien erheblich.

In einem Communiqué  spricht die Tessiner Kantonsregierung von Massnahmen, "welche die Interessen des Kantons in gravierender Weise verletzen".  Bemängelt wird zudem, dass der Kanton nicht bei der Ausarbeitung des Grundlagenberichts miteinbezogen wurde. Die Lega dei Ticinesi nennt das Szenario eine "Ohrfeige für das Tessin" und fordert erneut eine zweite Röhre.

Ganz anders der Tonfall der Alpeninitiative, welche die Vorschläge des Bundesrats "als  gute Gesprächsgrundlage bezeichnet".  Das Konzept mit Verlademöglichkeiten für

Personen- und Lastwagen enthalte ein hohes Optimierungspotential im Sinne der Interessen der direkt betroffenen Alpenkantone.

Es biete zusätzlich die Chance, gleichzeitig die vom Volk 1994 beschlossene Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs auf die Schiene umzusetzen. Die Schweiz muss laut Verfassung die Zahl der alpenquerenden LKW eigentlich auf 650'000 beschränken.

Kritisch äussert sich hingegen der Touring Club Schweiz. "Der Bundesrat präsentiert mit seinem Sanierungsbericht eine gesalzene Rechnung, die primär vom Tessin, der Zentralschweiz, Graubünden und dem Wallis zu begleichen sein wird",  heisst es in einer Stellungnahme.

Diese Situation sei der "Leichtfertigkeit der Behörden bei der Infrastrukturplanung zu verdanken". Man habe von Behördenseite viel zu lange gewartet, dieses schwierige Problem anzugehen.

Gotthard-Strassentunnel

November 1969:
Erste Vorbereitungen für Durchbohrungs-Arbeiten.

5. Mai 1970:
Baubeginn.

5. September 1980: Eröffnung.

Länge Gotthard-Strassentunnel:
16'918 Meter.

SICHERHEIT Gotthard-Strassentunnel

Eine Kollision zwischen zwei Lastwagen forderte am 24. Oktober 2001 elf Tote. Die Schadenssumme betrug rund 14 Mio. Franken. Der Tunnel war während zwei Monaten geschlossen.

Um die Sicherheit zu erhöhen, wurde die Infrastruktur immer wieder verbessert. Verbesserungen wurden auch in Bezug auf die Verkehrsführung getroffen.

Für die Lastwagen wurde das Tropfenzählsystem eingeführt. Dank diesem System konnte die Anzahl von täglich 3'500 Lastwagen, die durch den Tunnel fahren, stabilisiert werden.

swissinfo.ch



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