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Schweizer Traditionsfirma zügelt nach England

(studer.ch)

Von der Produktionsverlagerung sind bei Studer Professional Audio rund 35 von 100 Mitarbeitenden betroffen. Das Management der zum US-Harman-Konzern gehörenden Firma spricht von Standort-Optimierung, die Gewerkschaft von "industriellem Selbstmord".

Wenn der Audio-Hersteller Studer aus dem zürcherischen Regensdorf in die Schlagzeilen gerät, horchen viele in der Schweiz auf.

Denn Studer-Revox steht für Schweizer Wertarbeit, und bei vielen Schweizer Männern der älteren Generation wird noch immer eine der analogen Revox-Bandmaschinen herumstehen und langsam verstauben, denn die digitale Welt hat auch ihren Audio-Bereich erfasst.

Die Digitalisierung war es denn auch, die den Niedergang der legendären Firma einläutete. Harte Sanierungen waren notwendig. Von den einst 1500 Beschäftigten sind 100 übrig geblieben. Sie stellen - noch immer am alten Standort in Regensdorf - hochwertige Einrichtungen für Audiostudios her. Damit wird es demnächst vorbei sein.

Anfang vom Ende?

Die Produktion wird nach England verlegt. Dort liegt der Sitz der Mixergroup, die im Auftrag des Harman-Konzerns die Studer und die Mischpult-Herstellerin Soundcraft führt. In Regensdorf verbleiben die Bereiche Entwicklung und Forschung.

Soundcraft ist denn auch der Stein des Anstosses, sowohl für die betroffene Belegschaft wie für die Gewerkschaft Unia, die gegen den Jobabbau kämpft.

Hans Hartmann von der Unia sagt gegenüber swissinfo.ch, er sei an interne Zahlen gelangt, welche zeigten, dass Soundcraft defizitär sei und in Schwierigkeiten stecke.

Nun versuche das "mittlere Management", Soundcraft und die eigene Haut zu retten, indem die Cash-Cow Studer einverleibt werde. "Am Schluss werden zwei kaputte Unternehmen da stehen", sagt Hartmann.

Für ihn ist die hochflexible und auf den einzelnen Endkunden ausgerichtete Produktion digitaler Studioeinrichtungen in Regensdorf nicht mit der Soundcraft–Produktion vergleichbar. "Aus betrieblicher Sicht macht die Verlagerung deshalb keinerlei Sinn!" Am Schluss werde von Studer nichts mehr in der Schweiz sein.

Entscheidung der Konzernleitung

"Klar schmerzt es immer, den Abbau von Arbeitsplätzen kommunizieren zu müssen", sagt Juergen Bopst, General Manager bei Studer.

Die Argumente der Gewerkschaft kann Bopst nicht nachvollziehen. Sie seien absurd. "Wieso sollte ich eine Produktionsverlagerung benötigen, um Zugriff auf Studer zu haben, wenn mir die Firma ohnehin gehört?"

Die Verlagerung sei beschlossene Sache. Die Betroffenen seien vor rund drei Monaten informiert worden. Auch ein Sozialplan sei ausgehandelt.

"Unschön an der ganzen Entwicklung ist für mich, dass die Aktivitäten der Gewerkschaft, Arbeitsniederlegungen oder gar Streiks, bei den Betroffenen Hoffnung aufkommen lässt, es werde sich am Entscheid noch etwas ändern. Doch das ist nicht der Fall", sagt Bopst weiter.

Der General Manager weist in diesem Zusammenhang auf den Harman-Konzern hin, zu dem Studer oder genauer Soundcraft-Studer gehöre. "Wir sind kein Riesenkonzern, aber auch wir müssen ständig zwischen den einzelnen Standorten betriebswirtschaftlich handeln." Auch anderswo, zum Beispiel in Wales, seien Arbeitsplätze verlagert worden.

Hochlohnland Schweiz?

Laut Bopst bleiben Management, Forschung und der Kundendienst in Regendstorf, allerdings nicht mehr in den traditionellen, grünlichen "Revox-Gebäuden". "Wir haben neue Räume auf längere Frist gemietet, und das würden wir nicht tun, wenn wir ganz aus der Schweiz wegziehen möchten."

Damit scheint Studer vordergründig dem Trend zu folgen, nach dem der Produktionsstandort Schweiz wegen zu hoher Lohnkosten verlassen wird. Dem Land verbleiben Dienstleistung, Forschung und Management.

Ein Positionspapier der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP) drückt es so aus: "Die Liberalisierung und Regulierung auf internationaler Ebene wird weiter zunehmen. Als Werk- und Handelsplatz wird die Schweiz eher an Bedeutung verlieren, als Finanzplatz dagegen stark bleiben. Industrien mit ausgereiften Technologien werden in der Schweiz weiter abgebaut und ins Ausland verlagert."

Juergen Bopst mag dem nicht explizit zustimmen. Auch im Harman Konzern gelte es, sich auf wenige Standorte zu konzentrieren. "Da sind dann halt die Lohnkosten der letzte Schritt."

Urs Maurer, swissinfo.ch

Kleine Studer-Revox-Geschichte

1948 Willi Studer gründet ein Unternehmen zur Herstellung von Tonbandgeräten. Der Name Revox wird 1951 eingeführt.

1957 kommt die transportable Studio-Tonbandmaschine B 30 auf den Markt. Der Name Studer steht künftig für professionelles Audio und Studioeinrichtungen. Revox für den Consumer-Bereich.

1989 zieht sich Willi Studer, der Gründer der Firma, aus dem Unternehmen zurück. Studer-Revox hat 1576 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 215 Mio. Franken. In den Folgejahren wird die Firma von Motor Columbus AG, einem Unternehmen der SAEG Refindus Holding AG übernommen.

1994 wird der Unternehmensteil Studer an die amerikanische Firma Harman International verkauft. Revox an private Investoren.

1996 am 1. März stirbt Willi Studer im Alter von 83 Jahren.

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Otto Ineichen übernimmt

Im Konflikt bei Studer Professional springt der Unternehmer und Nationarat Otto Ineichen in die Bresche: Er will die Studer-Besitzerin Harman davon abhalten, die Produktion nach England zu verlagern.

Die Herstellerin von Mischpulten für Radio- und Fernsehstudios sei eine Perle, sagte Ineichen. Zu deren Kunden zählen BBC, CBS, Fox, Paramount oder Disney.

Harman würde durch eine Verlagerung der Produktion das Label "Swiss made" verlieren, ist Ineichen überzeugt. "Ich behaupte mal, dass Studer in den letzten zwei Jahren 70% der Aufträge nur bekommen hat, weil sie 'Swiss made' sind".

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