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Schweiz und Italien unterzeichnen Kulturverträge


Der Schweizer Kulturminister Pascal Couchepin und sein italienischer Amtskollege Francesco Rutelli haben am Freitag in Rom zwei Verträge unterzeichnet, die Einfuhr und Rückführung von Kulturgütern regeln.

Das Abkommen vereinfacht insbesondere die Rückkehr von illegal exportierten archäologischen Kulturgütern in das jeweilige Herkunftsland.

"Dieses Abkommen ist wichtig für Länder, die vom illegalen Handel mit Kulturgütern betroffen sind", sagte Pascal Couchepin am Freitagabend in Rom. Die Schweiz sei der zweitgrösste Kunstmarkt der Welt, es sei deshalb richtig, dass dieser Markt nach "ethischen Regeln" funktioniere.

Die Einigung ermöglicht, illegal exportierte Kulturgüter aus der Zeitspanne von 130'000 v. Chr. bis 1500 n. Chr. einfacher in das jeweilige Ursprungsland zurückzuführen. Künftig werden bestimmte Objekte nur noch mit einer entsprechenden Bewilligung der zuständigen Behörden eingeführt werden können.

Höchste Zeit

Das neue Abkommen tritt voraussichtlich in der ersten Hälfte 2007 in Kraft. Es ist das erste Abkommen mit einem anderen Land, das die Schweizer Regierung (Bundesrat) gestützt auf das Kulturgütertransfer-Gesetz von 2003 abschliesst.

Aufgrund seines grossen kulturellen und archäologischen Reichtums sei die Unterzeichung für Italien dringend gewesen, sagte der Sprecher des Schweizer Innenministeriums (EDI), Jean-Marc Crevoisier.

Auch Filmabkommen

Weiter wurden in den Verträgen das Abkommen über schweizerisch-italienischen Koproduktionen im Filmbereich revidiert. So wurde die finanzielle Mindestbeteiligung des Minderheits-Koproduzenten von 30 auf 20% reduziert. Die Regelung soll Film-Koproduktionen fördern.

Die beiden Länder einigten sich zudem darüber, dass Schweizer beim Besuch von italienischen Museen die gleichen Vorteile erhalten wie EU-Bürger.

Filmfestivals: Kooperieren, nicht konkurrieren

In Zukunft sollen Schweizer Touristen, die italienische Kulturinstitutionen besuchen, in den Genuss von besseren Eintrittsbedingungen kommen. Dazu gehören Vergünstigungen für Jugendliche und Preisreduktionen für ältere Menschen.

Die beiden Minister haben zudem ihren gemeinsamen Wunsch bekräftigt, bei den Filmfestivals von Locarno, Venedig und Rom verstärkt zusammenzuarbeiten. Sie wollen künftig Synergien verbessern, um einen Konkurrenzkampf zwischen den Festivals zu verhindern.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Der Schweizer Kunstmarkt hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt.

Zusammen mit dem Waffen- und Drogenhandel steht der Handel mit Raubkunst zuoberst auf der Liste des organisierten Wirtschaftsverbrechens.

Die Schweiz verfügt seit 2003 über ein Kulturgütertransfer-Gesetz. Dies ist die Grundlage für die Ratifizierung der UNESCO-Konvention über den Handel mit Kunst- und Kulturgütern.

Italien, Land der Kunst

Die UNESCO schätzt, dass sich 60% aller Kunstschätze auf der Welt in Italien befinden.

Ein Gesetz von 1939 sagt, dass alle Kunstwerke und Kulturgüter, die fortan entdeckt werden, dem Staat gehören und nicht exportiert werden dürfen.

Viele der Schätze werden jedoch gestohlen und landen auf dem internationalen Kunstmarkt (vor allem in Museen in Europa und den USA). Die Route führt oft durch die Schweiz.

Spektakulär war der Fall des italienischen Kunsthändlers Giacomo Medici, bei dem bei einer Razzia tausende von Fotografien und gestohlene Kunstgegenstände zum Vorschein kamen. Medici erhielt 10 Jahre Gefängnis.



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