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Schweizer Botschaft in Berlin Schraner Burgeners letzter Abend im Zeichen der "Female Diplomacy"

Eine Frau sitzt in einem violetten Kleid auf einem Sessel und schaut in die Kamera.

Frauenförderung in der Aussenpolitik liegt Botschafterin Christine Schraner Burgener am Herzen: “Man muss die Chancen packen und nicht zögern“, sagt sie. Auch deshalb wechsle sie nun zur UNO.

(Keystone)

Christine Schraner Burgeners letzter Abend als Schweizerische Botschafterin in Berlin dreht sich um ein Thema, das ihr am Herzen liegt: Frauen in der Aussenpolitik.

Am kommenden Mittwoch wird sie nach New York fliegen und dort ihre neue Position als Sondergesandte der Vereinten Nationen für Myanmar antreten. Vergangenen Dienstagabend hielt sie Wort und öffnete die Botschaft für die Präsentation eines Buches, das Beiträge von Frauen über Themen der Aussen- und Sicherheitspolitik vereint. Auch Christine Schraner Burgener ist in dem Band vertreten.

Drei Jahre lang leitete sie die eidgenössische Vertretung in Berlin. “Es fällt mir nicht leicht zu gehen. Ich habe in Deutschland viele Freundschaften geschlossen“, räumt sie in dem vollbesetzten Saal der Botschaft ein. Durch die Menge gehen ein überraschtes Raunen und dann ein kräftiger Applaus. Viele hören zum ersten Mal von Schraner Burgeners Abschied und bedauern ihn.

Die Spitzendiplomatin hat sich in Berlin viele Sympathien erworben und Netzwerke geknüpft. Sie war angetan von der Idee des Sammelbandes und sagte sofort ihre Mitarbeit zu. Die Idee dazu kam der Herausgeberin Elisabeth Motschmann 2017 auf der wichtigen Münchner Sicherheitskonferenz, als sich die weiblichen Teilnehmer quasi am Katzentisch trafen und auf kaum einem Podium vertreten waren. “Aussen- und Sicherheitspolitik ist national und international weitgehend eine Männerdomäne“, kritisiert Motschmann.

Elisabeth Motschmann (Hrsg.): Female Diplomacy – Frauen in der Außenpolitik (Beiträge u.a. von Ursula von der Leyen, Christine Schraner Burgener, Michelle Müntefering, Ursula Plassnik). Herder Verlag 2018, 239 Seiten, CHF 29.90.

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Der Ärger über diese Erfahrung war für die CDU-Bundestagsabgeordnete der Auslöser, Frauen in den unterschiedlichsten Feldern der Aussen- und Sicherheitspolitik um ihre Sichtweise zu bitten. Heraus kam ein lesenswertes Kompendium über “Female Diplomacy“.

Eine andere Sichtweise

Die 20 Beiträge sind eine Mischung aus persönlichen Erfahrungsberichten und politischen Analysen, die in erster Linie eines zeigen: Sachverstand und nicht das Geschlecht sollten im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Zugleich steht die Frage nach einer anderen, weiblichen Diplomatie im Raum. Sind Frauen bessere Vermittler – wenn man sie nur lassen würde? Darüber gehen die Meinungen der Autorinnen auseinander. Frauen sind keine besseren aber auch keine schlechteren Diplomaten, findet Schraner Burgener. Aber: “Sie bringen oft eine andere Sicht mit ein, die besonders der Verhandlungsführung zugutekommen kann.“

Die könnte in Zukunft mehr gefragt sein denn je. “In den letzten vier Jahren hat sich das Grundmodell der Aussenpolitik grundlegend geändert“, so Norbert Röttgen, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, der das Buch vorstellte. Nationale Egoismen, regionale Kriege, die Flüchtlingskrise und der Machtwechsel im Washington hätten die europäische Aussenpolitik vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Sie müsse auf diese Paradigmenwechsel mit anderen Modellen, Mentalitäten und mehr Risikobereitschaft reagieren. Dabei seien auch die Frauen gefragt. Das Buch habe insofern ein Momentum getroffen.

Tweet der Schweizer Botschaft in Berlin

Tweet der Schweizer Botschaft in Berlin, auf dem das neue Buch 'Female Diplomacy' zu sehen ist.

„Politik muss berühren“

Wie eine von Frauen mitgestaltete Aussenpolitik aussehen kann, erschliesst sich beim Lesen der Beiträge. Ursula Plassnik, derzeit österreichische Botschafterin in der Schweiz und frühere Aussenministerin des Nachbarlandes, betont, wie wichtig Frauen unter anderem für den Wiederaufbau von Strukturen in Krisenregionen seien. Die Aussenministerin Liechtensteins Aurelia Frick bekennt sich dazu, dass Politik neben der faktischen auch eine emotionale Ebene besitze: “Politik muss berühren“, sagt sie. Frauen trauten sich eher dies einzugestehen und zu zeigen als Männer.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wünscht sich “dass das Geschlecht irgendwann genauso wenig eine Rolle spielt wie die Schuhgrösse“. Schraner Burgener plädiert für die Zeit bis dahin für eine Quote. Doch noch, so kritisieren die Autorinnen, haben Frauen es im Bereich der Aussen- und Sicherheitspolitik weitaus schwerer als Männer, gehört zu werden und Einfluss zu nehmen.

150 Jahre Schweizer Vertretung in Berlin "Natürlich bin ich Feministin"

Ungewöhnliche Frauenpower in der Diplomatie: In der Schweizer Botschaft in Berlin werden heute alle Abteilungen von Frauen geleitet.

Frauen fördern und vernetzen

Alte Stereotype verschwinden nur langsam. Als Schraner Burgener vor drei Jahren von der Schweizer Botschaft in Bangkok nach Berlin kam, stellte die erfahrene Diplomatin erstaunt fest, wie verankert trotz gesellschaftlichem Wandel traditionelle Geschlechterbilder in der deutschen Politik noch sind. “Ich dachte damals eigentlich, das Thema wäre gegessen“, erinnert sie sich. Da dem nicht so war, nutzte sie ihre Zeit als erste Botschafterin der Schweiz in Deutschland immer wieder auch, um Frauen in der diplomatischen Szene zu fördern und zu vernetzen.

Ihr eigener Beitrag in dem Sammelband beschreibt anschaulich die vielen Hürden, die es im Department für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) im Laufe ihrer Karriere zu nehmen galt, aber auch die konstruktive gemeinsame Suche nach Lösungen, um die Strukturen des EDA frauen- und familienfreundlicher zu gestalten.

Mit Enthusiasmus zur UNO

Schraner Burgener verbindet ihren Abschied mit einem Appell an Frauen, ihren Weg in der Welt der Aussenpolitik zielstrebig zu verfolgen, ob im diplomatischen Dienst, in der Politik oder in einer Organisation. “Man muss die Chancen packen und nicht zögern“, sagt sie. Auch deshalb wechsle sie nun zu den Vereinten Nationen.

Sie schaue mit viel Enthusiasmus auf ihre neue Aufgabe, auch wenn ihr Berlin sehr ans Herz gewachsen sei. Bis August wird sie – wenn sie nicht unterwegs ist – noch in der Residenz der Botschafterin wohnen, zu rasch für ihren Umzug kam die Ernennung. Am 8. Juni, beim lang geplanten festlichen deutsch-Schweizer Abend in Berlin, kann sie sich dann offiziell verabschieden. “Dann werde ich dann Gast meiner eigenen Einladung sein“, sagt sie lachend.

swissinfo.ch

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