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Schweizer Film Mit "Ma vie de Courgette" ist der Schweizer Animationsfilm sichtbarer geworden

Storyboard for Chris the Swiss

"Chris the Swiss" repräsentiert ein neues Genre im Schweizer Kino: eine Mischung aus Dokumentar- und Animationsfilm.

(swissinfo.ch)

Der Erfolg des Spielfilms "Ma vie de Courgetteexterner Link", der 2017 für einen Oscar nominiert wurde, verlieh dem Schweizer Animationskino seinen Höhepunkt. Es gibt jedoch noch viele Hindernisse zu überwinden, um Finanzierungsquellen und Vertriebskanäle zu finden.

Am letzten Animationsfilm-Festival Fantocheexterner Link in Baden traf swissinfo.ch Animatoren und Produzenten, um über die Entwicklung dieser speziellen Kunstform und die Herausforderungen in einem kleinen Land wie der Schweiz zu diskutieren, in dem nur begrenzte Mittel zur Verfügung stehen und Sprachbarrieren zu überwinden sind.

"Animationskino ist grossartig. Man kann sich fast alles vorstellen. Deshalb ist es bei der Entscheidung, ob es finanziert wird oder nicht, etwas schwierig, die Regeln des traditionellen Geschichtenerzählens anzuwenden. Auch andere Faktoren müssen berücksichtigt werden", sagt Gabriela Bloch Steinmann vom Deutschschweizer Fernsehen SRF.

Wer finanziert das Schweizer Kino?

In der Schweiz kann es Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis man die notwendigen Mittel für einen Film gefunden hat. Nichtsdestotrotz entstehen immer mehr Animations-Spielfilme, weshalb auch die finanziellen Mittel dafür steigen.

Zwei der Hauptbeteiligten an der Finanzierung des Schweizer Kinos sind das Bundesamt für Kulturexterner Link (BAK) und die in den Landessprachen angebotenen Programme des Schweizer Radio- und Fernsehensexterner Link (SRF/RTS/RSI). Die Produzenten sagen, es sei schwierig, einen Film in der Schweiz ohne deren Unterstützung zu finanzieren. Der grösste Teil des finanziellen Kuchens, der für die Herstellung von Animationsfilmen benötigt wird, kommt jedoch in der Regel durch internationale Zusammenarbeit zustande.

Für die besten Animationsfilm-Projekte stellt die SRG SSR, zu der auch swissinfo.ch gehört, einen Fonds von einer Million Franken pro Jahr zur Verfügung. Die meisten davon sind Kurzfilme. Anträge auf Förderung können viermal im Jahr gestellt werden. Sie werden in den drei wichtigsten Sprachregionen des Landes gesammelt und von einem zentralen Ausschuss geprüft.

Gabriela Bloch Steinmann ist für deutschsprachige Projekte verantwortlich. Die Kriterien für die Entscheidung, ob ein Projekt unterstützt werden soll oder nicht, reichen von der Stichhaltigkeit des vorgelegten Budgets bis zur künstlerischen Qualität des Projekts. "Die Idee muss packend sein, frisch. Manchmal erhalten wir dreissig Projekte mit hoher Qualität auf einmal. Zu anderen Zeiten gibt es nur zehn Bewerbungen mit geringer Qualität." 

Von "Röstigraben" bis zum Kino

In der Westschweiz haben sich die Kantone zusammengeschlossen, um einen gemeinsamen Pool zu schaffen, der den Zugang zu Finanzierungen für Direktoren erleichtert. Izabela Rieben, die selbst Animationsfilme macht, ist Expertin für Geschlechterfragen und arbeitet beim französischsprachigen öffentlich-rechtlichen Radio RTS.

Laut Fred Guillaume von der Stiftung Weiterbildung Film und Audiovisionexterner Link (FOCAL). reichen deshalb viele deutschsprachige Filmemacher ihre Anträge direkt bei RTS ein. Guillaume ist ein ausgewiesener Kenner der Schweizer Animationsszene. Mit "Max & Coexterner Link" hatte er selber den teuersten Schweizer Animationsfilm aller Zeiten inszeniert (30 Millionen Franken Budget gegenüber 8 Millionen für "Ma vie de Courgette").

