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In Ungarn will die Schweiz am Freitagabend den nächsten Akzent auf dem Weg an die WM 2018 setzen. Rund um die SFV-Auswahl ist ein fortschrittlicher Prozess wahrnehmbar.

Für wie erheblich Vladimir Petkovic teaminterne Strömungen und die Aussenwahrnehmung seiner Equipe hält, ist immer wieder hör- und spürbar. Ungefragt thematisierte der Schweizer Selektionär gleich am ersten Camp-Tag die Atmosphäre. "Es hat sich etwas verändert", stellte er fest. Im Kern selber, aber auch im Umfeld. Petkovic registriert den vermehrten öffentlichen Zuspruch, er geniesst die mediale Wertschätzung, Komplimente der Amtskollegen während einer internationalen Tagung in Paris tun ihm gut.

Der mehrwöchige EM-Teambildungs-Prozess im Tessin, die weitgehend erfrischende Turnier-Performance, der aussergewöhnlich gute Start gegen den Europameister Portugal (2:0) - Petkovic hat im zweiten Frühling unter seiner Leitung eine taktische Basis und ein Mass an Akzeptanz geschaffen, die ihm die nächsten Schritte womöglich markant vereinfachen.

Petkovic versteht und deutet das teilweise nicht ganz unkomplizierte Ensemble inzwischen vorzüglich. Er hat Strukturen erarbeitet - auch ausserhalb des Spielsystems. Wenn er von einer "Symbiose" spricht, stimmt das Bild. Er ist nicht Teil eines verschworenen Freundeskreises, Petkovic ist eher bestrebt, das Zusammenleben so zu managen, dass der gegenseitige Nutzen optimal ist.

Auch kritische Beobachter und Direktbeteiligte goutieren Petkovics Weg inzwischen vorbehaltlos. Der EM-Bonus ist beträchtlich - zumal nach dem brillanten Auftakt in der neuen Kampagne. Captain Stephan Lichtsteiner etwa sagt, die Handschrift des Trainers sei auf dem Platz erkennbar. "Das Ergebnis ist sichtbar. Alle haben verstanden, was er will, wonach er sucht."

Keine Debatten

Im Gegensatz zum Zusammenzug im September keimten auch auf den interkulturellen Nebenschauplätzen keinerlei Polemiken auf. Die schwierige Aufgabe bestimmte die Agenda. Angesichts der immensen Aufmerksamkeit und Themenvielfalt, welche das Fussball-Nationalteam auf allen möglichen Kanälen generiert, verlief die Annäherung an die Budapester Herausforderung überaus sachlich.

Selbst die paar gewichtigen Ausfälle lösten nur am Rande zwei, drei taktisch geprägte Debatten aus. Die Betroffenen in der SFV-Auswahl reagierten unaufgeregt auf die möglichen Umstellungen. Die personelle Bandbreite wird als ausreichend betrachtet, die Absenz der Patrons Johan Djourou und Granit Xhaka angemessen zu kompensieren.

Petkovics Warnung

In der Arena des Rekordmeisters Ferencvaros bietet sich die Chance, einen nächsten Direktkonkurrenten um eine Topklassierung frühzeitig unter Druck zu setzen. Gegen das teilweise spektakuläre Team von Bernd Storck, das in Budapest seit 25 Monaten keinen Ernstkampf mehr verloren hat, kann Petkovics Equipe erneut belegen, seit der Sommerperiode markante Fortschritte erzielt zu haben.

"Wir haben erst einen von zehn Schritten hinter uns", warnte Petkovic und erinnerte daran, dass die Osteuropäer "ungeplant zwei Punkte verloren haben." Der Tessiner Selektionär rechnet zur Wiedergutmachung des blamablen 0:0 gegen die Färöer Inseln mit einem angriffslustigen Kontrahenten. "Sie werden alles unternehmen, um das Unentschieden zu korrigieren."

In der Hauptstadt der Magyaren bahnt sich im modernen und relativ engen Stadion allerdings ein beschwerlicher Abend an. Die 23'000 Tickets waren sofort vergriffen. Das erste Heimspiel der EM-Helden will kein einheimischer Aficionado verpassen. In Erinnerung haben die Anhänger nicht das torlose Remis auf den Schafsinseln, sie schwärmen lieber vom 3:3 gegen Portugal in Frankreich.

sda-ats

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