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Schweizer Nati an WM ausgeschieden


Chance verpasst, Fussballgeschichte zu schreiben




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Bittere Enttäuschung für die Schweizer Nationalmannschaft. Argentinien besiegt die Nati durch ein Tor in der drittletzten Minute der Verlängerung. ( AFP)

Bittere Enttäuschung für die Schweizer Nationalmannschaft. Argentinien besiegt die Nati durch ein Tor in der drittletzten Minute der Verlängerung.

( AFP)

Die Schweizer Nationalmannschaft hat das Achtelfinale der Fussball-Weltmeisterschaft in einem dramatischen Spiel gegen Argentinien mit 0:1 in der Verlängerung verloren. Das Team von Ottmar Hitzfeld erhält von der Schweizer Presse trotzdem gute Noten. Über die Karriere des Coachs ziehen einige Zeitungen eine gemischte Bilanz.

"Schweizer Achtelfinal-Drama", "Was für ein Pech!", "Mit dem letzten Atemzug gefallen", "Soviel Drama, so viel Schmerz", "Ein Land im Schock". Dass die letzte Partie der Schweizer Nationalmannschaft an der WM in Brasilien an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten war, darin sind sich die Schweizer Medien in ihren Kommentaren einig. Die meisten sind auch des Lobes voll für die Leistung des helvetischen Teams, das bis zum bitteren Ende beherzt gespielt habe.

"Die Schweizer schreiben ein dramatisches Kapitel ihres Abenteuers in São Paulo", schreibt die Westschweizer Tageszeitung La Liberté. "Aber die Helden der Geschichte sterben aufrecht." Stolz, erhaben und mit dem Willen, bis zum letzten Atemzug dem Schicksal zu trotzen.

"Diszipliniert verteidigen, solidarisch kämpfen und grandios laufen: Das konnte die Auswahl in den sechs Jahren von Ottmar Hitzfeld immer. Nun endet eine grosse Trainer-Ära in São Paulo. Die Schweizer fliegen heute Nacht mit breiter Brust zurück nach Zürich. Schmerzen wird es noch lange", bedauert die Basler Zeitung (BAZ).

Immer wieder Messi

Das Schweizer Team hat dem zweifachen Weltmeister Argentinien tatsächlich fast 120 Minuten lang nicht nur standgehalten, sondern sich auch gute Torchancen erarbeitet. Aber kurz vor Schluss erzielte Angel di Maria auf ein perfektes Zuspiel von Lionel Messi den Siegestreffer für die Südamerikaner.

"Der Todes-Angel sticht knallhart zu", kommentiert das Boulevardblatt Blick die dramatische Szene kurz vor Schluss. "Angel ist ganz und gar nicht himmlisch für unsere Nati. Denn dieses WM-Aus hat sie nicht verdient!", meint der Blick und bedankt sich bei der Mannschaft: "Wir sind stolz auf Euch. Ihr habt gekämpft. Ihr habt gelitten. Ihr habt uns träumen lassen." Aber selbst danach hatten die Schweizer nochmals eine riesen Chance, als Blerim Dzemaili in der Nachspielzeit die Flanke von Xherdan Shaqiri nicht verwerten konnte, sondern per Kopfstoss nur den Pfosten traf.

"In der Arena São Paulo jaulten alle rotweissen Supporter auf, Ottmar Hitzfeld schlug an der Seitenlinie die Hände vors Gesicht, Dzemaili selbst wäre wohl am liebsten im Boden versunken. Und fern in der Heimat ging zwischen Genf und St. Gallen ein kollektiver Schrei der Enttäuschung durchs Land. Ein Moment, gemacht für einen Herzinfarkt – Enttäuschung pur bei den Rotweissen", so die BAZ.

"Die Schweizer Nationalmannschaft ist zwar geschlagen, aber trotzdem ausserordentlich", meint die Tessiner Zeitung La Regione. Eine bessere Schweizer Equipe hätte man nicht sehen können. Trotzdem müsse sie die Brasilien verlassen, weil sie sich buchstäblich an einem Pfosten angeschlagen habe, schreibt La Regione mit Bezug auf den Kopfball Dzemailis ans argentinische Torgehäuse.  

"Spektakel und Drama", titelt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). "Was die letzten Minuten der Verlängerung in diesem WM-Achtelfinal zu bieten hatten, war besser, dramatischer und Nerven zerreissender als jeder Penalty-Krimi", schreibt die NZZ und hält fest, was Trainer Hitzfeld nach dem Spiel dazu sagte: "In diesen drei Minuten habe ich nochmals alles erlebt, was mein ganzes Trainerleben ausgemacht hat."

Ära geht zu Ende

Trotzdem rühmt die Zeitung die Ära Hitzfeld nicht mit Superlativen, sondern titelt nüchtern: "Hitzfeld und sein letztes Versäumnis." Die Bestätigung, dass an der WM in Brasilien das beste Schweizer Team aller Zeiten gespielt habe, wie "Enthusiasten" schwärmten, sei ausgeblieben, "sosehr diese Partie in den Bann zu ziehen vermochte. Die WM-Equipen 1994 und 2006 erreichten ebenfalls die Achtelfinals, die heutige Mannschaft ist nicht die beste, auch weil es dafür keinen zuverlässigen Massstab gibt."

Aber es sei die "aufregendste Mannschaft", weil man nie wisse, was man an ihr habe. "Sie ist eine Wundertüte, die aus 2:5-Verlierern fast Viertelfinalteilnehmer macht; sie ist ein Phönix aus der Asche, der gegen Argentinien spät in Rückstand gerät und noch später den Pfosten trifft und in der eigenen Asche die Träume vergräbt."

Noch härter ins Gericht geht der Tages-Anzeiger: "Ottmar Hitzfeld tritt ohne einen besonderen Höhepunkt ab. Die Mannschaft hatte die Chance gehabt, die taumelnde Fussballmacht zu besiegen und Schweizer Fussballgeschichte zu schreiben. Doch sie nutzte ihre Möglichkeiten nicht."

Mit einem Triumph gegen Argentinien hätte es ganz anders ausgesehen, so der Tages-Anzeiger, "so aber ist die Ära Hitzfeld mit durchzogener Bilanz zu einem Schluss gekommen". Der 65-Jährige, als Clubtrainer erfolgreich wie fast kein Zweiter, habe mit dem Nationalteam zwar nur 7 von 35 Wettbewerbsspielen verloren und 19 gewonnen. Das klinge aber besser, als es bei genauerer Betrachtung tatsächlich sei.

"Ottmar Hitzfeld ist mit dem Nationalteam ohne den herausragenden Erfolg geblieben, den kraft seines Rufes viele erwartet hatten. Mehr als die Minimalziele hat die Schweiz unter ihm nicht erreicht. Unterhaltsamen Fussball hat sie nicht oft gespielt." Auch der letzte WM-Match werde nicht deshalb in Erinnerung bleiben, sondern weil er von der Freude am Abnützungskampf lebte. Und vom Warten auf den entscheidenden Moment. 

swissinfo.ch

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