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Schweizer Kulturzentrum in Paris "Mein Rezept? Wissen, wie man jemanden empfängt"

Jean-Marc Diébold

Jean-Marc Diébold will auch Künstler aus der Deutschschweiz und dem Tessin nach Frankreich bringen.

(Pierre-Jérôme Adjedj)

Jean-Marc Diébold übernimmt am 1. Oktober 2018 die Leitung des Centre culturel suisse (CCS) in Paris. Der gebürtige Franzose tritt die Nachfolge von Jean-Paul Felley und Olivier Kaeser an. In Vorbereitung auf die Amtsübernahme verfeinert er seine Projekte und spricht über seine "Strategie des künstlerischen Fokus".

Für das Amt der Direktion des CCS gingen über 110 Kandidaturen aus der ganzen Schweiz und dem Ausland bei der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia ein, die das CCS seit über 30 Jahren betreibt. Die Wahl im September letzten Jahres fiel auf Jean-Marc Diébold und das aus gutem Grund: "Der neue Direktor ist hervorragend vernetzt und verfügt über langjährige Erfahrung in der Programmation und im Management kultureller Institutionen. Ausserdem spricht er Deutsch", sagt Sabina Schwarzenbach, Leiterin Kommunikation bei Pro Helvetia.

Diébold wuchs in der Westschweiz auf. Er studierte in Lausanne und Genf und leitete verschiedene Kulturinstitutionen in der Schweiz.

swissinfo.ch: Seit 2014 leiten Sie im Auftrag des französischen Aussenministeriums das Bureau du Théâtre et de la Danse des Institut français Deutschland in Berlin. Ab Oktober 2018 stehen Sie an der Spitze des CCS in Paris. Wird Ihre Methode von Stadt zu Stadt die gleiche sein?

Jean-Marc Diébold: Am Institut wollte ich französische Künstler nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland fördern. Ich habe Partnerschaften mit deutschen Programmierern aufgebaut, um französische Künstler auftreten zu lassen. Das wird in Paris nicht anders sein: Ich will über das Marais (Quartier, in dem sich das CCS befindet, Anm.d.Red.) hinausgehen, um Schweizer Künstler in ganz Frankreich bekannt zu machen.

swissinfo.ch: Was unterscheidet Sie von den aktuellen Leitern des CCS, von Jean-Paul Felley und Olivier Kaeser?

J-M.D.: Die Beiden haben Schweizer Künstler gefördert, indem sie Partnerschaften insbesondere mit Pariser Institutionen ins Leben gerufen haben. Das ist schon mal eine sehr gute Sache. Ich werde diese Öffnung erweitern.

swissinfo.ch: Das heisst?

J-M.D.: Das heisst, Sichtbarkeits-Plattformen zu identifizieren, wie beispielsweise die Swiss Selection am Festival von Avignon (SCH), die theatralisches und choreografisches Schaffen fördert, oder die Biennale de la Danse von Lyon oder die Trans Musicales von Rennes. In meiner Rolle als Förderer muss ich die Strategie der Partnerschaften weiterführen. Wir haben einen Theater-Saal im CCS, aber er ist sehr klein und kann nicht alle künstlerischen Formen aufnehmen. Es ist daher notwendig, nach anderen Orten zu suchen, die sich besser für die Aufführungen, Konzerte und Ausstellungen eignen, die ich lancieren möchte.

swissinfo.ch: Haben Sie schon einen konkreten Ort im Kopf?

J-M.D.: Nein, ich werde mich nicht nur auf einen Ort konzentrieren. Denn jede Kunstform braucht einen angemessenen Rahmen. So werde ich mich beispielsweise für das Schweizer Theater, das auf dem Text basiert, an die Verantwortlichen bekannter Häuser wie die Comédie-Française wenden, um so einen bestimmten Autor oder Regisseur zu unterstützen. Andererseits möchte ich mich beispielsweise für den Zirkus oder die Performance eher dem Centquatre-Paris zuwenden, einer innovativen, kulturellen Einrichtung.  