Die Sprachgrenze manifestiert sich jedoch auf andere Weise: "Die meisten Kurzfilme sind stumm, so dass sie besser zwischen den verschiedenen Sprachregionen zirkulieren können. Allerdings gibt es erhebliche kulturelle Unterschiede in der Art und Weise, wie ein Film gemacht wird. Es ist wirklich schwierig, universell zu sein", sagt Guillaume.

Bloch Steinmann bestätigt. "'Ma vie de Courgette' war ein grosser Erfolg in der Westschweiz, aber nicht in der Deutschschweiz oder Deutschland. Es ist schwierig für Animationsfilme, Sprachbarrieren zu überwinden."

Mangel an Produzenten

Ein weiteres Hindernis ist der Mangel an erfahrenen Produzenten in der Schweiz. Um dies zu beheben, sollte die Produktion als integraler Bestandteil des Film-Produktionsprozesses und nicht als separate Einheit betrachtet werden, sagt Guillaume. "Es ist notwendig, einen guten Produzenten zu haben, ein gut etabliertes Budget, den Prozess zu kontrollieren und die richtigen Leute einzustellen. Auf diesem Gebiet gibt es noch viel zu tun", sagt der Spezialist.

Die Zürcher Produktionsfirma Dschoint Ventschrexterner Link hatte wenig Erfahrung mit Animation und machte deshalb einen Vertrauensvorschuss, als sie sich bereit erklärte, "Chris the Swiss" zu produzieren, einen Animations-Spielfilm, der im Rahmen des Fantoche-Festivals gezeigt wurde. "Wir mögen neue Formate und dachten, das Thema sei wichtig", sagt Seraina Gabathuler, die Produzentin des Films.

Dschoint Ventschr konnte für diesen Film, dessen Handlung sich auf dem Balkan abspielt, kein geeignetes Animationsstudio in Kroatien finden. Die Zürcher Firma musste daher von Grund auf ein eigenes Studio gründen, das später von der kroatischen Regierung geschlossen wurde. Die lokalen Behörden hatten den Produzenten gesagt, dass sie für jeden in Kroatien investierten Kuna entschädigt würden, aber die Versprechen wurden nicht eingehalten. 

Wissensaustausch

Gabriela Bloch Steinmann glaubt, dass man aus den Erfahrungen von Dschoint Ventschr viel lernen kann: "Rita Productions (der Genfer Produzent von 'Ma vie de Courgette') und Dschoint Ventschr sind grosse Produzenten mit internationalen Kontakten, aber sie mussten auf eigene Kosten lernen, was es bedeutet, Animationsfilme zu machen."

Dieser Erfahrungsaustausch ist dank eines neuen Programms namens ANIMAPRODexterner Link, das von FOCAL lanciert wurde, gerade am Entstehen. Es ist der Verbesserung der Produktionskompetenz bei Animationsfilmen gewidmet. 2019 soll eine Reihe von Seminaren organisiert werden, die sich an professionelle Filmemacher aus den Bereichen Animation, Fiktion und Dokumentation richten.

"Sie werden insbesondere lernen, wie das System funktioniert, wo sie Mittel bekommen und wie sie Unterstützung beantragen können", erklärt Guillaume. 

Die Auswirkungen von "Mein Leben als Zucchini"

In den Augen von Bloch Steinmann hat die Oscar-Nominierung von "Ma vie de Courgette" (auf Deutsch: "Mein Leben als Zucchini") den Animationsspezialisten in der Schweiz Türen geöffnet. "Andere Kultursponsoren sind sich dieses Genres inzwischen bewusst. Das Animationskino ist immer sichtbarer geworden."

Ist die Schweiz trotz der oben genannten Hindernisse ein guter Nährboden für die Produktion von Animationsfilmen? Bloch Steinmann ist überzeugt davon: "Die Finanzierung des Kinos in der Schweiz ist ziemlich grosszügig. Animationsfilme erhalten hier viel mehr Geld als beispielsweise in Deutschland", sagt sie.


Übertragung ins Deutsche: Peter Siegenthaler)

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