Centre culturel suisse in Paris

Der neue Direktor will die Kunst auch ausserhalb des CCS-Gelände in Paris verbreiten.

(CCS Paris)

swissinfo.ch: Heisst Künstler zu vertreten, diese am richtigen Ort zu platzieren?

J-M.D.: Ja. Aber auch ihren Werdegang zu strukturieren. Zu diesem Zweck beabsichtige ich, eine Stelle zu schaffen, für die Begleitung von Schweizer Künstlern und die Verbreitung ihrer Werke in Frankreich. Sobald die Sichtbarkeit in Paris oder in anderen Städten erreicht ist, werde ich ein Auge auf die Weiterverfolgung dieser Arbeitsbeziehungen haben. So will ich beispielsweise die anwesenden Programmgestalter fragen, ob ihnen die Vorführung gefallen hat, und ob sie beabsichtigten, sie auf ihren Plakaten zu veröffentlichen. Meine Netzwerk-Erfahrung wird mir bei meiner Arbeit helfen.

swissinfo.ch: Sie kennen auch die deutschen Netzwerke. Werden Sie von Ihrer Berliner Erfahrung profitieren und auch deutschsprachige Künstler ins CCS einladen, die in Frankreich weniger präsent sind als ihre Westschweizer Kollegen?

J-M.D.: Ja. Zu meiner Mission gehört es, das gesamte Schweizer Kunstschaffen in Frankreich zu unterstützen, auch das Tessin. Um das zu erreichen, werde ich mich an das halten, was ich "die Fokus-Strategie" nenne. Will heissen, zweimal im Jahr – ausserhalb des üblichen Programms – das Licht auf eine bestimmte künstlerische Disziplin werfen, die für die Talente der verschiedenen Sprachregionen repräsentativ ist. Ich habe vor, mit den Dramatikern zu beginnen. Ich werde das CCS für andere Bereiche öffnen, die nicht so gut vertreten sind, wie zum Beispiel die Marionetten oder die Kindertheater.

swissinfo.ch: Man sagt, Sie seien ein grosser Kenner der darstellenden Künste, aber nicht der bildenden Künste – im Gegensatz zum Duo Felley-Kaeser. Wie organisieren Sie zum Beispiel eine Ausstellung?

J-M.D.: Man wird nicht von einem Tag auf den anderen Kurator einer Ausstellung. Um aber das hohe Niveau von Felley-Kaeser in der Programmierung der visuellen Künste aufrechtzuerhalten, werde ich jemanden mit den entsprechenden Fähigkeiten einstellen. Zusammen mit der Geschäftsleitung von Pro Helvetia denken wir über eine Ausschreibung nach, die anfangs 2018 erfolgen soll.

swissinfo.ch: Kennen Sie eine Wunder-Rezept, um das Publikum auf Treue einzuschwören?

J-M.D.: Ich bin mir nicht sicher, ob es sich hierbei um ein Wunder handelt. Ich weiss aber, dass das Rezept schnell gesagt ist: Wissen, wie man jemanden willkommen heisst.

Jean-Marc Diébold

Geboren 1966 in Auxerre, Frankreich.

Er wächst in der Schweiz auf und studiert in Lausanne und Genf Politologie, internationale Beziehungen und allgemeine Geschichte.

Zuerst Ko-Leiter des Theaters La Grange de Dorigny, das zur Universität Lausanne gehört, setzt er seine berufliche Karriere ab 1995 in Frankreich fort.

Während fünf Jahren ist er für verschiedene Tanz- und Theaterkompanien als Regisseur und Produzent tätig.

Im Jahr 2000 geht er zum Nationaltheater Le Merland in Marseille und ist dort zuerst als Produktionsleiter, dann als Generalsekretär und künstlerischer Leiter und schliesslich als Ko- und interimistischer Direktor tätig.

Seit 2014 leitet er in Berlin das Bureau du Théâtre et de la Danse des Institut français Deutschland.

Am 1. Oktober 2018 wird er neuer Direktor des CCS in Paris, um zeitgenössische Schweizer Kunst in Frankreich bekannt zu machen.

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(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)

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